Regionalliga Nordost
: Energie Cottbus darf nun 4540 Zuschauer empfangen

Energie Cottbus darf nun theoretisch 4540 Zuschauer im Stadion der Freundschaft empfangen. Brandenburgs Landesregierung hat die Großveranstaltungsverbotsverordnung geändert. Aber kann der Verein das schon im nächsten Heimspiel umsetzen?
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack,
Steven Wiesner
Cottbus
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Das Stadion der Freundschaft könnte bald wieder etwas besser gefüllt sein. Bereits am Mittwochabend findet das nächste FCE-Heimspiel statt.

Steffen Beyer

Fußball–Regionalligist Energie Cottbus darf wieder mehr als 1000 Fans in das Stadion der Freundschaft lassen. Das ist das Ergebnis einer Kabinetts–Beratung der Brandenburger Landesregierung am Dienstag in Potsdam. Die Großveranstaltungsverbotsverordnung wurde verändert. Demnach dürfen ab sofort 20 Prozent der Zuschauerkapazitäten der Veranstaltungsorte wieder ausgenutzt werden. Das teilte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) nach der Kabinettssitzung bei einer Pressekonferenz mit.

Sie betonte, dass es ein absolutes Alkoholverbot gebe und die gängigen Abstandsregelungen gelten. Sie verdeutlichte: „Wir hoffen sehr inständig, dass die Regelungen eingehalten werden und dass es nicht wieder Bilder von Verbrüderungen gibt.“

Das Cottbuser Stadion der Freundschaft hat laut FCE–Sprecher Stefan Scharfenberg–Hecht eine offizielle Kapazität von 22700 Plätzen. Demnach dürfen nun 4540 Zuschauer bei den Cottbuser Spielen in der Regionalliga Nordost und im Landespokal dabei sein. Das ist zwar immer noch weniger als bei der Minuskulisse in der Vorsaison (4663 gegen Optik Rathenow), aber natürlich ein deutlicher Zuwachs im Gegensatz zu den bisher erlaubten 1000 Gästen. Der Schnitt beim FC Energie in der vergangenen Saison lag bei 6220 Zuschauern pro Spiel.

Schafft Energie das fürs Heimspiel?

Für das Heimspiel am Mittwoch gegen Union Fürstenwalde (Beginn um 19 Uhr) steht dem FCE damit ein Wettlauf gegen die Zeit bevor. Denn der Verein muss nach dem grünen Licht aus Potsdam innerhalb von 24 Stunden einen erneuten Antrag beim Gesundheitsamt der Stadt Cottbus stellen. Der Ticketverkauf kann erst beginnen, wenn auch das Gesundheitsamt der erhöhten Zuschauerzahl zugestimmt hat.

„Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten. Oberste Priorität hat für uns zunächst, dass die rund 1650 Dauerkarten–Inhaber ins Stadion dürfen. Außerdem prüfen wir, ob angesichts der Kürze der Zeit noch ein Verkauf von Tagestickets umsetzbar ist“, hatte FCE–Medienkoordinator Stefan Scharfenberg–Hecht zuvor erklärt.

In einer von der Staatskanzlei veröffentlichten Pressemitteilung weist Gesundheitsministerin Nonnemacher daraufhin: „Aus Sicht des Infektionsschutzes sind Großveranstaltungen immer ein Risiko. Aber in einem Stadion mit 10.000 oder 20.000 Plätzen ist eine Auslastung von bis zu 20 Prozent im Augenblick noch vertretbar. Die geänderte Regelung ist eine behutsame Lockerung. Aber bei den Abstands– und Hygieneregeln gibt es keine Kompromisse! Entscheidend sind gute Konzepte, die von allen Beteiligten, insbesondere den Veranstaltern, konsequent eingehalten werden.“

Testphase in den Stadien

Bereits Anfang September hatte Energie Cottbus versucht, mit einem eigenen Hygienekonzept rund 2000 Zuschauer ins Stadion der Freundschaft zu bekommen.

Nach bisherigem Stand waren für das Heimspiel gegen Union Fürstenwalde nur 1000 Dauerkarten–Inhaber zugelassen. Dafür hat der Verein rollierendes System eingeführt. Das bedeutet: Bei jedem Heimspiel kommen andere Fans zum Zuge. Für sie sind die Sitzplatzbereiche im Unterrang der Osttribüne (Blöcke U1, U2 und U3) sowie die Blöcke S1 und S2 auf der Südtribüne vorgesehen.

In der vergangenen Woche hatten sich die Bundesländer in einer Videoschalte auf eine sechswöchige Testphase mit mehr Zuschauern in den Stadien geeinigt. Bundesweit einheitlich dürfen demnach bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern nun 20 Prozent der Plätze besetzt werden. Das aktuelle Pandemiegeschehen wird dabei berücksichtigt. Die Regionalliga zählt allerdings nicht zu den dort genannten Profiligen. Die Bundesländer können einzeln entscheiden, ob die 20–Prozent–Regel auch in der 4. Liga angewandt wird. Gesundheitsministerin Nonnemacher bestätigte das nun und betonte: „Brandenburg hat sich in den vergangenen Monaten stets bundestreu verhalten. Wir wollen dort mitgehen und den gemeinsam gefassten Beschluss, über den sich nicht alle freuen, umsetzen.“

Ende der vergangenen Woche hatte das Gesundheitsamt der Stadt Cottbus einen entsprechenden Antrag des FC Energie unter Verweis auf die derzeit gültige Verordnungslage noch abgewiesen. Präsident Matthias Auth hatte danach in einer Mitteilung auf der Internetseite des FCE scharfe Kritik an dieser Entscheidung geübt.

Scharfe Kritik von Energie Cottbus

Diese Reaktion der Behörde sei Niemandem mehr zu vermitteln: „Fans, Partner und auch wir Verantwortliche können es nicht mehr nachvollziehen. Mit unserem umfangreichen Hygienekonzept, welches fortlaufend den Anforderungen entsprechend angepasst wurde, haben wir mehrfach und fundiert nachgewiesen, dass wir alles in unserer Macht stehende möglich machen, damit die Verbreitung des ,Covid19–Virus‘ eingeschränkt wird.“

Stadt weist Kritik zurück

Im Rathaus reagierte man mit Verwunderung auf die Kritik — denn letztlich setze die Stadt Cottbus und das Gesundheitsamt nur die Vorgaben der Landesregierung um. Deshalb stellt Stadtsprecher Jan Gloßmann klar: „Energie sucht sich den falschen Gegner aus.“ Die Stadt könne erst reagieren, sobald es eine neue Rechtsverordnung vom Land Brandenburg gebe. „Darauf warten wir genauso wie jeder Energie–Fan“, wies Gloßmann vor den Neuigkeiten aus Potsdam die Kritik zurück, dass die Verwaltung den FC Energie im Stich lassen würde. Er betont: „Es liegt nicht am Hygienekonzept oder an Energie Cottbus. Und das sollte Energie auch nicht ständig suggerieren.“