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: Ostderby in Cottbus: Druck im Kessel der Emotionen

Es ist ein „Hochsicherheitsspiel“, mit dem der FC Energie Cottbus am Freitag in die neue Zweitligasaison gegen Dynamo Dresden startet. Zu der Einstufung sah sich der Deutsche Fußballbund (DFB) veranlasst, weil Randalierer beider Vereine
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Cottbus
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Eine kritische Anmerkung muss sich der DFB vorab vom FCE gefallen lassen: Drei brisante Ostderbys an den ersten vier Spieltagen anzusetzen — das ist aus Sicht von Vereinssprecher Lars Töffling nicht gerade glücklich. Aber die Cottbuser müssen es ohnehin nehmen, wie es kommt. Deshalb sind mit Polizei und Sicherheitsdiensten Konzepte überarbeitet worden, die sich bei Heimspielen in der Vorsaison etwa gegen Hertha BSC schon bewährt haben.

So haben die Fans bereits das neue personalisierte System des Ticketverkaufs zur Kenntnis nehmen müssen — Hunderte Meter lange Schlangen und stundenlanges Anstehen an der Stadionkasse waren bereits am Montag die Konsequenz. „Die Vorlage des Personalausweises ermöglicht es uns, rivalisierende Cottbuser und Dresdner Fans zu trennen, ihnen nicht Tickets in ein und demselben Block zu verkaufen“, verweist Töffling auf das erstmals bei einem Heimspiel praktizierte Verfahren. Wer Stadion– oder Hausverbot hat und trotzdem herein will, werde hier gestoppt. Zudem sei es für Dresdner am Spieltag völlig zwecklos, nach Cottbus anzureisen: „Am Freitag wird es keinen Kartenverkauf für Gästefans geben“, sagt der FCE–Sprecher.

Was die Dresdner begrüßt haben: Energie nimmt nicht — wie andere Vereine — die vom DFB erlaubte Begrenzung von Tickets unter denen zehn Prozent für auswärtige Fans wahr. Vielmehr werden zu den üblichen 2200 noch 1000 Karten mehr angeboten. Das soll Druck aus dem Kessel der Emotionen ablassen und möglichst vielen Dynamo–Fans das erste Bundesligaspiel nach langer „Leidenszeit“ ermöglichen.

Ob das Konzept aufgeht, muss der Freitag zeigen. Fakt ist: Es wird von Anreise–Kontrollen auf Autobahn und in Zügen, Absperrungen und Bundespolizeibegleitung der Dynamo–Fans zwischen Cottbuser Hauptbahnhof und der Tangente bis zum Stadion sowie Hubschrauberüberwachung bis hin zu Alkoholverbot das komplette Sicherheitsprogramm aufgefahren. Die Stadt Cottbus ist in Nord–Süd–Richtung nur eingeschränkt befahrbar. Aber das kennen die Lausitzer.

Polizei, Stadt, Sicherheitsdienste und Verein ziehen an einem Strang, um Ausschreitungen zu verhindern. Im Internet verweist der FC Energie in einer gemeinsamen Erklärung, die auch mit den Dresdnern abgestimmt ist, darauf, was Besucher des Ostderbys erwartet.

Alle Verantwortlichen und die überwiegende Zahl der Fußballfans wollen ein sportlich–faires Match sehen. Drohende Geisterspiele oder Platzsperren schaden allen.

Deswegen hat Energie Cottbus inzwischen auch Konsequenzen nach der Randale in Aue gezogen: Nach den Ausschreitungen in der Vorsaison sind nach bisherigem Ermittlungsstand 14 Hausverbote — darunter auch lebenslange — durch den FCE verhängt worden. Der FC Energie wird nach Abschluss der Ermittlungen der sächsischen Staatsanwaltschaft zu den Randalen von Aue darauf drängen, dass die 14 mit Hausverbot in Cottbus belegten Fans auch Stadionverbote erhalten. Diese bundesweit geltenden Zutrittsverbote zu Bundesligastadien können beim DFB nur von dem Verein beantragt werden, in dessen Stadion die Ausschreitungen stattfanden. Wie Töffling erklärte, stehe man darüber mit Erzgebirge Aue in Kontakt.