Von Jan Lehmann

Diese Energie-Mannschaft hat in der Regionalliga Rekorde gebrochen – die Cottbuser Aufstiegshelden um Marc Stein, Fabio Viteritti, Kevin Weidlich oder Torhüter Avdo Spahic haben sich mit ihrer 89-Punkte-Saison 2017/18 in der Vereinschronik verewigt. Nicht wenige FCE-Fans glauben noch heute: Wenn dieses Team nicht wegen nur eines fehlenden Tores nach dem bitteren 1:1 im Zitterfinale bei Eintracht Braunschweig im Mai 2019 hätte absteigen müssen, wäre es in diesem Spieljahr in der 3. Liga richtig durchgestartet.

Doch die verheißungsvolle Mannschaft fiel bekanntermaßen auseinander. Auch Co-Trainer Frank Eulberg verließ den Verein – Kapitän Stein war schon im Winter gewechselt. Energie verzeichnete im Sommer 22 Abgänge, doch nur zwei Akteure starteten auch bei ihrem neuen Club sofort durch. Andere hingegen suchen vier Monate nach ihrem Abschied aus Cottbus immer noch nach einem neuen Arbeitgeber. Die RUNDSCHAU gibt den Überblick.

DIE DURCHSTARTER

Nicht alle Cottbuser Fans hatten daran geglaubt, dass Streli Mamba  (25 Jahre/SC Paderborn) auch in der 1. Fußball-Bundesliga Tore schießen kann. Schließlich war der pfeilschnelle Angreifer in Cottbus nicht nur wegen seiner vielen wichtigen Treffer, sondern auch seiner zahlreichen Fehlschüsse ein ganz spezieller Stürmer. Doch beim Aufsteiger Paderborn scheint es für Mamba zu funktionieren. Nach vier Erstliga-Einsätzen stehen bei Mamba bereits zwei Tore und eine Vorlage zu Buche. Allerdings: Paderborn wartet noch auf den ersten Sieg – und Mamba saß zuletzt im Kellerduell bei Hertha BSC (1:2) 90 Minuten nur auf der Bank.

Fabio Viteritti  (26/FSV Zwickau) indes stand in dieser Saison bisher immer in der Startelf. Zuletzt erzielte er gegen Rostock mit einem sehenswerten Treffer ins Eck das wichtige 1:1. Der Dribbler hat bereits drei Tore geschossen, ist zudem auch schon Wortführer beim Drittligisten.

DIE STAMMSPIELER

Luke Hemmerich  (21/Würzburger Kickers) und José-Junior Matuwila  (28/1. FC Kaiserslautern) haben sich in der 3. Liga fest bei ihren neuen Teams etabliert.  Nach ausgeheiltem Muskelfaserriss ist auch Fabian Holthaus  (24/Viktoria Köln) inzwischen Stammspieler. In der Regionalliga sind Marcel Baude  (29/VfB Auerbach) und Torhüter Kevin Rauhut  (29/Fortuna Köln) ebenfalls sichere Startelf-Kandidaten. Rauhut hat in Köln in acht Spielen bisher 13 Gegentore kassiert, einmal spielte sein Team zu Null.

DIE BANKDRÜCKER

Nach seinem Wechsel ist der einstige Cottbuser Stammkeeper Avdo Spahic  (22/1. FC Kaiserslautern) in der 3. Liga nur zweite Wahl. Bisher absolvierte er für seinen neuen Club nur ein Spiel im Verbandspokal.  Daniel Bohl  (25/Chemnitzer FC) war erst bei zwei von fünf möglichen Spielen dabei. Zwar erzielte er bereits ein Tor für Chemnitz. Zuletzt beim wichtigen Sieg im Kellerduell gegen Carl Zeiss Jena saß er allerdings wieder nur 90 Minuten auf der Bank. In der Regionalliga Nord hat Fabian Graudenz  (27/Weiche Flensburg) bisher von elf möglichen Spielen nur viermal in der Startelf gestanden.

DIE PECHVÖGEL

Jürgen Gjasula  (33/1. FC Magdeburg) war bei seinem neuen Club sofort Stammspieler. Dann zog er sich im Drittliga-Spiel gegen Jena allerdings einen Mittelhandbruch zu und fehlte nun bereits in zwei Partien. Nach der Operation hofft man beim Zweitliga-Absteiger aber auf ein schnelles Comeback des Routiniers. Gjasula, der in Magdeburg als Innenverteidiger eingesetzt wird, soll mit Carbonschiene spielen.

Wann Lasse Schlüter  (27/Eintracht Braunschweig) auf den Platz zurückkehrt, ist ungewiss. Der Verteidiger hat wegen eines Innenband­anrisses noch kein Drittliga-Spiel für einen neuen Club absolviert.

Philipp Knechtel  (23/Germania Halberstadt) kam nach einem Muskelfaserriss zu Saisonbeginn nur bei der zweiten Mannschaft in der Landesklasse zum Einsatz, spielte dann für die Erste im Landespokal.  In der Regionalliga kam er noch nicht zum Zuge. Ein Muskelfaserriss hat auch Lars Bender  (31/Fortuna Köln) etwas ausgebremst. Er absolvierte nur vier von acht Spielen in der Regionalliga West.

Erst ein Spiel steht bei Leon Schneider  (19/1. FC Köln II) für seinen neuen Club zu Buche. Seither fehlt er verletzt.  Und Marcelo de Freitas  (25/CD Nacional Funchal) stand beim portugiesischen Zweitligisten noch nicht im Kader. Nach drei Spielen beim Chemnitzer FC war er auf die Insel Madeira gewechselt.

DIE VEREINSLOSEN

Kevin Weidlich  (29) hält sich in seiner Heimatstadt Hamburg fit, ein Probetraining bei Hansa Rostock endete erfolglos. Kevin Scheidhauer  (27) lebt mit seiner Familie in Duisburg. Nach einer Leisten-Operation versucht er nun, sich wieder für den Profi-Fußball fitzumachen.

Zuletzt beim Cottbuser Auswärtsspiel bei Lok Leipzig war Scheidhauer zu Besuch bei seinem Ex-Team. Er berichtete, dass er vor allem im Ausland nach einem neuen Verein Ausschau halte.

Daniel Stanese  (25) hatte die Sommervorbereitung bei Energie absolviert, sich aber mit dem FCE auf keinen Vertrag einigen können.  Der Cottbuser Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz hatte zuletzt noch einmal verdeutlicht: „Wenn wir uns an den vorgegebenen Rahmen halten, dann sind Spieler der Kategorie Stanese und Weidlich stand jetzt nicht fi­nanzierbar.“ André Startsev  (25) ist in seine Heimatstadt Hannover zurückgekehrt, aber noch immer ohne Club.

DIE RENTNER

Dass Tim Kruse (36) in die Fußball-Rente gehen würde, war schon in der vergangenen Saison klar. Der einstige Mittelfeld-Stratege ist mit seiner Familie in Cottbus geblieben. Beim FCE arbeitete Kruse zuletzt als Video-Analyst, ohne aber vertraglich an den Regionalligisten gebunden zu sein.

Das Karriere-Ende von Maximilian Zimmer (27) kam indes überraschend. Wegen anhaltender Knieprobleme nach seinem dritten Kreuzbandriss stellte der Filigrantechniker die Fußballschuhe in die Ecke. In Berlin will sich Zimmer jetzt zum Kaufmann für Finanzen und Versicherungen für Profi-Fußballer umschulen lassen.

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