
Christian Müller: Müller macht's
„Heute Sorgenkind, morgen Leistungsträger?“ hatte die RUNDSCHAU im Juni getitelt, als Energie Cottbus Alexander Ludwig, Mustafa Kucukovic und Christian Müller als Neuzugänge vorstellte. Alle drei Spieler kamen mit dem Stempel „Gescheitert“ in die Lausitz: Der Edel–Techniker Ludwig, der erst bei St. Pauli aufgetrumpft, später aber bei 1860 München kaum noch Einsatzzeiten bekommen hatte. Sturmtalent Kucukovic, dass beim Hamburger SV hoch gehandelt worden war, zuletzt aber nur noch in Dänemark kickte. Und eben der abgestürzte Shooting–Star Müller, der als ehemaliger Junioren–Nationalspieler fünf Monate arbeitslos war und in Bielefeld wieder ganz unten anfangen musste.
Stellt man nun die Frage erneut, wer von den drei Sorgenkindern es zum Leistungsträger bringen könnte, dann ist die Antwort wohl: Müller macht's. Dessen Auftritt gegen Eintracht Frankfurt war jedenfalls laut Trainer Claus–Dieter Wollitz „eine Hausnummer“. Der Trainer beschränkt sein Lob nicht nur auf die beiden Torvorlagen, sondern attestiert dem 27–Jährige sehr gutes taktisches Verhalten: „Stark, wie er attackiert hat.“
Flausen und schlechte Manieren Dabei durfte man so eine Leistung (Müller: „Eines der besten Spiele meiner Karriere") so nicht unbedingt erwarten. In Cottbus hatte man den gebürtigen Berliner nämlich anders kennengelernt. Von 2008 bis 2009 stand Müler schon einmal bei Energie unter Vertrag — und kickte nahezu unbeachtet in der Reserve–Elf vor sich hin.
Das ist nun anders. Müller ist zwar noch kein Stammspieler, aber der Trainer hat ihn immer auf der Rechnung. Wollitz, der den zuvor Gescheiterten erst nach einem Tipp von Trainerkollege Ewald Lienen auf dem Zettel hatte, erklärt: „Entscheidend war, dass Christian sich selbstkritisch mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat.“ Müller hatte seine versandete Karriere mit eigenen Fehlern erklärt: „Ich hatte schlechte Manieren und Flausen im Kopf.“
Ab und an kommt dieser „krasse Chris“ noch mal durch. Beim Eishockey–Training unlängst in Weißwasser grinste Kapitän Marc Andre Kruska nach einer Faxen–Einlage des Mitspielers: „Der Müller ist verrückt.“ Ein bisschen verrückt vielleicht, aber nicht mehr vogelwild. Müller betont: „Ich weiß jetzt, wie man sich als Fußballer benehmen, seinen Körper pflegen und sich ernähren muss.“ Diese Wandlung hat ihm gut getan — und ihn in der Sorgenkinder–Rangliste vorerst in die beste Position gebracht.
RUNDSCHAU–Umfrage:
Schafft es Christian Müller zum Leistungsträger beim FCE? www.lr–online.de/fcenergie