Ich kann mir nicht vorstellen, dass es aus den Reihen des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) oder auch des übergeordneten Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) eine Zustimmung für die zweigleisige 3. Liga gibt, auf die vor allem die Fußballfans in der Lausitz inzwischen Hoffnung setzen. Der Grund ist ein simpler Interessenskonflikt:  Die Regionalliga Nordost ist für den Nordostdeutschen Fußballverband und seine Landesverbände schließlich ein Prestigeobjekt.

Die höchste Spielklasse des Regionalverbandes hat in den Jahren immer mehr Zugkraft entwickelt. Das liegt daran, dass sich dort Clubs wie Lok Leipzig, BFC Dynamo oder eben auch Energie Cottbus gegenüberstehen. In der Vergangenheit waren auch Carl-Zeiss Jena, der Chemnitzer FC oder der 1. FC Magdeburg in dieser Liga zu Hause. Da schwingt eine gehörige Portion Fußball-Nostalgie mit. Der Charme der alten DDR-Oberliga wird verstärkt, indem das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit dem MDR oder auch dem RBB sehr regelmäßig und ausführlich über die Spiele berichtet und sie oft auch live überträgt. Irgendwie alles ganz gemütlich im Fußballosten – und lukrativ: Vereine wie Optik Rathenow oder Bischofswerdaer FV kokettieren damit, dass diese Regionalliga für sie angesichts der namhaften Besetzung eine Art Champions League ist.
Nun aber liegt ein Antrag vor, der diese Ossi-Königsklasse zerstören könnte. Denn sollte sich die Idee mit der zweigleisigen 3. Liga durchsetzen, ist die Chance relativ groß, dass sich Clubs wie Leipzig, Jena, Chemnitz oder auch Cottbus dauerhaft dort etablieren und sich somit in der ostdeutschen Fußballprovinz rarmachen würden. Den hiesigen Rathenows & Co. würden die kassenfüllenden Gegner fehlen, das Fernsehen sich mit der Berichterstattung vermutlich auf die vielen Drittliga-Spiele konzentrieren und die Verantwortlichen bei FLB und NOFV so an Einfluss und Bedeutung verlieren. Kaum vorstellbar, dass sie am 25. Mai beim Außerordentlichen DFB-Bundestag mit Vehemenz für genau dieses Szenario kämpfen werden.