Nach ihrer aktiven Laufbahn sind nur ganz wenige frühere Spieler weiterhin in Diensten des FC Energie verblieben. Der Bekannteste dabei ist Marketing-Dauerbrenner Ralf Lempke. Als Trainer der Nachwuchsabteilung sind auch Maik Pohland, Bernd Deutschmann, Detlef Ullrich und Andreas Richter noch immer eng mit dem Verein verbunden. Mit Karl-Heinz Jahn kommt ein weiterer Kicker hinzu, der jedoch inzwischen ausschließlich für die Sicherstellung der materiell-technischen Dinge zuständig ist. Als Angestellter des Sportstättenbetriebes gilt er auf Energies Nachwuchs-Anlage am Priorgraben als Mädchen für alles. Doch hat der jetzt 62-Jährige auch als Aktiver seine Spuren bei seinen insgesamt 103 Einsätzen hinterlassen.

Herr Jahn, erst als 24-jähriger sind Sie bei Energie Cottbus aufgetaucht, muss man Sie deshalb als Spätstarter in Sachen Fußball bezeichnen?
Was die Mitgliedschaft bei Energie Cottbus betrifft, kann man das vielleicht wirklich so sagen. Ich hatte ja ohnehin erst als 11-Jähriger bei Wacker in Ströbitz mit dem regelmäßigen Fußballtraining begonnen.

Offenbar muss ich doch auch irgendwelche Fähigkeiten gehabt haben, denn mit 17 Jahren habe ich bereits in der Männermannschaft gespielt. Später während der Armeezeit habe ich bei Vorwärts Kamenz im dortigen Sportzug mit Günter Mikosch, Bernd Deutschmann und Gerd Rengers gespielt. Damals wollte ich übrigens in Richtung Flugzeugmechaniker umsatteln, nachdem ich zuvor ja schon eine Ausbildung im RAW zum Schienenfahrzeugschlosser abgeschlossen hatte. Aber irgendwie kam alles anders, denn 1976 bin ich zu Lok RAW zurück, wo ich allerdings den Abstieg aus der Bezirksklasse auch nicht verhindern konnte.

Angeschlossen hat sich dann eine Spielzeit bei Lok Cottbus, dort haben mich dann wohl die Leute von Energie als zu Höherem berufen befunden. So hatte ich dann nach einer Wechselsperre im März 1978 erstmals den Energie-Dress an, konkret war das beim 1:0-Sieg gegen Vorwärts Plauen.

Als sich Energie im Sommer 1981 wieder einmal über die Aufstiegsrunde für die DDR-Oberliga qualifizieren konnte, waren Sie dabei. Hätten Sie in Ihren Ströbitzer Anfangstagen jemals an derartige Höhenflüge geglaubt?
Im Leben nicht, aber es ist bis dahin eigentlich richtig gut gelaufen. Ab und an hatte ich auch Glück. So beispielsweise bei meinem ersten Energie-Männerspiel. Das wohl nur deshalb zustande kam, weil sich Torjäger Erhard Gröger schwer verletzt hatte und man einen Stürmer brauchte. Aber die Oberligaspiele waren schon die Höhepunkte in meiner Laufbahn, obwohl wir ja als Dreizehnter prompt wieder abgestiegen sind.

Gibt es ein Spiel, das Sie in besonderer Erinnerung haben?
Ja, eigentlich aber sogar zwei. Einerseits war es das Spiel beim HFC Chemie, das wir zwar 1:2 verloren haben, aber ich dort den Ehrentreffer erzielen konnte. Und dann denke ich auch an das Spiel zum Auftakt der Rückrunde im Februar 82 in Erfurt. Da hatte ich das 1:0 erzielt, Ralf Lempke hat auf 2:0 erhöht, doch waren wir damals einfach nicht reif genug, den Sieg nach Hause zu kriegen. Am Ende haben wir uns 2:2 getrennt, woran auch der Schiedsrichter eine Aktie hatte. Aber darüber müssen wir heute nicht reden. Nur soviel, dass wir als kleine BSG wohl nie auf einen Bonus bei den Schiedsrichtern hoffen durften - im Gegenteil!

Zumindest wieder mal ein Jahr im Feld der besten 14 Teams der DDR zu spielen, war aber sicher dennoch eine tolle Sache. Hat man im Fußball-Umfeld dies den Spielern und dem Verein ehrlich gegönnt?
Doch schon, wenngleich alles im Gegensatz zu heute etwas ruhiger zugegangen ist. Was man ja schon an den Zuschauerzahlen nachweisen kann. Im Oberligajahr hatten wir lediglich beim 0:5-Auftakt gegen Erfurt 11 000 Zuschauer und später dann nur noch gegen Dresden und Jena die fünfstellige Zahl erreicht, ansonsten blieb es zumeist klar unter der Zehntausendermarke.

Wovon schwärmen Sie, wenn Sie sich heute im Kreis der Damaligen treffen?
Schwärmen vielleicht nicht, aber wir waren damals recht stolz und sind es heute vielleicht auch noch.

Worüber wir heute noch lachen, ist aber eine ganz andere Geschichte. Ich kann gar nicht sagen, in welchem Winter das wohl war. Wir sind jedenfalls in Trainingslager nach Schwarza gefahren. Wobei Trainingslager schon sehr weit übertrieben ist. Es waren durchweg Temperaturen von minus 20 Grad, so dass sich die ganze Woche eigentlich nur in der angrenzenden Gaststätte abgespielt hat. Der Bus ist in der Kälte ja sowieso nicht angesprungen, so dass wir auch schlecht ausweichen konnten. Wohin auch, es war überall in der Gegend bitterkalt. Am Ende hatten wir lediglich eine Trainingseinheit absolviert und dann ging es wieder heim. Ich glaube aber wir hatten alle krumme Finger vom stundenlangen Halten der Skat- und Poker-Karten.

Als Ihre aktive Zeit verletzungsbedingt 1983 zu Ende ging, sind Sie ins Trainergeschäft eingestiegen. Zumindest ein heute noch Aktiver schwärmt von seinem damaligen Trainer Karl-Heinz Jahn ...
Da müsste es sich ja um Torsten Mattuschka handeln, denn den hatte ich damals genau wie Martin Neubert in meiner Trainingsgruppe. Und bei "Tusche" hat man schon sofort gesehen, dass der vom Niveau deutlich über dem Rest der Truppe steht. Viele Jahre habe ich dann mit dem Energie-Nachwuchs gearbeitet und als TZ-Trainer gewirkt, um danach dann zunächst als Platzwart im Stadion an der Spree zu arbeiten. Inzwischen bin ich beim Sportstättenbetrieb angestellt und kümmere mich um all die Dinge auf dem Energie-Gelände am Priorgraben. Bis zum letzten Herbst habe ich ja noch in Energies Ü50-Altligammannschaft gespielt, aber das muss ich jetzt wohl wegen verschiedener Wehwehchen auch langsam einstellen. Aber alles in allem hatte ich durch den Fußball eine wunderschöne Zeit.

Mit Karl-Heinz Jahn sprach

Georg Zielonkowski