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: Glückwunsch, Cottbus, für die energiegeladene Rückrunde!

So mancher Fußballexperte hat dies nicht für möglich gehalten: Energie Cottbus spielt auch in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga. Nach dem 2:0 gegen den Hamburger SV am Samstag und dem damit verbundenen Klassenerhalt ist die Presse voll des
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Der Tagesspiegel: Sommer, Sonne, Klassenerhalt. Bei Temperaturen um die 25 Grad fühlte man sich in Cottbus am Sonnabend ab 17.20 Uhr wie in einer südländischen Fußball–Metropole: Hupkonzerte auf dem Stadtring, ohrenbetäubende Gesänge aus dem Stadion der Freundschaft, Tausende Fans, die ihre rot–weißen Fahnen schwenkten und frenetisch den 2:0–Sieg ihrer Elf über den Hamburger SV und den damit verbundenen Klassenerhalt in der 1. Bundesliga feierten.

Eurosport , Kolumnist Rudi Brückner: Die Lausitzer haben es wieder geschafft, in Liga eins zu bleiben. Vom abgeschlagenen Tabellenletzten auf Platz 14 am Ende, das ist fast höher einzuschätzen als die deutsche Meisterschaft des FC Bayern München. Trainer Bojan Prasnikar vielleicht der Trainer der Saison. Als er nach Cottbus kam, waren alle der Meinung, sein Vorgänger Petrik Sander habe schon alles versucht, aber das Team habe eben zu wenig Klasse. Prasnikar hat offensichtlich durch seine Mischung aus lockerer Lebensart und gnadenlosem Training die Mannschaft wieder aufgebaut, ihr Leben eingehaucht, um den letzten Spieltag locker angehen zu können. Glückwunsch, Cottbus, für die energiegeladene Rückrunde!

„kicker“ : Viele Fußballfans haben sich gefragt: Wer braucht diesen Verein? Mit 15 922 besitzt Energie den mit Abstand schwächsten Zuschauerschnitt der Liga. Viele Gäste–Fans schenken sich ob der weiten Anreise an die polnische Grenze schon mal den Haltepunkt Cottbus. Die Mannschaft, eine Ansammlung von Legionären, von Namenlosen. Und doch, die Bundesliga braucht Klubs wie Energie. Weil sie es schaffen, mit bescheidenen Mitteln mitzumischen. Weil sie zeigen, dass mit Willen und Einsatz etwas zu erreichen ist. ( ) Energie, der Verein aus der 100 000–Einwohner–Stadt Cottbus, ist das Vorbild für alle kleinen Vereine, die mit solider Arbeit auf dem Rasen, mit seriösem Wirtschaften im Umfeld, mit Herzblut arbeiten.

Neues Deutschland: Der Trainer darf sich als großer Gewinner bezeichnen. Als No–Name–Coach kam der 55–Jährige Ende September zu Energie und musste das schwere Erbe des beliebten Petrik Sander antreten. Aber Prasnikar gelang es, der Mannschaft seinen taktischen Stempel aufzudrücken. Es sah selten attraktiv aus, aber wenn die Punkte stimmen, fragt bekanntlich niemand mehr danach.

Berliner Zeitung: Energie hat wieder das Optimale aus seinen Möglichkeiten gemacht. ( ) Monatelang verharrte Cottbus im Keller, Prasnikar erklomm mit seinem Ensemble Stufe für Stufe einer scheinbar unendlich langen Leiter.

Frankfurter Rundschau: Der am 28. September vergangenen Jahres für den entlassenen Petrik Sander eingestellte slowenische Fußball–Lehrer ist der möglicherweise am meisten unterschätzte Taktiker und Praktiker der Liga. ( ) Erst der Neue schaffte es, das Multi–Kulti–Ensemble auf Kurs zu trimmen. Mit einfachen wie zweckmäßigen Methoden. In der Kabine ist seitdem die Amtssprache Deutsch – selbst wenn der Trainer damit noch seine kleinen Problemchen hat.

ZUM THEMA Freigabe für Quartett
Nach dem geschafften Klassenerhalt bastelt Energie Cottbus am Kader für die kommende Saison. Dem Fachmagazin „kicker“ (Dienstag–Ausgabe) zufolge erhält neben dem Kroaten Kristian Ipsa , dem Zyprer Efstathios Aloneftis und dem Rumänen Ovidiu Burca , die alle längerfristige Verträge haben, auch Michael Lerchl die Freigabe. Energie–Sprecher Ronny Gersch wollte dies offiziell nicht bestätigen. „Noch ist nichts fix, die Gespräche laufen“, sagte er gestern. Mit Toni Wachsmuth und Sebastian Schuppan, die beide zum Zweitliga–Absteiger SC Paderborn wechseln, stehen bisher zwei Abgänge fest. Wechsel–Absichten hegen auch die U–20–Nationalspieler Martin Männel und Arne Feick.