Von Jan Lehmann

Mit einem bemerkenswerten Vorstoß hat der FC Energie Cottbus um finanzielle Hilfe von der Stadt Cottbus gebeten. FCE-Präsident Werner Fahle hatte gegenüber dem „rbb“ erklärt:  „Wenn ich nach Jena oder Kiel schaue – dass dort mit Hilfe von Land und Kommunen Stadien saniert oder neu gebaut werden – dann muss das auch in Cottbus und Brandenburg möglich sein.“ Der Wunsch des Vereins sei es nun, dass die Stadt jährlich einen Investitions- und Unterhaltszuschuss von 500 000 Euro für das Stadion der Freundschaft zahlt.

Es klafft eine Finanzlücke

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga ist die Vereinsspitze derzeit dabei, den Etat für die bevorstehende Regionalliga-Saison abzusichern. Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte zwei bis 2,5 Millionen Euro veranschlagt, um eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen zu können. Doch laut Fahle klafft noch eine Finanzlücke.

Kann nun die Stadt Cottbus diese Lücke schließen? Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärte am Dienstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage zurückhaltend, dass man den Vorschlag des Vereins zur Kenntnis genommen habe. Aus formalen Gründen sei für eine derartige Entscheidung aber immer ein Stadtverordnetenbeschluss notwendig, sagte er.

Und so kann der FCE auch nicht auf schnelle Hilfe hoffen. Für den 21. Juni ist die konstituierende Sitzung der neuen Cottbuser Stadtverordnetenversammlung angesetzt. Der politische Betrieb geht aber erst im September los. Der neue Haushalt dürfte frühestens Ende des Jahres beschlossen werden – dort müsste die mögliche freiwillige Ausgabe für den FCE einplant werden.

Stadt steht unter Haushaltssicherung

Ob es für einen derartigen Zuschuss allerdings politische Mehrheiten gibt, bleibt abzuwarten. Die Stadt Cottbus arbeitet einen Schuldenberg ab, der derzeit bei 230 Millionen Euro liegt, und steht unter der Haushaltssicherung der Potsdamer Kommunalaufsicht. Der Plan ist, mit Hilfe des Landes Brandenburg 2026 schuldenfrei zu sein.

Doch bis dahin kann der FC Energie nicht warten. Mit der Bewirtschaftung des Stadions der Freundschaft drückt die Lausitzer eine große Last. Fahle beziffert die Kosten im „rbb“ mit mehr als einer Million Euro pro Jahr. Deshalb ist der Verein weiter auf der Suche nach Einsparpotenzialen. Für die kommende Saison soll Trainer Wollitz nun seinen Trainerstab reduzieren, die Kadergröße wird von 30 Spielern auf 22 verkleinert. Der Coach ist derzeit dabei, eine neue Mannschaft zusammenzustellen. Bis zur Mitgliederversammlung am 14. Juni soll ein Kern des Kaders stehen.

Eine Zusage der Stadt für einen Zuschuss wird es bis dahin indes auf keinen Fall geben. Es ist auch nicht unbedingt zu erwarten, dass ein Vertreter der Kommune bei der Mitgliederversammlung vor Ort sein wird. Seit dem Rücktritt von Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) aus dem Verwaltungsrat im September 2018 ist die Stadt Cottbus in keinem Gremium mehr vertreten.

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