Von Jan Lehmann

Extra-Applaus bei der Auswechslung, viele der 1308 Zuschauer im Stadion der Freundschaft erhoben sich am Samstag sogar von ihren Sitzen. Berkan Taz hatte bei seinem Debüt für Energie Cottbus also einiges richtig gemacht. Dabei verlor er mit dem FCE gegen Zweitligist Erzgebirge Aue mit 2:3 (0:2), auch weil ihm noch etwas Glück und Genauigkeit fehlten.

Und dennoch, es war eine verheißungsvolle Energie-Niederlage mit einem verheißungsvollen Taz-Debüt. Die 20-jährige Leihgabe von Union Berlin war der Lichtblick in einer Mannschaft, die noch immer im Umbruch steckt. Mit Vaclav Heger (24/VfB Auerbach) und Marcel Hoppe (19/RB Leipzig) waren zwei Außenverteidiger als weitere Probespieler dazugekommen. Ben Meyer (20/Fürstenwalde), Danny Breitfelder (22/Lotte) und Kevin Bönisch (24/Bautzen) bieten sich ebenfalls weiter an. Enis Bytyqi (22/Würzburg) saß angeschlagen auf der Bank, bleibt aber weiter ein Thema.

Dass Energie nach einem 0:3-Rückstand durch die beiden Tore von Abdulkadir Beyazit (65./86. Foulelfmeter) noch beinahe eine Aufholjagd gegen den Zweitligisten geglückt wäre, war am Samstag nur Nebensache. Stattdessen versuchten Trainer Claus-Dieter Wollitz und die FCE-Fans jene Akteure auszumachen, die in der bevorstehenden Regionalliga-Saison Leistungsträgern sein könnten. Doppel-Torschütze Beyazit steckte den Kopf raus, zudem deuteten  auch die Jungprofis aus dem Cottbuser Nachwuchsleistungszentrum an, dass ihre Zeit gekommen sein könnte.

Aues Trainer Daniel Meyer, von 2011 bis 2014 im FCE-Nachwuchs tätig, sagte: „Ich habe die Geisler-Brüder noch trainiert, und auch Jonas Zickert. Da sieht man, dass die kicken können, dass sie Spielfreude haben.“ Colin Raak (19) machte erneut einen guten Eindruck, ebenso Verteidiger Leon Schneider (19) .

Dennoch warnte FCE-Coach Wollitz davor, die Stabilität der Youngster zu überschätzen. Er betonte: „Ich glaube, dass es sich sehr hoffnungsvoll angeschaut hat. Diese Jungs sind aber noch sehr unerfahren. Die sind alle 18, 19 Jahre alt und brauchen noch viel Zeit. Alle drei Gegentore sind aus dieser Unerfahrenheit entstanden. Wir benötigen noch zwei, drei Spieler, die dem Team etwas mehr Ruhe und Ordnung geben.“

Offensive Kreativität hingegen bringt Taz mit. Trainer Wollitz berichtete: „Es ist kein Geheimnis, dass ich ihn schon im Winter unbedingt haben wollte. Dass es jetzt geklappt hat, dafür kann man Union Berlin nur Danke sagen – und auch seinem Berater Christian Nerlinger, der sich dafür sehr eingesetzt hat.“

Der einstige Nationalspieler und spätere Manager des FC Bayern München hatte nach einem Verein gesucht, in dem offensiver Fußball gespielt wird und so die Vorzüge seines Schützlings besser zur Geltung kommen. Deswegen wurden auch die Anfragen von einigen interessierten Drittligisten abgelehnt.

Taz bestätigte das am Samstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage und betonte: „Der Trainer hat mir in den Gesprächen das Gefühl gegeben, dass ich hier in Cottbus zeigen kann, was ich drauf habe.“ Am Samstag war davon schon so viel zu sehen, dass es die Zuschauer am Ende nicht mehr auf ihren Sitzen hielt.

Testspiel Energie Cottbus – Erzgebirge Aue

Bildergalerie Testspiel Energie Cottbus – Erzgebirge Aue

Reaktionen nach Energie gegen Aue (mit VIDEO) „Das hat sich ganz hoffnungsvoll angeschaut“

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