
Punkte: Erwartung = 0 Punkte, Hoffnung = 27 Punkte
Es war am Freitag wie immer bei Pressekonferenzen mit Claus-Dieter Wollitz: Wortreich und unterhaltsam analysierte der FCE-Coach die Lage seiner Mannschaft - nicht ohne Seitenhiebe auf seiner Meinung nach ungerechtfertigte Kritik oder falsche Schlüsse von Fans oder Medienvertretern. Die sind nichts Ungewöhnliches, die verteilt Wollitz öfter. Vielmehr kann man sie als Zeichen werten, dass bei Energie nach den wilden Pokalwochen wieder der Normalzustand eingekehrt ist.
Doch Wollitz, wäre nicht Wollitz, wenn er nicht noch ein Schmankerl parat gehabt hätte. Dieses Mal offenbarte er den Medienvertretern zwei simple Erfolgsformeln für den Zweitliga-Endspurt. Sie lauten: Erwartung = 0 Punkte, Hoffnung = 27 Punkte.
Mit dieser klaren Unterscheidung zwischen Erwartungshaltung und Hoffnung will der Trainer den Druck für sein Team so gering wie möglich halten. Er sagt klipp und klar: „Alles andere würde nur schaden. Alles über 47 Punkte bedeutet gegenüber dem Vorjahr sowieso schon eine Entwicklung.„ Dass Energie diese Punktegrenze angesichts von schon 42 gesammelten Zählern wohl überschreiten wird, ist dabei absehbar.
Doch diese wollitzsche Mischung aus kampfeslustigen „Tabellenführer„-Ansagen und jener zurückhaltenden Erfolgsformen ist ohnehin Teil seiner Strategie. Denn insgeheim hofft der Cottbuser Coach natürlich, noch so viele Punkte wie möglich zu sammeln - bestenfalls alle 27.
Wollitz sagt sogar ganz offen: „Wir wollen am liebsten alle neun Spiele gewinnen„, betont aber deutlich: „Wir wollen, aber wir müssen nicht.„
Dieser Ansatz soll der Vorteil im Kampf um Relegationsrang 3 sein. Während in Fürth und Bochum (beide 46 Punkte) die Angst vorm Scheitern wächst, gibt sich Wollitz gelassen: „Wir haben unsere große Enttäuschung schon hinter uns„, sagt er und meint das verlorene Pokalhalbfinale.
Dieses Negativerlebnis hat eine Jetzt-erst-recht-Stimmung ausgelöst, das jüngste 5:0 in Paderborn neue Hoffnung keimen lassen. Dennoch hat Energie rein rechnerisch nur eine Chance, wenn man einen noch stärkeren Endspurt als in der Vorsaison hinlegt. Damals gab es 16 Punkte aus neun Spielen. Das weiß auch Wollitz: „Selbst 60 Punkte werden nicht reichen.„
Der Trainer hat das alles längst durchgerechnet.