Von Jan Lehmann

Vragel da Silva hat mit seinem Team Vereinsgeschichte geschrieben. Erstmals seit der Gründung 1991 hat es Brandenburg-Ligist Grün-Weiß Lübben ins Viertelfinale des Landespokals geschafft. Er berichtet nach dem 2:0 beim FSV Bernau: „Bei uns sind wirklich alle sehr happy über diesen Erfolg.“

Am Donnerstag wird nun um 11 Uhr das Viertelfinale ausgelost – und neben Lübben sind mit Energie Cottbus und  dem FSV Glückauf Brieske/Senftenberg noch zwei weitere Lausitzer Teams mit im Lostopf. Während man bei Titelverteidiger Energie sicherlich nichts dagegen hätte, den beiden verbliebenen Regionalliga-Rivalen SV Babelsberg und Union Fürstenwalde in der Runde der letzten Acht noch aus dem Weg zu gehen, hofft man in Lübben und auch beim Landesliga-Vertreter Brieske/Senftenberg nun auf ein großes Los.

101 Erstliga-Spiele für Energie Cottbus

Für Vragel da Silva wäre das – na klar – ein Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Club Energie Cottbus. Er sagt: „Das wäre natürlich großartig – weil wir ein Heimspiel hätten und sicherlich viele Zuschauer nach Lübben kommen würden. So ein Spiel wäre ein tolles Erlebnis für den gesamten Verein – und natürlich auch für mich.“ 101 Erstliga-Spiele hat da Silva einst für Energie bestritten und ist dort eine echte Vereinslegende. Nun wäre ein Pokalspiel gegen seinen Ex-Club ein persönlicher Höhepunkt für den Brasilianer, der weiter in Cottbus wohnt, als Sportlehrer in Finsterwalde arbeitet und seit Juli den Brandenburg-Ligisten in Lübben coacht. Grün-Weiß hatte zuletzt im August 2016 in der ersten Landespokal-Runde gegen Energie gespielt – und erst in der Schlussminute den bitteren Gegentreffer zur 1:2-Niederlage kassiert.

Deutlich höher hatte im Sommer Brieske Senftenberg mit 1:17 im Vorbereitungsspiel gegen Energie verloren. Als einziges Team aus der Landesliga sind die Briesker nun auch klarer Außenseiter im Pokal-Viertelfinale. Coach Steffen Rietschel hatte nach dem klaren Sieg gegen den Brandenburg-Ligisten Altlüdersdorf deshalb schon bekundet: „Es geht nur noch gegen höherklassige Mannschaften und in keinem Spiel werden wir Favorit sein. Die Rolle als Underdog liegt uns.“ Mit einem Augenzwinkern formulierte er: „Einen Wunschgegner gibt es in der Runde der letzten Acht nicht mehr, auch wenn Energie oder Lübben auf dem Weg in den DFB-Pokal sicher reizvoll wären.“

Landesverbände bezahlen unterschiedliche Prämien

Reizvoll ist das Viertelfinale für die Amateurteams ohnehin – weil es auch um Geld geht. Wie bereits in den vergangenen Jahren werden die Vereine an der Ausschüttung des Deutschen Fußballbundes beteiligt. Für die Teilnahme am Achtelfinale hatten die brandenburgischen Clubs bereits 1000 Euro netto erhalten. Im Viertelfinale kassiert jeder Starter 2500 Euro und für das Erreichen des Halbfinals winken 6500 Euro. Wie die Gelder aufgeteilt werden, ist den Landesverbänden überlassen. Eine Recherche des „Mitteldeutschen Rundfunks“ hat ergeben, dass dies beispielsweise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ganz unterschiedlich gehandhabt wird.

Im Ländervergleich geht es in Brandenburg jetzt um größere Beträge, während beispielsweise in Sachsen-Anhalt das Geld breiter verteilt wird und sogar schon ab der ersten Ausscheidungsrunde Prämien ausgezahlt werden.

Weißwasser muss noch nachholen

In Sachsen wird in dieser Saison ebenfalls bereits ab dem Achtelfinale eine Entschädigung gezahlt, die laut MDR bei 1400 Euro liegt. Auf dieses Geld kann auch der VfB Weißwasser hoffen. Das Landesklasse-Team muss noch sein Drittrunden-Spiel gegen Germania Mittweida nachholen. Die ursprünglich für den vergangenen Samstag angesetzte Partie war abgesagt worden, weil ein Spieler des VfB bei einem Autounfall schwer verletzt worden war. Die Auslosung des Achtelfinals am Mittwoch in Leipzig ergab, dass die Weißwasseraner im Falle eines Sieges gegen Mittweida im Achtelfinale auf die Landesklasse-Elf Markranstädt treffen würden.

In Brandenburg indes werden schon die Lose für das Viertelfinale gezogen, und für Energie Cottbus gilt: Nur der Titel und die damit verbundene Qualifikation für den DFB-Pokal können das Ziel sein. Die Einnahmen aus dem Erstrunden-Spiel – zuletzt gab es im August ein ausverkauftes Stadion der Freundschaft beim 1:3 gegen Bayern München – wären ein wichtiger Bestandteil des Etats für die kommende Saison. Der Sieger des Landespokals bekommt in Brandenburg 126 500 Euro. Für Energie wäre dies eine fast schon fest eingeplante Einnahme – für jeden anderen Club wohl eine Art Lottogewinn. Lübben-Trainer Vragel da Silva ist bei der Entscheidung zwischen großem Los und großem Geld eher zwiegespalten. Er sagt: „Für uns gibt es nur zwei vernünftige Lösungen: Entweder gegen Energie Cottbus – oder gegen einen gleichrangigen Club, gegen den wir eine echte Chance aufs Weiterkommen haben.“ Mit den 6500 Euro fürs Halbfinale könne sein Verein beispielsweise nahezu eine komplette Saison das Spritgeld für die Spieler bezahlen, so der Coach. Und er gibt zu: „Auf dieses Geld sind wir natürlich scharf, keine Frage.“

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