
Leonardo Bittencourt: Energie-Youngster grinst Rummel um seine Zukunft einfach weg
Nein, es wurde in Cottbus und Umgebung kein junger Mann auffällig, der mit Hamsterkäufen die Zeitungsläden geplündert hat. So etwa 1,70 m groß, schwarze Haare, 17 Jahre alt, mit einem Stapel hochglänzender Sportmagazine unterm Arm ...
Leonardo Bittencourt lacht, wenn er sich das vorstellt. Klar hat der Energie-Youngster mitbekommen, dass ausschweifend über ihn berichtet wurde. Großartig beeindrucken lässt er sich davon aber augenscheinlich nicht. Bayern, Dortmund oder Leverkusen seien „auf der Jagd“, so die Schlagzeilen. Die „Sport-Bild“ jubelt Bittencourt zum „Götze des Ostens“ hoch. Im „Kicker“ attestiert ihm FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz, „vielleicht sogar schon besser“ als Bremens Marko Marin zu sein. Und im Internet finden die Suchmaschinen Begriffe wie „Super-Bubi“, „Energie-Juwel“ oder „Jahrhundert-Talent“. Große Worte für eine noch relativ kleine Karriere. „Ich habe erst acht Zweitliga-Spiele gemacht“, wiegelt Bittencourt ab. Das sei alles zwar „nett, aber viel zu hoch gegriffen“.
Strategie zurechtgelegt
Vorerst hat sich ohnehin nichts geändert. Nach dem Training am Donnerstagmorgen im Stadion der Freundschaft sammelt Bittencourt ganz selbstverständlich die Slalomstangen ein, schleppt die Trainingsutensilien in die Kabine. So wie es sich für einen Jung-Profi gehört. Bittencourt ist bestens gelaunt, grinst und flachst - so wie es sein Vater Franklin in seiner Zeit bei Energie auch immer getan hatte.
Typisch Brasilianer, obwohl Leo - wie ihn alle nennen - in Leipzig geboren wurde und deutscher Staatsbürger ist. Mit dem Papa hat sich Bittencourt junior auch den Plan für die kommende Zeit zurechtgelegt: „Ich will weiter lernen, erfahrene Spieler wie Kruska, Adlung oder Brzenska können mir viel beibringen. Deswegen spiele ich jetzt einfach weiter Fußball“, verrät Bittencourt, wie er den Rummel beherrschen will. Er fügt hinzu: „Die Betonung liegt auf ,spielen'. Ich brauche einen Ball vor den Füßen, will einfach Spaß haben.“
Und diesen Spaß hat er nicht exklusiv, die Energie-Fans haben den 17-Jährigen längst in ihr Herz geschlossen. Bittencourt überzeugt mit bemerkenswerter Spielübersicht und robuster Zweikampfführung. Nachvollziehbar, dass ihn DFB-Coach Horst Hrubesch für die deutsche U 19-Nationalelf nominiert hat und die Erstligisten aufmerksam geworden sind.
Aber dass sich Borussia Dortmund nach Bittencourts Vertragsmodalitäten erkundigt hat, wie Trainer Wollitz bestätigte, heißt nicht gleich, dass der 17-Jährige umgehend die Lausitz verlassen wird. Dieses Vorgehen ist mittlerweile Usus in der Bundesliga. Die Vereine sichern sich frühzeitig die Transferrechte an den Talenten, warten dann deren Entwicklung ab. Könnte im konkreten Fall bedeuten: Bittencourt wird verkauft, bleibt aber auf Leihbasis bei Energie. Zurzeit haben die Dortmunder vier junge Spieler verliehen, ein gängiges Geschäftsmodell.
Viele Scouts beim Spiel in Aue
Ob Bittencourt bald dazugehört, ist nicht absehbar. Der Youngster hat sich vorgenommen, vorerst von Spiel zu Spiel zu denken. Am Montag geht es nach Aue, „da können wir aus unserem guten Start einen perfekten Start machen“, so Bittencourt. Perfekt auch für ihn persönlich, denn für die Partie im Erzgebirge haben sich wieder etliche Talente-Scouts angemeldet. Doch der entscheidende Mann wird wohl nicht dabei sein, jedenfalls ist bisher nicht bekannt, dass es auch eine spanische Anmeldung gegeben hat. Dabei beantwortet Bittencourt die Frage nach seinem Traum-Club erwartbar mit: „Am Ende träumen wir doch alle vom FC Barcelona.“ Sagt er, und lacht.
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