Von Jan Lehmann

Er ist etwas für Fußball-Romantiker, dieser Vergleich von Energie-Angreifer Dimitar Rangelov mit der Bundesliga-Legende Claudio Pizarro. Den „Pizarro der Lausitz“ hatte FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz seinen Stürmer nach dessen Doppelpack beim 2:1-Sieg gegen Uerdingen erneut genannt und damit seine ungeheure Wertschätzung ausgedrückt. Wie der Peruaner, der immer wieder zu Werder Bremen zurückgekehrt ist und für die Hanseaten am Wochenende gegen Dortmund mal wieder ein wichtiges Tor erzielt hat, ist auch Rangelov ein Rückkehrer mit besonderer Bedeutung für den FCE.

Zum dritten Mal spielt er nun für den FCE. Seine beiden Tore gegen Uerdingen waren die Treffer sechs und sieben in dieser Saison – und erneut waren sie extrem wichtig. Schon mit dem Siegtor gegen Jena, dem späten Ausgleich in Aalen oder dem Knotenlöser beim 3:0 gegen Münster hatte Rangelov womöglich entscheidende Zähler im Kampf um den Klassenerhalt gesichert. In den beiden ausstehenden Partien gegen den VfR Aalen (Samstag, 13.30 Uhr) und bei Eintracht Braunschweig in der darauffolgenden Woche können die Lausitzer nach einer komplizierten Saison den Ligaverbleib aus eigener Hand schaffen – auch dank Rangelov.

Genau darauf hatte man in der Lausitz gehofft, als der Bulgare nach wochenlangem Probetraining im Oktober verpflichtet worden war. Die Zweifel, dass dort womöglich ein abgehalfterter ehemaliger Erstliga-Profi noch eine kleine Ehrenrunde drehen möchte, widerlegte Rangelov auf dem Spielfeld und in der Kabine. Trainer Claus-Dieter Wollitz lobt die Führungsqualitäten seines Kapitäns, der auch in der Mannschaft großen Rückhalt hat. Kevin Weidlich beschreibt: „Er ist wie ein großer Bruder, deswegen freue ich mich besonders über seine beiden Tore.“ José-Junior Matuwila betont: „,Mitko ist sehr, sehr wertvoll. Er hat schon die eine oder andere Schlacht mehr geschlagen als die meisten von uns. Er zeigt, dass er trotz des etwas höheren Alters noch qualitativ hochwertig ist.“ Rangelov selbst denkt nicht über sein Alter nach, sondern über die Situation mit dem FCE. Nach dem Sieg in Uerdingen sagte er: „Gegen Aalen ist nun alles in unseren Händen. Ich hoffe, dass das Stadion voll wird. Wir brauchen unsere Fans hinter uns.“

In Uerdingen hatten die Anhänger ihn schon lautstark gefeiert. Rangelov ist der einzige Profi, der für den FCE in den ersten drei Spielklassen getroffen hat. Nun will er das Kunststück fertigbringen, mit Energie auch in allen drei Ligen den Klassenerhalt zu schaffen. Er sagt: „Das war immer wichtig. Damals in der Bundesliga, dann 2. Liga, jetzt 3. Liga. Wenn wir das schaffen, werde ich der glücklichste Mensch von Cottbus sein.“

Und der Vergleich mit Pizarro? Der hinkt noch ein bisschen. Schließlich ist der Peruaner der älteste Torschütze der Bundesliga. Rangelov hingegen ist für die Ahnengalerie der Drittliga-Torschützen noch zu jung und steht dort nur auf Rang 17. Mit Uwe Möhrle war sogar ein Energie-Profi bei einem Treffer in dieser Liga noch älter als der Bulgare. Da ist also noch Luft nach oben. Pizarro soll dem Vernehmen nach in Bremen noch ein weiterer Vertrag angeboten werden. Und viel spricht spätestens nach diesem überlebenswichtigen Doppelpack dafür, dass Rangelov im Fall des Klassenerhalts beim FCE ebenfalls ein neues Angebot vorgelegt bekommt. Es ist kein Geheimnis, dass der Bulgare die Vorstellung auf ein weiteres Jahr bei seinem Herzensclub ziemlich romantisch findet.