Manchmal ist ein König auch ein Spion - in diesem Fall handelt es sich um Sebastian König. Der Trainer der U17 von Energie hatte am Sonntag die wichtige Aufgabe, den Cottbuser Pokalgegner Grün-Weiß Lübben zu beobachten. König sah ein starkes 7:1 der Lübbener bei Fürstenwalde II. Unter den Torschützen waren mit Romano Lindner, Philipp Hoffmann und Kapitän René Trehkopf auch drei Spieler mit Energie-Vergangenheit. König notierte einen spielerisch gefälligen Landesligisten mit 4-2-3-1-System und "zwei, drei auffälligen Spielern".

Der FCE lässt tatsächlich einen Siebtligisten beobachten? "Ja, verdammt!" Wollitz schlägt mit der Hand auf den Tisch, sodass dem Medienvertreter beim Pressegespräch am Donnerstag der Kaffee aus der Tasse hüpft. Er schimpft über seinen Vorgänger Vasile Miriuta. Der war mit Energie im Vorjahr im Landespokal am FSV Luckenwalde gescheitert. Miriuta und dem damaligen Sportlichen Leiter Roland Benschneider wird im Nachhinein vorgeworfen, diesen Gegner völlig unterschätzt zu haben.

Eine Beobachtung hatten die beiden Verantwortlichen damals als unnötig angesehen. Wollitz sauer: "Das ist für mich ein Unding!" Die bittere Folge: Energie blamierte sich im Viertelfinale, unterlag dem Viertligisten nach 120 Minuten mit 0:1 und qualifizierte sich erstmals seit der Saison 1994/95 nicht für den DFB-Pokal. Der heutige Energie-Trainer erklärt: "Gerade an diesem Wochenende tut es noch einmal richtig weh, dass wir nicht im DFB-Pokal dabei sind."

Gerade Wollitz hat Schmerzen. Der Mann ist schließlich K.o.-Runden-Spezialist. In Cottbus denkt man noch gern an die Saison 2010/11 zurück, als er mit dem FCE durch Siege über die Erstligisten Hoffenheim, Freiburg und Wolfsburg ins DFB-Pokalhalbfinale stürmte. Als Spieler des 1. FC Kaiserslautern hatte Wollitz den Cup 1996 sogar gewonnen. Und im Landespokal ist er als Trainer noch gänzlich ungeschlagen. Mit dem VfL Osnabrück und Viktoria Köln schaffte er es in den DFB-Pokal.

Da will auch Energie wieder hin. Die 116 000 Euro, die man als Erstrunden-Teilnehmer vom DFB erhält, wären für den Verein mehr denn je eine wichtige Finanzspritze.

Und die Lübbener? Die spekulieren natürlich auf ihre Außenseiterchance - doch auf einen nachlässigen Gegner sollten sie nicht hoffen. Wollitz hat intern die Zügel angezogen und betont: "Wenn wir konzentriert und diszipliniert spielen, kann am Samstag nichts passieren. Sollte das nicht der Fall sein, kann der eine oder andere meiner Spieler seine Freizeitgestaltung für die kommende Zeit komplett streichen."