Energie Cottbus hält trotz der Kritik von Trainer Claus-Dieter Wollitz an der „Mission Wiederaufstieg“ fest. Im RUNDSCHAU-Interview zeigt Präsident Werner Fahle aber Verständnis für den Coach.

Werner Fahle, Trainer Claus-Dieter Wollitz hat ein deutliches Alarmsignal gesendet und sogar ein mögliches Ende seiner Amtszeit angedeutet. Was ist los bei Energie Cottbus?

Fahle Zu allererst möchte ich festhalten: Wir sind am Samstag mit einer meiner Meinung nach sehr ordentlichen Leistung in die Saison gestartet. Über diesen Sieg freuen wir uns sehr, weil der nicht unbedingt zu erwarten war. Und das ist natürlich zu einem ganz großen Anteil der Verdienst des Trainers.

Trainer Wollitz wirkte dennoch nicht sonderlich glücklich. Stattdessen forderte er die Vereinsführung auf, das Saisonziel „Mission Wiederaufstieg“ öffentlich zurückzunehmen. Bisher gab es von Ihnen dazu keine Reaktion.

Fahle Dass der Trainer sich so geäußert hat, dafür kann ich nichts. Am Sonntag war ich einfach mal privat verplant. Außerdem ist es gerade in solchen Situationen wichtig, Ruhe zu bewahren. Das habe ich in meinen gesamten Berufsleben so gehalten und werde es auch weiter tun. Es bringt nichts, die Sachen weiter hochzukochen.

Wollitz sagt: „Ich kann mit dieser Mannschaft die ,Mission Wiederaufstieg‘ nicht erfüllen.“ Zu Recht?

Fahle Wir arbeiten doch weiter intensiv am Spielerkader. In der vergangenen Woche haben wir dabei aber ein paar herbe Rückschläge einstecken müssen.

Sie meinen die Absagen von Felix Drinkuth (Paderborn) und Royal Fennell (Aalen)?

Fahle Zum Beispiel, aber auch noch andere Spieler haben abgesagt. Es ist und bleibt schwer für uns. Gerade dann, wenn Zeitungen aus Berlin und Potsdam uns Anfang der vergangenen Woche erneut in die rechte Ecke schieben.

Wird da nicht aber ein tatsächlich existierendes Problem benannt?

Fahle Das Problem ist, dass wir dort anhand alter Kamellen unreflektiert als brauner Nazi-Verein dargestellt werden – und unsere zahlreichen Bemühungen für Vielfalt und Toleranz keinerlei Beachtung finden. Das ist bei der Spielersuche keineswegs förderlich und zerrt natürlich an unseren Nerven.

Der Trainer wirkte emotional sehr angefasst und auch erschöpft.

Fahle Es ist doch kein Wunder, dass er in der aktuellen Situation extrem unter Stress steht. Zudem ist er ein sehr emotionaler Typ, das wissen wir doch. Von daher kann ich mir auch seine Aussagen vom Samstag erklären.

Sie können Wollitz also verstehen?

Fahle Natürlich. Seine Aussagen in der Öffentlichkeit waren aber aus meiner Sicht nicht nötig. Ich habe ihn auch gebeten, sich diesbezüglich erst einmal zurückzuhalten. Wir brauchen gerade jetzt Ruhe und Gelassenheit und müssen unsere Dinge intern besprechen. Daran müssen wir weiter arbeiten, daran muss auch der Trainer arbeiten.

Das Tischtuch zwischen Ihnen beiden ist also nicht zerschnitten?

Fahle Auf keinen Fall. Es gibt keinen Dissens zwischen dem Trainer und mir. Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv zusammengearbeitet, ich empfand das als sehr konstruktiv. Uns war nach dem Abstieg allen klar, dass wir vor einer riesigen Herausforderung stehen. Das wusste auch der Trainer – und er hat Ja gesagt. Er sagt übrigens auch heute noch Ja.

Der Trainer beklagt sich darüber, dass er im Sommer keinen Urlaub nehmen durfte. Warum haben Sie ihm den verwehrt?

Fahle Ich habe doch schon gesagt, dass wir solche Sachen intern besprechen wollen. Deswegen werde ich das nicht groß kommentieren. Nur so viel: Ich habe zum Trainer gesagt: „Klar brauchst du Urlaub, und wir werden dafür eine Lösung finden.“

Und was ist nun mit der „Mission Wiederaufstieg“?

Fahle Mit dem jetzigen Kader ist dieses Ziel noch nicht zu erreichen. Das ist uns klar. Aber wir haben noch den ganzen August vor uns. Viele Spieler pokern, der Markt ist noch sehr voll. Nicht alle werden die Verträge bekommen, auf die sie jetzt noch hoffen. Darin sehe ich unsere Chance.

Viel hängt am Geld – und da gibt der Verein ein seltsames Bild ab. Mit dem Pokalspiel gegen Bayern, den Partien gegen Dortmund und Union Berlin, dem fiktiven Benefizspiel sowie dem Benefizkonzert gibt es doch hohe Einnahmen. Nach unseren Rechnungen sind das wenigstens 1,2 Millionen Euro – und Energie müsste eigentlich im Geld schwimmen.

Fahle Schön, dass Sie mitrechnen. Ich kann aber sagen: Wir haben dank dieser Einnahmen eine gute Chance, unseren geplanten Etat für die Saison zu erreichen. Das Budget für neue Spieler ist festgelegt und auch noch nicht ausgeschöpft. Aber wir schwimmen nicht im Geld, im Gegenteil. Die Einnahmen verflüchtigen sich ganz schnell.“

Wohin verflüchtigt sich denn das Energie-Geld?

Fahle Sie wissen, dass wir mit dem Stadion der Freundschaft und dem Südstadion zwei dicke Dinger an der Backe haben. Diese beiden Posten bringen einen Viertligisten an den Rand der Machbarkeit. Das bleibt unser großes Problem.“

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn Energie schon jetzt solche Probleme hat, den Etat zu stemmen, dann wäre das in einer möglichen zweiten Regionalliga-Saison ohne ein Glückslos im DFB-Pokal gar nicht mehr möglich?

Fahle „Was denken Sie denn, ­wa­rum wir sofort den Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben haben? Wir sind sportliche Realisten – aber auch wirtschaftliche Realisten. Und dieses Ziel wurde vor allem aus wirtschaftlichen Gründen heraus formuliert. Wir sind doch nicht blind und dämlich, sondern wissen, was das für eine dramatische Herausforderung ist. Die „Mission Wiederaufstieg“ war auch als Zeichen an die Sponsoren gedacht.

Inwiefern?

Fahle „Auch ihnen wollen wir natürlich eine Perspektive bieten. Wir haben einige Sponsoren, die uns jetzt erst recht sehr unterstützen. Zu allererst müssen wir die Sparkasse Spree-Neiße nennen. Sie hat mit uns gerade erst zum 1. Juli einen neuen Werbevertrag abgeschlossen, der für uns aktuell gerade in Sachen Liquidität sehr wichtig ist. Da können wir nur voller Dankbarkeit sein, dass dieser langjährige Partner uns weiter so unterstützt. Die Zusammenarbeit ist sehr gut, trotz aller Dinge, die vor meiner Zeit passiert sind und die ich auch nicht weiter kommentieren möchte.“

Und wie geht es nun weiter bei Energie?

Fahle Wir wollen das nächste Spiel gewinnen und den Kader verstärken. Daran arbeiten wir mit aller Kraft – und wir ziehen dabei an einem gemeinsamen Strang. Wir müssen Ruhe bewahren und aus der negativen Ecke rauskommen. Das ist ganz wichtig.

Mit Werner Fahle
sprach Jan Lehmann

Cottbus

Berlin

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