Energie Cottbus: Wie eine Bibliothek in Helsinki den Streit ums Stadion lösen könnte


Die Bildmontage zeigt die Oodi Helsinki Central Library und das Leag Energie Stadion in Cottbus. Kann die Lausitz sich am Großprojekt in Finnland ein Vorbild nehmen?
Michael Helbig, Lassi/stock.adobe.com, Montage: Sebastian LehmannDie Zukunft des sanierungsbedürftigen Leag Energie Stadions hat zuletzt vor allem für Streit gesorgt. Der FC Energie Cottbus, mitgliederstärkster Club des Landes Brandenburg, und seine zahlreichen Fans wünschen sich mehr Unterstützung aus öffentlicher Hand. Die Landesregierung in Potsdam allerdings tut sich schwer damit, Steuergeld für Profifußball auszugeben. Die Debatte wirkt verfahren, weiterer Frust scheint vorprogrammiert. Aber: Das könnte sich jetzt ändern.
Eine Konzeptstudie zur „zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Leag Energie Stadions“ steht bevor. Der FCE hat angekündigt, dass „multifunktionale Nutzungsperspektiven für Sport, Kultur, Bildung und Begegnung“ einfließen sollen. Zudem sollen „weitere Beteiligungsformate für Bürgerinnen und Bürger, Fans, Wirtschaft und regionale Akteure“ eingebunden werden.
Was sperrig klingt, könnte eines der spannendsten Projekte der Lausitz werden. Denn: Im Zuge des Strukturwandels investiert der Bund Milliarden. Möglicherweise eröffnet sich für den FC Energie und seine Fans so die Chance, davon zu profitieren.
Bibliothek als „Wohnzimmer von Helsinki“
Allerdings: Es wird nur als gemeinsames, öffentliches Projekt funktionieren. Das liegt einerseits an den Fördergeld-Konstruktionen. Die Strukturwandel-Milliarden des Bundes stehen nur zur Förderung kommunaler und regionaler Projekte zur Verfügung. Aber viel wichtiger noch: Eine umfassende Stadionmodernisierung oder gar ein Neubau würden etliche Kompromisse erfordern. Standort, Verkehrswege, Umweltbelastungen und natürlich auch die Kosten – es müssten viele Menschen mit an den Tisch, um tatsächlich etwas Nachhaltiges zu entwickeln.
Genau darin liegt aber die Chance. Das Vorbild könnte eine Bibliothek in Helsinki sein. Eine Bibliothek? Ja. Oder besser gesagt DIE Bibliothek, die mittlerweile von Ministerpräsidenten, Infrastrukturexperten oder Stadtentwicklungsbüros aus aller Welt besucht wird – um zu lernen. Die Oodi Helsinki Central Library gilt als eines der modernsten Bibliotheksgebäude Europas – und als Symbol dafür, wie Bürger eine Stadt mitgestalten können.
Bevor der markante Bau aus Holz, Glas und Stahl entstand, fragte die Stadtverwaltung die Einwohner, was sie sich wünschen. Tausende Vorschläge gingen ein, und viele hatten nichts mit Büchern zu tun, sondern mit Werkstätten, Studios, Treffpunkten und Plätzen für Veranstaltungen. Die Ideen flossen direkt in die Planung ein. Das Gebäude ist nicht nur in Finnland eine kleine Sensation. Etwa 7000 Menschen nutzen täglich die zumeist kostenlosen Angebote, die aus öffentlicher Hand bezahlt werden. Sie sind dort, um zu arbeiten, zu entspannen, Spaß zu haben. Manche auch zum Lesen. Andere nutzen Musikstudios, 3D-Drucker, Kochkurse oder den Gitarrenverleih.
Wie sollte ein Stadion in Cottbus aussehen?
Wir sammeln die Ideen für ein zukunftsträchtiges Projekt in der Lausitz: Schreiben Sie uns bitte per E-Mail an sport@lr.de und teilen Sie mit uns Ihre Ideen.
Wie könnte eine nachhaltige Multifunktionsarena in Cottbus aussehen? Wo wäre dafür der beste Standort? Wofür sollte die Arena außer Fußball noch genutzt werden können? Welche persönlichen Wünsche hätten Sie an dieses „Wohnzimmer der Lausitz“?
Wir wünschen uns viel Fantasie und ein bisschen Lausitzer Pfiff und freuen uns über Ihre Anregungen. Die besten Vorschläge wollen wir veröffentlichen.
Konzeptstudie für Stadion von Energie Cottbus
Besonders beliebt ist die lichtdurchflutete oberste Etage mit Blick über das Stadtzentrum. An der Bibliothek gibt es zudem den größten Spielplatz der Stadt. Das Gebäude wurde so angelegt, dass es Großveranstaltungen im Park oder unter dem riesigen Vordach die nötige Infrastruktur bietet. Der Bau kostete etwa 100 Millionen Euro – zu 69 Prozent von der Stadt Helsinki und zu 31 Prozent aus finnischen Staatsmitteln finanziert.
Das Projekt gilt als großer Erfolg, weil alle Menschen der 700.000-Einwohner-Stadt davon profitieren. Viele Finnen bezeichnen die Bibliothek als „Wohnzimmer der Stadt“. Und an dieser Stelle kann man wieder an Energie Cottbus denken. Schließlich wird das Stadion im Eliaspark von vielen Fans auch als „Wohnzimmer“ bezeichnet. Allerdings: Im Regelfall dribbeln die Fußballer und ihre Anhänger nur alle zwei Wochen dort auf – ansonsten steht das Wohnzimmer leer.
Nun könnte die Lausitz groß punkten: mit innovativen Ideen für einen Ort, in dem nicht nur alle zwei Wochen der Herzschlag der Lausitz pulsiert. Wie wäre es, wenn dank der Konzeptstudie aus dem endlosen Streit über die Kosten endlich eine fantasievolle Debatte über den Nutzen eines neuen Multifunktionsstadions werden würde? Es könnte der Anstoß zu einem beispiellosen Projekt im deutschen Profifußball sein.
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