Von Steven Wiesner
und Frank Noack

Energie Cottbus hat das Heimspiel gegen den Bischofswerdaer FV am Sonntag vor 5604 Zuschauern mit 2:0 (0:0) gewonnen, die Serie von ungeschlagenen Spielen in der Regionalliga Nordost auf zehn Spiele ausgebaut und durch die Punktverluste von Hertha BSC II (2:4 gegen Lichtenberg) und Lok Leizpig (2:2 gegen Fürstenwalde) wieder einen Zähler gut gemacht auf die Tabellenspitze und den neuen Spitzenreiter VSG Altglienicke.

Friede, Freude, Eierkuchen also im Eliaspark? Denkste! Die Stimmung im Lager des FC Energie war so schlecht nach den 90 Minuten, dass man fast hätte meinen können, Cottbus hätte das Duell mit dem Tabellenschlusslicht aus Bischofswerda gar nicht gewonnen. Denn Trainer Claus-Dieter Wollitz war mit der Performance seiner Elf nicht zufrieden. Und zwar null komma null.

„Wir hatten ein unglaublich schlechtes Passspiel, eine unglaublich schlechte Vororientierung, waren ein unglaublich schlechtes Gefüge“, zählte Wollitz die Mängel kurz nach Abpfiff in den Katakomben auf. „Jeder ist hier einzeln seinem Beruf nachgegangen. Ich meine aber zu wissen, dass wir so gut nicht sind, dass hier jeder seinen Beruf einzeln betreiben sollte.“

Wollitz hatte immer wieder gewarnt vor dem Schlusslicht aus der Oberlausitz, das mit der zweitschwächsten Offensive der Liga (11 Tore) und sogar der löchrigsten Defensive aller fünf Regionalliga-Staffeln in Deutschland (43 Gegentore) angereist war. Die eigentlich vorhandenen Unterschiede im Leistungsvermögen waren aber zu kaum einer Phase erkennbar zwischen Energie Cottbus und den Gästen, die im zweiten Regionalliga-Jahr schon bedrohlich abfallen im Tabellenkeller. „Bischofswerda war so gut, weil eine Mannschaft dafür gesorgt hat. Und das waren wir“, monierte Wollitz und ordnete den Auftritt auch gleich noch historisch ein. „Das war gar nichts. Das war das Schlechteste, was ich hier seit Monaten gesehen habe.“

Und wäre da nicht Dimitar Rangelov gewesen, vielleicht hätte Wollitz nach der Partie sogar noch über das Ergebnis schimpfen müssen. Der Kapitän war der beste Cottbuser in einer fahrigen Mannschaft und sorgte nach 47 Minuten mit einem Freistoß auch für den ersten echten Torschuss. Ein paar Minuten später erlöste er den FCE mit seinem 7. Saisontor, als er seinen Kopf in einen Freistoß von Berkan Taz hielt.

Auch danach aber besserte sich das Spiel wenig. Weil Bischofswerda nach einem anstrengenden Pokalspiel am Donnerstag (0:1 gegen Lok Leipzig) auch im zweiten Abschnitt nicht müde wurde. Und weil Energie nach wie vor wenig Lust auf dieses Spiel hatte. „Die Punkte haben wir nur geholt, weil es vor dem 1:0 ein fantastischer Freistoß war und Rangelov mit seiner Erfahrung weiß, wie er den Ball über die Linie drücken muss“, urteilte Wollitz. Eine abgefälschte Flanke von Jonas Zickert, der rechts verteidigte für den angeschlagenen Tobias Hasse (Knieprobleme), zementierte nach 70 Minuten den schmucklosen Arbeitssieg.

Ein Sieg, der irgendwie als Blaupause dient für den Herbst 2019, der für Cottbus zwar wenig Glanz, aber viel Gloria bereithält. So trumpft Energie mit der Maximalausbeute aus den jüngsten sechs Pflichtspiel glorreich auf. Glänzen kann der FCE in diesen Tagen aber nicht. Denn schon seit Wochen rumpelt sich die Wollitz-Elf eher von Erfolg zu Erfolg. Das letzte Feuerwerk gab es Ende September beim 6:0 gegen den BFC Dynamo, und auch die Darbietung beim 2:1 Nordhausen vor einem Monat war ansprechend. Im Anschluss aber folgten eher triste Auftritte gegen Gegner aus dem Tabellenkeller oder sogar aus einer Amateurliga wie im Landespokal gegen Stahnsdorf-Teltow.

Auch das Spiel gegen Bischofswerda bot keine Besserung. „Es ist nicht jedes Spiel eine Selbstverständlichkeit“, sagte Torhüter Lennart Moser. „Wir müssen gucken, dass wir jetzt auch spielerisch wieder besser werden. Trotzdem bin ich zufrieden, dass wir die Null gehalten und den Sieg nach Hause geholt haben.“ Wollitz dagegen wollte das nicht so sehen. Er verließ das Stadion mit den Worten: „Das ist richtig enttäuschend, das tut richtig weh.“

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