Energie Cottbus
: Per Zug gestrandet – irre Nacht der Fans nach Sieg gegen Greifswald

Einige Fans von Energie Cottbus erleben nach dem Spiel gegen Greifswald eine lange Nacht. Sie stranden mit dem Zug nach Berlin ‒ und werden zurück nach Cottbus gefahren.
Von
Frank Noack
Cottbus
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Fussball Regionalliga Nordost 2023/2024 FC Energie Cottbus — Greifswalder FC: Choreografie der Energiefans

Einige Fans von Energie Cottbus erlebten nach dem Sieg gegen Greifswald unfreiwillig noch eine lange Nacht.

Steffen Beyer

Dieses Spiel und vor allem die lange Nacht danach werden einige Fans von Energie Cottbus so schnell nicht vergessen. Dem ausgelassenen Jubel über den Sieg gegen den Greifswalder FC am Freitagabend folgte eine Katastrophen-Heimreise per Zug nach Berlin.

Völlig irre: Statt wie geplant noch vor Mitternacht in der Hauptstadt anzukommen, mussten die Fans mitten in der Nacht wegen eines Unfalls mit Todesfolge zurück nach Cottbus fahren. Zuvor hatten sie stundenlang auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe (Landkreis Dahme-Spree) ausgeharrt – und es gab sogar ein Geburtstagsständchen.

Ein schwerer Unfall sorgt für unfreiwilligen Stopp

Dabei schien an diesem Jubel-Freitagabend zunächst alles nach Plan zu laufen. Energie Cottbus gewann in der Fußball-Regionalliga Nordost das Topspiel gegen den Greifswalder FC 2:1 und entthronte damit den bisherigen Tabellenführer. Über 18.000 Fans feierten ein emotionales Fußballfest im Leag Energie Stadion. Darunter waren auch zahlreiche FCE-Fans aus Berlin. Was ihnen für eine nächtliche Odyssee mit nochmaliger Rückfahrt nach Cottbus bevorstehen sollte, ahnten die Fans noch nicht, als sie um 22.03 Uhr in den RE2 Richtung Berlin-Ostbahnhof stiegen. Es wurde gesungen und gefeiert.

Es war eine lange Nacht für einige Fans von Energie Cottbus: Sie strandeten wegen eines Unfalls auf dem Bahnhof in Halbe.

Es war eine lange Nacht für einige Fans von Energie Cottbus: Sie strandeten wegen eines Unfalls auf dem Bahnhof in Halbe.

Jonas Britze

Die Ernüchterung kam nach rund einer Stunde Fahrzeit. Alle Reisenden wurden per Durchsage aufgefordert, den Zug in Halbe zu verlassen –  nichts ging mehr in Richtung Berlin. Der Grund: In Bestensee hat sich ein schwerer Unfall mit Todesfolge ereignet. Nach Polizeiangaben war ein Auto an einem Bahnübergang mit dem Regionalexpress in Richtung Cottbus zusammengestoßen. Das Auto sei etwa 100 Meter vor dem Zug hergeschoben worden, habe Feuer gefangen und sei vollständig ausgebrannt.

Die Fahrzeugführerin starb dabei. Zwei Zuginsassen mussten wegen Kreislaufproblemen medizinisch in einem Krankenhaus versorgt werden. Der Lokführer erlitt einen Schock.  „Warum sich der PKW bei roter Warnblinkanlage und geschlossener Halbschranke auf den Bahnübergang befand, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, teilte die Polizei am Samstag mit.

Von den Details dieser Tragödie wussten die Energie-Fans am Freitagabend um kurz nach 22 Uhr natürlich noch nichts. Für sie stand die Frage im Vordergrund: Wie kommen wir jetzt nach Hause? Und vor allem: wann?

Fans von Energie Cottbus stranden mit dem Zug

Auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe wurden erst einmal Gesänge angestimmt und nochmal der Sieg gegen Greifswald gefeiert. Um Mitternacht gab es sogar ein Ständchen für ein Geburtstagskind in den Reihen der FCE-Anhänger.

Jeremy Thomann, Social-Media-Redakteur in der Sportredaktion von LR.de, saß ebenfalls in diesem Zug und wollte nach Hause nach Berlin: „Die meistens Fans hatten gute Laune, einige waren natürlich auch genervt. Aber es bildete sich beim Warten auf dem Bahnhofsvorplatz schnell eine Art Schicksalsgemeinschaft.“

Ein Teil der Fans fuhr mit dem Taxi weiter oder ließ sich abholen. Die meisten harrten jedoch der Dinge – und die zogen sich weiter hin. Die Polizei schaute ebenfalls vorbei. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe gibt es schließlich nicht alle Tage so laute Gesänge, noch dazu zu nächtlicher Stunde.

Für Gelächter sorgte zwischenzeitlich die Mitteilung, dass der angeforderte Schienenersatzverkehr-Bus mit einer Panne liegengeblieben sei. „Die Kommunikation war insgesamt leider sehr schlecht“, berichtet Jeremy Thomann.

Ein Energie-Fan macht hier kurzerhand ein Nickerchen auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe.

Ein Energie-Fan macht hier kurzerhand ein Nickerchen auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe.

Jonas Britze

Irgendwann nach Mitternacht wurde dann zwar ein Zug bereitgestellt und die Fans durften einsteigen. Aber der Zug bewegte sich zunächst nicht von der Stelle – und schon gar nicht nach Berlin. Im Gegenteil: Er fuhr mit den Fans dann zurück nach Cottbus. Kurz vor 3 Uhr kamen die Gestrandeten wieder in Cottbus an – zum zweiten Mal.

Aber die Odyssee war damit noch lange nicht beendet. „Wir sind dann in einen bereitstehenden Zug in Richtung Berlin-Ostkreuz eingestiegen. Kurz danach mussten wir wieder raus, weil es hieß, der Zug fährt jetzt aufs Abstellgleis“, berichtet ein Fan auf Nachfrage von LR.de.

Auf dem Bahnhof in Cottbus gab es um diese Zeit natürlich keinerlei Versorgungsmöglichkeiten mit Essen und Getränken. Immerhin: Der Bäcker räumte schon seine Regale für den nächsten Morgen ein – aber hinter der geschlossenen Glasscheibe.

Die irre Nacht der Energie-Fans nahm dann ein spätes, aber doch noch gutes Ende: Mit dem ersten regulären Zug am Samstagmorgen kamen sie gegen halb sechs in Berlin-Ostbahnhof an.

Video: Fans von Energie Cottbus feiern um Mitternacht in Halbe

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