Von Jan Lehmann

Der Zorn ist wieder abgereist, der Frust geblieben: Energie Cottbus geht am Samstag mit ganz viel Wut im Bauch in das vorgezogene Abstiegsendspiel gegen Fortuna Köln (14 Uhr/RUNDSCHAU-Liveticker). Durch die ärgerliche Niederlage beim FSV Zwickau am zurückliegenden Montag sind die Lausitzer extrem unter Zugzwang. Nur ein Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf erhält dem FCE alle Chancen auf den Klassenerhalt in der 3. Fußball-Liga.

Der Zorn, Vorname Justus, ein 28-jähriger Schiedsrichter aus Freiburg, hatte Energie am Montag gehörig in Wallung gebracht. Das nicht geahndete Foul von Zwickaus Torschütze Toni Wachsmuth an Energie-Torhüter Kevin Rauhut vor dem 0:1 hatte die ausgeglichene Partie in die entscheidende Richtung gelenkt. Sechs gelbe Karten für Energie und der unverständlich frühe Abpfiff der Nachspielzeit von Justus Zorn sorgten für einen Wutausbruch der Cottbuser Spieler.

Der einstige Fifa-Schiedsrichter Babak Rafati urteilte nüchterner bei „Liga3-Online“: „In der Regel heißt es, dass der Schiedsrichter die Nachspielzeit erhöhen, jedoch nicht verkürzen darf. Das hat er in diesem Fall getan, was gegen die Regel verstößt.“ Zudem sei es „insbesondere taktisch unklug“ vorher abzupfeifen, so Rafati „gerade wenn die Stimmung vorher nicht die Beste ist“. Nein, die Stimmung war nicht die Beste. FCE-Profi Jürgen Gjasula, der einst in der Champions League gegen den FC Barcelona gespielt und knapp 200 Zweitliga-Spiele absolviert hat, schimpfte: „Ich habe noch nie in meiner gesamten Karriere so einen arroganten Schiedsrichter gesehen.“

Doch das Klagen hilft Energie nicht. Zumal eine Statistik von Schiri-Experte Rafati besagt, dass der FCE in dieser Saison keinesfalls von den Referees benachteiligt werde. Nach seiner Rechnung gab es in dieser Saison nur fünf krasse Fehlentscheidungen gegen Energie, damit liegt Cottbus im unteren Drittel. Hansa Rostock und Preußen Münster hingegen mussten beispielsweise schon 15 grobe Schiedsrichter-Fehler ertragen. Im Gegensatz hat Rafati bei „Liga3-Online“ errechnet, dass Energie schon elf Mal von den Unparteiischen bevorteilt worden sei – keine Mannschaft hatte demnach öfter Glück.

Das ist eine Bilanz, bei der Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz garantiert gern noch einmal nachrechnen würde. Doch der Cottbuser Coach will nicht zurückblicken. Er sagt indes: „Aus diesem Frust, aus dieser ganzen Enttäuschung, schaffen wir Energie.“ Gegen Fortuna Köln, eines der auswärtsstärksten Teams der Liga, erwartet er von seiner Mannschaft eine Trotzreaktion. „Die Jungs sind frustriert, das muss aber nichts Schlechtes sein – weil sie auch fokussiert sind.“

Der Schiedsrichter am Samstag heißt übrigens Florian Heft, 28 Jahre aus Neuenkirchen bei Osnabrück. Der hat schon einmal ein Cottbuser Spiel gegen Fortuna Köln geleitet. Im Oktober 2014 verlor der FCE damals mit 0:3 im Kölner Südstadion. Und dennoch – vielleicht ist der Namen des Referees trotzdem ein gutes Omen für die Wollitz-Elf. Denn mit einem Heimsieg würde der FCE das Heft des Handelns im Abstiegskampf wieder zu fassen bekommen.