Von Frank Noack

Mit ziemlicher Sicherheit war Moritz Broschinski in der 75. Minute heilfroh, dass keine Zuschauer und auch keine TV-Kameras bei diesem Testspiel dabei waren. Denn die Partie zwischen Hertha BSC II und Energie Cottbus am Mittwochnachmittag wurde als Geheimtest ausgetragen. Sie endete trotz diverser FCE-Chancen letztlich 0:0.

Auch, weil Broschinski eben die mit Abstand beste Möglichkeit dieser Partie nicht nutzen konnte. Es war eine unglaubliche Szene, die Eingang in jeden Jahresrückblick finden würde – wenn sie eine Kamera gefilmt hätte: Nach einem schönen Angriff der Gäste traf der junge Stürmer völlig freistehend aus fünf Metern das leere Tor nicht. „Da gibt es nichts zu erklären, der Ball muss rein. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, ärgert sich Broschinski und ergänzt mit Nachdruck: „Er muss rein, fertig! Wenn man so eine Chance nicht nutzt, dann ist das ein echter Albtraum.“

Gut, dass der Youngster diesen Fauxpas in einem Testspiel und nicht in der 3. Liga fabrizierte. Denn so eine vergebene Chance könnte den FCE im Kampf um den Klassenerhalt teuer zu stehen kommen. Am Mittwoch auf dem Trainingsplatz direkt neben dem Amateur-Stadion von Hertha BSC war der Fehlschuss noch einigermaßen zu verschmerzen. Zumal die sehr junge Energie-Mannschaft gegen den Regionalligisten über weite Strecken eine ordentliche Leistung ablieferte.

Neben Broschinski hatte auch Sturmpartner Kevin Scheidhauer mehrmals die Chance zur Führung. Der nach der Pause eingewechselte Felix Geisler versuchte sich ebenfalls immer wieder ohne Erfolg am Tore schießen. „Wir haben uns sehr viele Torchancen herausgespielt, das war absolut positiv. Leider haben wir keine verwerten können. Das ist das kleine Manko“, bilanziert Co-Trainer Frank Eulberg nach dem zweiten Testspiel der Winter-Vorbereitung. Am vergangenen Samstag hatte Energie gegen den tschechischen Rekordmeister Sparta Prag eine 0:2-Niederlage kassiert. An diesem Samstag kommt Zweitligist 1. FC Magdeburg zur Generalprobe in das Stadion der Freundschaft (Beginn um 14 Uhr).

Frank Eulberg vertrat diesmal den nach einer Knie-Operation noch nicht zu einhundert Prozent einsatzfähigen Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz, der genau wie mehrere Stammspieler nicht mit nach Berlin gereist war. „Wenn wir hier 3:0 oder 4:0 gewinnen, wäre das ein gerechtfertigtes Ergebnis gewesen. Das Ergebnis stimmt nicht, aber vieles andere war schon ganz ordentlich“, erklärt Eulberg.

Im Blickpunkt stand vor allem die extrem junge Mittelfeld-Zentrale. Leon Schneider (18) übernahm den defensiven Part und wirkte dabei meistens souverän und abgeklärt. Etwas offensiver spielte Colin Raak (18). Er setzte im Spiel nach vorn einige gute Impulse. In der 2. Halbzeit kam dann Jonas Zickert (21) für Schneider in die Partie und machte nach langer Verletzungspause einen weiteren kleinen Schritt zurück zu seinem alten Leistungsniveau.

Am Ende nahm Energie Cottbus aber trotzdem keinen Sieg, sondern nur die Erkenntnis mit nach Hause, dass die junge Truppe speziell in der 2. Halbzeit eine Klasse besser war als Hertha II. Und ja, Moritz Broschinski hatte bei der Rückfahrt  außerdem noch seinen ganz persönlichen Albtraum aus der 75. Minute mit im Gepäck.