Diese Richtigstellung war Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz am Donnerstag ein wichtiges Anliegen: Bei der Pressekonferenz vor dem Regionalliga-Spitzenspiel bei der VSG Altglienicke (Samstag, 13.30 Uhr) wehrte sich der Cottbuser Coach gegen „bösartige Unterstellungen“. Wollitz sagte: „Das ist der Höhepunkt: Ich habe gehört, ich hätte Marc Stein rausgeschmissen.“ Das Gegenteil sei der Fall gewesen, so der 54-Jährige, der betonte: „Marc Stein hat wegen mir hier in Cottbus gespielt. Ich habe alles dafür gegeben, und der Club auch.“

Man habe dem Abwehrchef, der aus familiären Gründen im Januar den Vertrag aufgelöst hatte und zum VfB Stuttgart II gewechselt war, zuvor verschiedene Unterstützungen angeboten:  einen persönlichen Trainer in Stuttgart, eine Kinderbetreuung für seine Familie und sogar einen Fahrer, damit Stein noch zwei Tage länger bei seiner Familie in Stuttgart bleiben könne.

Doch der Führungsspieler brach bekanntermaßen seine Zelte in Cottbus ab, sein Abgang dürfte einer der entscheidenden Gründe für den bitteren Cottbuser Drittliga-Abstieg gewesen sein. Die Diskussion um Wollitz‘ Umgang mit Stein hatte der einstige Cottbuser Publikumsliebling Detlef Irrgang öffentlich gemacht. In einer Art Generalabrechnung mit dem Verein hatte der 53-Jährige gegenüber dem „rbb“ seine Enttäuschung über den Umgang mit einem so verdienstvollen Spieler wie ihm zum Ausdruck gebracht und zudem Trainer Wollitz attackiert: „Er ist zweimal abgestiegen. Und vorige Saison, da hat er ja wirklich eine gute Truppe gehabt. Ob Mamba oder Stein, den er rausgeschmissen hat.“

Irrgang, der von den Fans als „Fußballgott“ verehrt, von 1985 bis 2000 insgesamt 175 Tore in 451 Pflichtspielen für den FCE erzielt hatte und es mit Energie bis in die 1. Bundesliga und ins Pokalfinale geschafft hatte, attestierte Wollitz hämisch: „Mit der Mannschaft abzusteigen, das war schon eine super Leistung. Und jetzt? Trainiert Cottbus unter Profibedingungen. In einer blanken Amateurliga. Wenn man da nicht oben steht, dann weiß ich auch nicht.“

Der Cottbuser Coach erklärte nun am Donnerstag auf Nachfrage, dass er diese konkreten Aussagen Irrgangs nicht kenne. Wollitz konterte allerdings süffisant: „Wenn er das gesagt hat – ich glaube, er war ja einer der erfolgreichsten Trainer in Deutschland – dann werde ich das noch einmal nachlesen und zur Kenntnis nehmen.“ Zuvor hatte sich der Energie-Trainer schon, ohne Namen zu nennen, über „Schwarz-Weiß-Denker“ beschwert, die die Leistungen seiner Mannschaft kritisieren. Wollitz konkretisierte: „Diese Schwarz-Weiß-Erzähler, die früher mal den Ball hochgehalten haben und meinen zu wissen, wie Fußball geht. Das kannst du vergessen.“ Seine Einschätzung: „Die reden immer von früher. Früher hat aber mit heute gar nix mehr zu tun. Wer Ansprachen macht wie früher, der kann den Schlüssel abgeben.“

Für ihn erscheint diese öffentliche Attacke geplant. Wollitz vermutet: „Das wird jetzt erzählt, wo diskutiert wird: ,Verlängert Wollitz seinen Vertrag, oder nicht?‘ Das ist so etwas von bewusst.“ Die Irrgang-Behauptung zu Steins Rausschmiss wiegelte der Coach deshalb vehement ab: „So ein Quatsch, so eine bösartige Unterstellung. Ich habe hier noch gar keinen Spieler rausgeschmissen. Im Gegenteil. Ich stelle mich vor jeden Spieler und versuche den ganzen Druck auf mich zu laden, damit der Spieler hier unbekümmert spielen kann.“

Inwieweit derartige Störfeuer die Entscheidung des Cottbuser Trainers über eine mögliche Vertragsverlängerung beeinflussen, war am Donnerstag nicht erkennbar. Wollitz betonte nur, dass er vor dem Spitzenspiel gegen Altglienicke den Fokus ganz auf die wichtige Begegnung im Jahn-Sportpark lenken wolle. Mit Äußerungen zu seinen Zukunftsplänen ist stattdessen wohl eher nach dem abschließenden ­Energie-Heimspiel gegen Her­tha BSC II am darauffolgenden Samstag zu rechnen.

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Im Spitzenspiel droht  Ausfall von Torgarant Taz


Berkan Taz (20) ist vor dem FCE-Spitzenspiel bei Altglienicke angeschlagen. Der Topscorer hat wegen einer Wadenverletzung in dieser Woche noch nicht trainiert, sein Einsatz ist mehr als fraglich.

Niclas Erlbeck (26) hat wegen seiner Hüftverletzung weiterhin nicht mit der Mannschaft trainiert - aber immerhin die Intensität gesteigert. Nach dem Abschlusstraining soll entschieden werden, ob er zum Kader gehört.

Orhan Yildirim (26) hat muskuläre Probleme, Colin Raak (19) eine Ohrenentzündung. Trainer Wollitz sagt mit Galgenhumor: „Sollten alle ausfallen, fahren wir mit 13 Spielern zum Spitzenspiel. Da werden wir richtig überraschen mit der Aufstellung.“