Energie Cottbus
: Ausverkauft! Als die Polizei Tumulte am Stadion verhinderte

Energie Cottbus Archiv: Im Mai 2000 wollen alle Fans Tickets für das entscheidende Spiel gegen den 1. FC Köln. Die Stimmung beim Verkauf schaukelt sich bedrohlich hoch.
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack
Cottbus
Jetzt in der App anhören
24. Mai 2000: Warten auf Karten: Andreas Gutsche (im Vordergrund) führte gestern die Schlange der FCE-Fans auf dem Stadionvorplatz an. Er hatte sich bereits früh um 4:10 Uhr eingefunden, um noch Tickets zu ergattern.

24. Mai 2000: Warten auf Karten: Andreas Gutsche (im Vordergrund) führte gestern die Schlange der FCE-Fans auf dem Stadionvorplatz an. Er hatte sich bereits früh um 4:10 Uhr eingefunden, um noch Tickets zu ergattern.

Mario Behnke
  • Energie Cottbus vor dem Bundesliga-Aufstieg, Polizei verhindert Tumulte beim Ticketverkauf.
  • 2000 Tickets verkauft, Fans campen seit 4 Uhr, 15000 Karten bereits am Dienstag verkauft.
  • Person wegen Schwächeanfall ins Krankenhaus, Kinderkarten in reguläre Tickets umgewandelt.
  • Politiker und prominente Unterstützer versammeln sich, Trabi voller Gurken als Siegesprämie.
  • Spiel gegen 1. FC Köln entscheidend für Aufstieg, Trainer Eduard Geyer optimistisch.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Energie Cottbus – aus unserem Archiv

Die Geschichte von Energie Cottbus bewegt die Fußballfans – nicht nur in der Lausitz. In unserer Archiv-Serie blicken wir mit historischen Artikeln auf wichtige Spiele und Ereignisse in der FCE-Geschichte zurück. Der Text „Energie: Mit wenigen Worten das ganz große Ziel erreichen“ von Frank Noack ist am 25. Mai 2000 in der Lausitzer Rundschau erschienen.

Es ist nicht die Zeit für große Worte. Eher für große Taten. Beispielsweise den Bundesliga-Aufstieg des FC Energie Cottbus am Freitagabend (19 Uhr) mit einem Sieg gegen den 1. FC Köln. Und so war der Platz von FCE-Trainer Eduard Geyer auf der gestrigen Pressekonferenz bereits nach zehn Minuten wieder verwaist. „Was soll ich denn groß sagen? Es ist doch alles klar. Ich hoffe, wir alle können am Freitag nach dem Spiel zusammen feiern“, hatte er kurz zuvor den Journalisten mit auf den Weg gegeben.

Zurück ließ Geyer allerdings die obligatorischen Glücksbringer: drei kleine, lilafarbene Schokotafelchen. Drei Tafeln, drei Punkte – die Zielstellung für das alles entscheidende Match lässt sich auch ohne große Worte auf den Punkt bringen. Nach der vorletzten Pressekonferenz lagen bekanntlich noch neun Täfelchen auf seinem Platz. Sechs Zähler hat der FCE aus den beiden darauffolgenden Spielen geholt. Fehlen also nur noch die letzten drei Punkte. Oder eben Schokoladen.

Und für diese zuckersüße Versuchung namens erste Bundesliga wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet beim FCE. Während sich die Mannschaft bei ihren Sprints zwischen Plastikhütchen und Trainingsballen die nötige Lockerheit holen soll, schüttelte man sich auch draußen auf dem Stadionvorplatz die Müdigkeit aus den Knochen. Knapp 2000 Karten – so zumindest die Angaben des Vereins – wurden gestern noch an den Kassen verkauft. Ganz Hartgesottene hatten sich bereits früh um vier Uhr eingefunden und mit ihren Klappstühlen und Decken das Areal zu einem rot-weißen Campingplatz umfunktioniert. Guten Morgen, Energie! Für nicht wenige war es allerdings ein vergebliches Warten, denn allein am Dienstag gingen gut 15.000 Karten über die Vorverkaufstische. Und gegen 16 Uhr prangte gestern dann endgültig das unheilvolle Schild über den Köpfen der Wartenden: Ausverkauft!

Polizei muss Tumulte beim Kartenverkauf verhindern

Kurz zuvor musste sogar die Polizei einschreiten, um die sich hochschaukelnde Stimmung unter Kontrolle zu halten und aufkeimende Tumulte zu unterbinden. Eine Person musste wegen eines Schwächeanfalls per Krankenwagen abtransportiert werden. Um noch mehr Fans die Gelegenheit zum Besuch des Spiels zu geben, wurden einige Kinderkarten kurzfristig in reguläre Stehplatztickets umgewandelt. „Dennoch reichte es hinten und vorne nicht“, staunte selbst Gerda Wolfram über die schier unglaubliche Nachfrage. Und die „gute Seele“ der Geschäftsstelle hat schließlich schon einiges erlebt. Selbst 1997, als der Verein den Sprung in die zweite Liga und das Pokalfinale schaffte, sei der Ansturm moderater ausgefallen.

Energie Cottbus

Das ist gerade bei Energie Cottbus los! Alle Infos für Fans und wichtige Entwicklungen beim FCE finden Sie hier.

Zum Whatsapp KanalZum Podcast

„Damals verteilte sich alles auf einen längeren Zeitraum. Aber jetzt – wir waren ja praktisch an einem einzigen Tag ausverkauft.“ Selbst nach Mitternacht trudelten in den vergangenen Tagen bei ihr auf der Geschäftsstelle noch Kartenwünsche ein. Energie möchte in die erste Bundesliga - und alle wollen mit. Auch die Brandenburger Politik hat mit Premier Manfred Stolpe und den Ministern Jörg Schönbohm und Steffen Reiche einen illustren Kader zusammengestellt. Einen Abend lang werden sie in trauter Dreisamkeit die Roten bejubeln. Energie macht es möglich.

Auch der scheidende PDS-Chef Lothar Bisky hat seine Liebe für die Lausitzer entdeckt. Er und seine Genossen haben sich zudem eine ganz besondere Siegprämie für den 1. FC Nürnberg ausgedacht, falls die Franken dem FCE mit einem Sieg gegen Mönchengladbach zum Aufstieg verhelfen sollten. Dann gibt es einen ganzen Trabi voll Spreewälder Gurken als Dankeschön. Sauer macht lustig? Hoffentlich auch am morgigen Abend.