
Energie: Drei Elfer, zwei Tore und ein Problem für Energie
Eigentlich war dieser sonnige Samstag wie gemalt für ein attraktives Torefestival gegen das Zweitliga-Schlusslicht Bielefeld, garniert mit der Vorfreude auf das DFB-Pokalviertelfinale gegen Hoffenheim am Mittwoch. Doch bereits als die Energie-Profis zum Warmmachen auf den Platz liefen, verblasste dieses schöne Bild. Top-Torjäger Nils Petersen ahnte beim Blick auf die leeren Ränge: „Oje, heute bleiben wir weit unter 10 000 Zuschauern.„
Auch wenn der 22-Jährige das Gegenteil behauptet (“Man ist immer motiviert.„), drängte sich in den folgenden zähen 90 Minuten ein schaler Eindruck auf: nämlich, dass die Minuskulisse gepaart mit der Harmlosigkeit des Gegners der Cottbuser Motivation nicht förderlich war. Im Gegenteil: Nach 20 flotten Anfangsminuten und einem Elfmeter-Treffer von Kruska (12.) stellte Energie in der Folgezeit den ernsthaften Fußballbetrieb ein.
Kein Verlangen nach einer frühen Entscheidung, stattdessen wurden die planlosen Bielefelder ohne viel Aufwand in Schach gehalten - bis der Ex-Cottbuser Christian Müller bei einem Konter plötzlich den Ball an die Latte des FCE-Tores schlenzte (43.). Hallo-Wach in Cottbus? Von wegen. „Wir wollten nur noch in die Pause„, gab Torhüter Thorsten Kirschbaum später zu, wohlwissend, dass ein stärkerer Gegner den Cottbusern die eigene Sorglosigkeit um die Ohren gehauen hätte. Das tat dafür Trainer Claus-Dieter Wollitz, der deftig das Zweikampfverhalten seiner Spieler monierte.
Kein Hallo-Wach-Effekt
Wollitz, der schon in Düsseldorf die fehlende Eigenmotivation seiner Elf kritisiert hatte, betonte: „Die Spieler kommunizieren immer, dass sie unbedingt auf diesen dritten Platz wollen. Doch das habe ich heute nicht gesehen.„ Entsprechend geladen kündigte er Konsequenzen an: „Manche Spieler haben es mit ihrer Leistung nicht verdient, bei diesem fantastischen Pokalspiel am Mittwoch dabei zu sein.„
Ob der Trainer seine Mannschaft am Mittwoch tatsächlich umstellen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich hatte er Ähnliches schon nach dem Düsseldorf-Debakel signalisiert, dann das Team aber nahezu unverändert gelassen.
Einzige Änderung: Im Mittelfeld sollte Daniel Adlung von Beginn an in der Zentrale die Fäden ziehen. Ein Experiment, das nicht unbedingt glückte. Weil mit Adlung, Jules Reimerink und Jiayi Shao gleich drei sehr offensiv ausgerichtete Dribbelkünstler im Mittelfeld agierten, fehlte den Cottbusern mit zunehmender Spieldauer die Balance. So servierten die Cottbuser dem Gegner sogar die Mini-Chance auf dem Silbertablett. Nach der Pause verursachten sie unnötig viele Ecken und Freistöße vor dem eigenen Tor. Einen dieser Freistöße verlängerte Bielefelds Bollmann zum 1:1 (62.) ins Netz. Als dann im Gegenzug Kruska bei seinem zweiten Elfmeter (65.) scheiterte, musste sogar das ganz große Desaster einkalkuliert werden. Heimniederlage gegen diese Bielefelder? Das hätte schon das Ende aller Cottbuser Aufstiegsträume sein können.
Es fehlt die Konstanz
War es aber nicht. Denn nach Bollmanns Foul an Jula donnerte Nils Petersen den nunmehr dritten Elfer mit etwas Glück zum 2:1-Siegtor (79.) ins Netz. Drei Elfer, zwei Tore und dennoch bleibt ein Problem: Den Cottbusern fehlt die Konstanz über komplette 90 Minuten. Dabei ist die Grenze zwischen dem konzeptionellen Verlangen, jede Situation spielerisch zu lösen und der Überheblichkeit, allein auf die individuellen Stärken der FCE-Offensive zu vertrauen, fließend. Wollitz appelliert: „Wir müssen wieder mehr investieren.„
Wobei er weiß, dass dieser Hinweis vor dem Hoffenheim-Spiel nicht vonnöten sein wird. Denn dieser Mittwoch ist ja eigentlich wie gemalt für eine Pokal-Sensation. Doch so ein Bild kann bekanntermaßen trügerisch sein.