
Energie: Der Höhenflug von Energie Cottbus hält an
Nach dem Schlusspfiff stürmten alle Spieler von Energie Cottbus in Richtung des eigenen Tores und feierten dort Keeper Thorsten Kirschbaum. Denn Kirschbaum, der in dieser Woche von Bayer Leverkusen umworben wurde, war der bärenstarke Rückhalt für die Gäste und damit Garant für den Sprung an die Tabellenspitze. „Unser Konzept heute ist aufgegangen. Die erste Halbzeit war sehr gut. Am Ende haben wir etwas nachgelassen und uns zu sehr hinten rein drängen lassen. Im Fußball gehört aber auch etwas Glück dazu“, bilanzierte Trainer Rudi Bommer nach dem ersten Auswärtssieg unter seiner Regie.
Die Energie-Fans konnten froh sein, dass das Spiel ihnen zuliebe wegen eines Staus auf der Autobahn eine Viertelstunde später angepfiffen worden war. Denn im Kölner Stadion gab es eine Leistung ihrer Mannschaft zu sehen, von der man tatsächlich keine Leistung hätte verpassen mögen.
Schon nach vier Minuten blieb den Cottbuser Anhängern allerdings kurz der Atem stehen. Ivica Banovic kratzte einen Schuss des Kölners Royer mit letztem Einsatz von der Linie. Köln am Drücker? Mitnichten. Energie ließ sich nicht beeindrucken und setzte das Pressing sehr weit vorn an. Das hatte Trainer Bommer angekündigt und war so bewusst ein Risiko eingegangen. Doch Energie agierte mit dem Selbstbewusstsein, das sich das Team mit dem gelungenen Saisonstart erarbeitet hatte. Besonders in der Zentrale kauften Ivica Banovic und Marc Andre Kruska den Kölnern immer wieder den Ball und damit den Schneid ab.
Gleichzeitig war den Lausitzern anzumerken, dass sie in diesen Tagen den Spaß am Kicken wiederentdeckt haben. Bestes Beispiel war die tolle Aktion zum 1:0-Führungstor. Über Adlung und Marco Stiepermann wurde Boubacar Sanogo so freigespielt, dass er den Ball nur noch über die Linie drücken musste. Stiepermann sagte nach dem Schlusspfif: „Ich hätte das Tor vielleicht auch selbst machen können. Doch Bouba hat so laut gerufen, da habe ich lieber abgespielt. Wir harmonieren immer besser miteinander.“
Ein klasse Spielzug, der den Kölnern kurzzeitig den Zahn zog. Bis zur Pause beruhigte sich das Spiel, nur das Publikum wurde ungeduldig und pfiff die eigenen Spieler aus. FCE-Sportdirektor Christian Beeck frohlockte derweil in der Halbzeitpause: „Wir sind im Moment sehr effektiv. Ich hoffe, das bleibt auch im weiteren Saisonverlauf so.“
Nach dem Wechsel gab es zwei Schrecksituationen: Erst stürzte Daniel Adlung spektakulär über einen Gegenspieler und blieb liegen. Und dann kam Kölns Bröker im Fünf-Meter-Raum an den Ball. Doch der Kölner Stürmer donnerte den Ball nur an die Oberkante der Latte (48.) und Adlung stand wenig später auch wieder auf dem Spielfeld.
Köln musste nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte noch aktiver werden und tat es. Aber Kirschbaum rettete mit einer Glanzparade auch gegen Clemens (55.) und wurde immer mehr zum Mittelpunkt der Partie. Unglaublich, wie er in der 80. Minute den Drehschuss von Przybylko entschärfte. Der Torhüter hielt den Sieg und die Tabellenführung fest. „Es ist ein schönes Gefühl oben zu stehen. Aber die Tabellenführung ist eine Momentaufnahme. Wir müssen demütig bleiben“, sagte er.
Energie nutzt die Punktspielpause am nächsten Wochenende zu einem Test gegen den polnischen Erstligisten Zaglebie Lubin. Anstoß ist am 8. September um 14 Uhr in Hoyerswerda.