Von Jan Lehmann
und Steven Wiesner

Düstere Mienen im Halbdunkel des Stadions der Freundschaft: Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz und seine Spieler versuchten irgendwie zu erklären, was bei diesem 1:4 (1:2) gegen Regionalliga-Kellerkind VfB Auerbach schiefgegangen war. Der FCE-Coach suchte keine Ausreden, sondern sagte: „Nach dem 1:2 haben wir nicht mehr stattgefunden. Wir hatten keine richtige Chance, keine richtige Aktion. Da haben unsere Spieler zum ersten Mal ihre Unbekümmertheit verloren, da ist das Kopfkino angegangen.“

Und in diesem Kopfkino lief im Lichtspieltheater der Freundschaft ein Gruselschocker, den einige FCE-Spieler wie der 17-jährige Tobias Eisenhuth ohne Begleitung ihrer Eltern vermutlich noch gar nicht sehen durften. Bei den Gegentoren von Marc-Philipp Zimmermann (10./88.), Alexander Morozow (31.) und Thomas Stock (73.) war aus Cottbuser Sicht allein der sehenswerte Treffer von Energie-Profi Berkan Taz zum zwischenzeitlichen 1:1 (20.) der einzige Disney-Moment dieses Freitagabends. Der Rest war Hitchcock, oder noch schlimmer.

Energie wurde gegen die wackeren Halb-Profis aus dem Vogtland, die mit Kapitän Marcel Schlosser und dem Ex-Cottbuser Zimmermann eigentlich nur zwei Spieler mit gehobenem Niveau in ihren Reihen hatten, von Minute zu Minute ängstlicher. Neuzugang Axel Borgmann berichtete: „Nach dem zweiten Tor haben wir keine Lösungen mehr gefunden, es war sicher auch eine Kopfsache.“ Jede Ballannahme wurde zum Zitterspiel, jeder Rückpass zum Horror. Spätestens, als Energie das dritte Gegentor kassiert hatte, wurde auch das zahlende Publikum ungeduldig.

Die treuen Fans auf der Westtribüne begannen zu meckern wie zu alten Zeiten, auf der Nordwand wurde gepfiffen. Und vereinzelt gab es sogar „Wollitz raus“-Rufe (So reagiert der FCE-Trainer auf die „Wollitz raus“-Rufe). Der Trainer indes dürfte sich am Freitagabend wie im immer wiederkehrenden Murmeltier-Film gefühlt haben. Zumindest war dieser Abend ein schmerzhaftes Déjà-vu – die erste Regionalliga-Saison 2016/17 verlief schließlich ähnlich. Auch damals spielte die neu zusammengestellte Mannschaft anfangs extrem wacklig und verlor sogar gegen Teams wie den krassen Außenseiter FC Schönberg. Auch gegen Auerbach gab es damals übrigens eine Heim-Niederlage. Der Trainer bat deshalb das Publikum um Geduld und erklärte: „Es war klar, dass diese Mannschaft Rückschläge erleiden würde, auch wenn dieser Rückschlag so nicht zu erwarten gewesen war. Aber gerade jetzt müssen wir den Jungs den Rücken stärken.“ Im Vergleich zur Spielzeit 2016/17 befand er zudem: „Ich glaube, die jetzige Mannschaft hat mehr Potenzial.“

Das muss die junge Elf nun bereits am Mittwoch im Auswärtsspiel bei Viktoria Berlin (19 Uhr) wieder beweisen. Möglicherweise gibt es bis dahin noch Verstärkung.  Die dringend benötigte Ruhe im Mittelfeld könnte Marcelo de Freitas zurück in die Lausitz bringen. Nach seiner Vertragsauflösung beim Drittligisten Chemnitzer FC aus familiären Gründen ist der 25-Jährige nun wieder ein Thema in der Lausitz. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz wollte auf RUNDSCHAU-Nachfrage dessen Rückkehr nicht ausschließen. Mit seiner Familie wohnt Marcelo weiter in Weißkeißel, eine dreiviertel Autostunde von Cottbus entfernt. Sollte er künftig wieder im Lichtspieltheater der Freundschaft aufdribbeln, wäre das für viele Energie-Fans ganz großes Kino.

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