LR+LR+Timo Rost
: Das Kribbeln ist immer noch da

Seit Januar 2002 trägt er das Trikot des FC Energie Cottbus. Mit insgesamt 113 absolvierten Partien in der 1. Liga, 95 in der 2. Liga und 30 in der österreichischen Liga gehört er zweifellos zu den erfahrensten Spielern im Team von Cheftrainer Bojan
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Doch all diese früheren Meriten nützen ihm hier im Trainingslager im Erzgebirge gar nichts. Er hat keinen Bonus, was Trainingsgintensität– und häufigkeit betrifft. Und obwohl er schon unter Trainern wie Felix Magath und Eduard Geyer ran musste, sagt er ohne Umschweife: „Das, was wir hier an knallhartem Training absolvieren müssen, ist das absolut Härteste, was ich bisher erlebt habe. Und ich bin überzeugt, dass es vielen anderen Spielern, wenn nicht allen, genauso geht.“ Waren alle Spieler, die die Schanzentreppen von Oberhof noch gut in Erinnerung hatten, anfangs froh, dass es hier keine Schanze gibt, so wurden sie doch durch den Hang am Skilift bald eines Besseren belehrt. Denn zwischen den Oberhofer Treppen und dem Hang vor Ort gibt es keine großen Unterschiede.
Und so quält sich Rost beim Konditionstraining durch die Wälder oder den Skihang beim Skilift hinauf. Mancher Fluch kommt dabei über seine Lippen, aber auch die formulierte Erkenntnis: „Jetzt legen wir die Grundlagen für die Saison. Und je näher das Ende des Trainingslagers kommt, wächst auch die Überzeugung, dass man jeden Tag ein wenig besser wird. Der Trainer versucht, seine Philosophie durchzuziehen und macht das mit aller Konsequenz.“
Rost, der Ende August 30 Jahre alt wird, weiß natürlich, dass diese Grundlagen das A und O für den FCE sind, um auch über die Saison hinaus in der deutschen Eliteliga zu bleiben. „Auch wenn es sich immer wieder wie eine Phrase anhört, wenn wir sagen, wir müssen über Kampf und Einsatz ins Spiel kommen, so trifft das auf meine Mannschaft im Besonderen zu. Das sind nun mal unsere Tugenden, für die wir uns bei vielen anderen Teams schon etlichen Respekt verdient haben“ , sagte der Kapitän. Und außerdem will er eins nicht erleben: „Es wird endlich Zeit, den Energie–Dreijahres–Rhythmus mit Auf– und Abstieg zu durchbrechen. Auch deshalb quälen wir uns hier im Gebirge.“
Timo Rost, der als Kapitän auch nach außen das Sprachrohr der Mannschaft ist, hat vor allem in der Sommerpause für jede Menge Schlagzeilen wegen der Wechselgerüchte nach Nürnberg gesorgt. „Ich weiß schon, dass das eine Menge Diskussionsstoff war. Nürnberg war an mich herangetreten, hatte mir ein Angebot gemacht. Natürlich hört man sich das an, wenn der frühere Club Interesse hat. Ich habe da nie mit gezinkten Karten gespielt und habe immer betont, dass ich in Cottbus einen Vertrag bis 2010 habe, den ich auch erfüllen werde. Punkt, aus“ , möchte Rost über das Thema nicht weiter reden.
Trotzdem hat er sich hier im Trainingslager noch einmal kurz mit Manager Steffen Heidrich zusammensetzen müssen, weil er in einem Zeitungs–Interview zu den Neuverpflichtungen gesagt haben soll, man müsste darauf achten, mehr Klasse als Masse zu verpflichten. „Diese Aussage habe ich auf das letzte Jahr bezogen, wo mit McKenna, Radu und Munteanu gleich drei Klasse–Leute gegangen waren. Und da wurde ich wohl falsch interpretiert. Wir haben uns mit Steffen Heidrich kurz ausgetauscht, das Thema ist vom Tisch“ , erklärte Rost.
Jetzt zählt für ihn nur noch der Bundesligastart gegen Hoffenheim. „Unser Ziel, die Klasse zu halten, muss in erster Linie über die Heimspiele kommen. Das bedeutet, dass gegen den Aufsteiger gleich ein Sieg her muss“ , sagte Rost.
Und obwohl er schon viel höherklassige Erfahrung auf dem Rasen gesammelt hat, gibt er zu, dass auch heute noch, wenn er an den Saisonstart denkt, schon wieder ein gewisses Kribbeln zu spüren ist. „Das werde ich nicht los. Sicher ist es nicht so ein Lampenfieber wie bei einem jungen Dachs, der vor seinem Liga–Debüt steht. Doch die innere Unruhe wächst von Tag zu Tag. Das gehört auch dazu, wenn wir Erfolg haben wollen.“
Dafür arbeiten alle Cottbuser Profis hier sehr hart und bekommen von ihrem Kapitän abschließend noch ein großes Kompliment: „Wie sich alle in die Aufgaben hineinknien, wie sich alle keine Blöße geben wollen und sich durchbeißen, egal ob junge Spieler, die Neuzugänge oder der Stamm des Teams, gibt mir eigentlich die Gewissheit, dass wir optimal vorbereitet und mit guten Chancen in die kommende Saison gehen werden.“