Die Rollenverteilung ist klar – wie immer, wenn der FC Energie Cottbus im Brandenburger Fußball-Landespokal antritt: Auch im Achtelfinale an diesem Samstag beim Sechstligisten RSV Eintracht in Stahnsdorf ist der FCE wieder der klare Favorit ­(Beginn um 15 Uhr).

Alles andere als ein Weiterkommen des Tabellenfünften der Regionalliga Nordost gegen den Außenseiter aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark wäre eine große Überraschung.  Und es wäre zugleich ein sportlicher und finanzieller Rückschlag für den FCE. Denn der Pokalsieg und damit der Einzug in den lukrativen DFB-Pokal sind mit rund 250 000 Euro im Budget mittlerweile fest einpreist.

„Natürlich bedeutet das einen hohen Druck. Es bedeutet auch extrem viel Verantwortung für Trainer und Spieler. Wir müssen auch diesmal wieder liefern“, sagt Coach Claus-Dieter Wollitz. „Energie Cottbus ist in jedem Jahr dazu verpflichtet, den Pokal zu gewinnen.“

Das gelang zuletzt in schöner Regelmäßigkeit. Der FC Energie hat seit drei Jahren in Folge den Landespokal geholt. Das bedeutet auch: Der FCE hat in diesem Wettbewerb 20 Spiele hintereinander gewonnen. Ähnlich erfolgreich ist deutschlandweit nur Hansa Rostock. Der Dritt­ligist holte sich den Landespokal von Mecklenburg-Vorpommern ­zuletzt sogar fünf Mal in Folge.

Die letzte Energie-Niederlage im Landespokal liegt mittlerweile vier Jahre zurück. Am 14. November 2015 unterlag der FCE als damaliger Drittligist beim Regional­liga-Vertreter FSV Luckenwalde mit 0:1 nach Verlängerung. In der 112. Minute sorgte der Luckenwalder ­Stürmer Mame Diouf für den schmerzhaften K.o. des Favoriten.

Das Ausscheiden ging als Blamage in die Chronik des Vereins ein. Zum ersten Mal seit 1994/95 qualifizierte sich der FCE nicht für den DFB-­Pokal. Der damalige Trainer Vasile Miriuta und der Sportliche Leiter Roland Benschneider mussten sich anschließend vorwerfen lassen, den unterklassigen Gegner völlig unterschätzt zu haben.

In einigen der 20 siegreichen ­Pokal-Partien hatte Energie Cottbus allerdings an der Favoriten­rolle ziemlich schwer zu schleppen. In der vergangenen Saison ging es gleich in der 1. Runde mit einem über­raschend knappen 1:0 beim ­Landesklassen-Team von Fortuna Glienicke los. Im Achtel­finale musste beim 1:0 im Spiel bei ­Union Fürstenwalde auch lange gezittert werden, ehe Felix Geisler in der 76. Minute das Siegtor erzielte. Ein Jahr zuvor gab es – ebenfalls in Fürstenwalde – beim 3:2-Sieg im Halb­finale jede Menge Spannung.

Den Fehler von 2015 will man beim FC Energie auf keinen Fall wiederholen: den Gegner zu unterschätzen. Auch der nächste Kontrahent RSV Eintracht wurde durch Wollitz und seinen Co-Trainer René Renno zwei Mal live beobachtet – auswärts und zu Hause. „Wir werden auch diesmal top vorbereitet sein. Das ist heutzuge unabdingbar. Wenn ich den Spielern nicht detailliert den Gegner vorstellen kann, dann bin ich als Trainer unglaubwürdig“, betont Wollitz.

Bei der Aufstellung der eigenen Mannschaft für diese Pokalspiele gegen meist unterklassige Teams steckt der FCE-Coach jedes Mal in derselben Zwickmühle. Einerseits muss er natürlich die besten Voraussetzungen fürs Weiterkommen schaffen. Andererseits ist der Landespokal eine willkommene Gelegenheit, um dem einen oder anderen Stammspieler eine Verschnaufpause zu gönnen. Wollitz: „Wir schauen uns immer den Gegner an und stellen dementsprechend auf. Wir können es uns nicht leisten, Experimente zu machen.“

Bis auf den leicht angeschlagenen Niclas Erlbeck und Youngster Tobias Eisenhuth, der noch bis kommenden Dienstag beim U19-Perspektivlehrgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Krefeld weilt, soll die beste Elf auf­laufen. Zumal  der FCE durch die jüngsten Erfolge in der Regionalliga Nordost derzeit einen richtig guten Lauf hat.

Aber eben auch, weil der Pokalsieg für den Favoriten in jedem Jahr Pflicht ist. „Bei uns herrscht immer die Erwartungshaltung, dass wir den Pokal holen. Beim Gegner herrscht dagegen immer die Hoffnung auf eine Überraschung“, beschreibt Wollitz die ungleiche Ausgangs­position. Auch an diesem Samstag im Achtelfinale beim RSV Eintracht in Stahnsdorf.