Von Jan Lehmann
und Frank Noack

Es hätte ein Torjubel für die Ewigkeit sein sollen – so laut war die gemeinschaftliche Ekstase am Samstag im Stadion der Freundschaft, als José-Junior Matuwila per Kopf den Ball zum 2:1 (77. Spielminute) für Energie Cottbus gegen den VfR Aalen über die Linie gedrückt hatte. 12 232 Zuschauer flippten komplett aus – abgesehen von den 40 Aalenern im Gästeblock.

Matuwilas Kopfball war der Siegtreffer in dem nervenaufreibenden Spiel gegen den nimmermüden Absteiger – und der Lohn für eine wahrhaftige Energie-Leistung in der zweiten Halbzeit. Die Gäste hatten die Cottbuser Führung durch Jürgen Gjasula (12.) per Foulelfmeter von Nicolas Sessa (31.) ausgeglichen und das Spiel lange offen gehalten, ehe der Cottbuser Verteidiger nach einer Fülle von FCE-Chancen den Ball mit viel Wucht am bärenstarken VfR-Keeper Daniel Bernhardt vorbeibrachte. Damit bugsierte er seinen Club vorerst wieder über den Strich der Abstiegszone in der 3. Fußball-Liga.

Auf die rot-weiße Ekstase folgte im Cottbuser Dauerregen allerdings schnell die Ernüchterung. Der Treffer, der sich kurz so anfühlte und anhörte wie der vorzeitige Klassenerhalt, reichte nicht. Die Ergebnisse von den anderen Plätzen bedeuteten: Energie hat am kommenden Samstag ein Endspiel in Braunschweig.

Eine Erkenntnis, die den Cottbusern spürbar zusetzte. Trainer Claus-Dieter Wollitz bedauerte, dass mit dem Heimsieg nicht wie erhofft der vorzeitige Ligaverbleib gefeiert werden durfte: „So ein rassiges Spiel hätte auch den Höhepunkt verdient gehabt.“ Stattdessen erlebte Energie einen Klassenerhalt interruptus. Die komplizierte Konstellation im Tabellenkeller besagt sogar, dass Cottbus in Braunschweig gewinnen muss, um sicher in der Liga zu bleiben.

Wer hätte das gedacht? Energie erfüllt in einem packenden Spiel mit großem Einsatz und bemerkenswerter Unterstützung von den Rängen seine Hausaufgabe gegen Aalen. Und dennoch stehen die Cottbuser wie der Verlierer des Spieltages da. Denn während die beiden verbliebenen Konkurrenten Carl Zeiss Jena und Sonnenhof Großaspach am letzten Spieltag vermeintlich leichtere Aufgaben lösen müssen (hier gibt es den RUNDSCHAU-Überblick zu der komplizierten Konstellation), hat Energie in Braunschweig ein echtes Brett vor sich. Mehr als 20 000 Zuschauer im Eintracht-Stadion wollen ihr Team zum Klassenerhalt brüllen – Braunschweig benötigt mindestens noch ein Unentschieden dafür.

Die Energie-Profis trugen die ernüchternde Erkenntnis nach dem umjubelten Heimsieg mit Fassung. Kevin Weidlich erklärte kämpferisch: „In Braunschweig müssen wir noch einen raushauen.“ Und Jürgen Gjasula beschwörte sein Team: „Wir müssen fokussiert sein.“ Dass der Spielmacher seine fünfte gelbe Karte kassierte und damit in Braunschweig gesperrt ist, passte zu diesem seltsamen Nachmittag.

Etwas Kraft kann der FCE womöglich aus den Worten von VfR-Keeper Bernhardt schöpfen. Der Aalener konstatierte: „Der Abstiegskampf in der 3. Liga ist Wahnsinn. Es geht bis zur letzten Sekunde. Nur leider können wir nicht mehr mitmischen.“ Energie hingegen darf noch mitmischen, eine Erkenntnis die wohl irgendwo zwischen Ekstase und Ernüchterung einzuordnen ist.