LR+LR+Wollitz
: Boy, Bommer und die beste Spielanlage

Es ist mittlerweile gute Tradition, dass die RUNDSCHAU-Sportredaktion zum Jahreswechsel in die Glaskugel schaut und den Lesern verrät, wie das Sportjahr 2012 wird. Auch wenn der Ausblick wie immer nicht ganz bierernst zu nehmen ist, sei eines schon
Von
Gastautor
-
Jetzt in der App anhören

Das Fußballjahr 2012 beginnt für den FC Energie Cottbus mit einer Auszeichnung. Für die Leistungen in der Hinrunde der 2. Liga erhält der FCE die Ehrung „Beste Spielanlage mit dem geringsten Erfolg“. Ex-Trainer Claus-Dieter Wollitz macht sich zwar auf die Reise zur Preisverleihung, endet aber im Niemandsland: Gerüchte besagen, dass Wollitz ganz kurzfristig zurück nach Hause zu seiner Familie musste.

Nachfolger Rudi Bommer konzentriert seine Anstrengungen zunächst darauf, den Kader zu verkleinern. Er schickt deshalb einige Spieler los, um als prominente Ehrenamtler in Sportvereinen der Lausitz auszuhelfen. Stürmer Charles Nwaogu, der seit seiner Verpflichtung im Sommer keine einzige Minute zum Einsatz kam, wird zwar im Elbe-Elster-Land mit großem Hallo empfangen - aber nicht erkannt. Weil er beim Kick mit Nachwuchsspielern jeden Elfmeter versenkt, bietet Kreisligist Lok Falkenberg dem Nigerianer spontan einen Vertrag an. Beim Brandenburgligisten BSV Guben-Nord ist man deshalb sauer - war den Neißestädtern doch auch schon ein gewisser Nils Petersen versprochen worden, als der sich in der FCE-Reserve als Chancentod einen Namen gemacht hatte. Doch dieser Wechsel war ja bekanntermaßen kurzfristig geplatzt.

Rudi Bommer sucht unterdessen nach Verstärkungen. Fündig wird er ausgerechnet beim MSV Duisburg. In einer Nacht- und Nebelaktion an einer türkischen Hotelbar im Wintertrainingslager - Duisburg hat im selben Haus wie der FC Energie eingecheckt - lässt sich Emil Jula zur Rückkehr überreden. Jula stellt jedoch zwei Bedingungen. Erstens: Er muss nach seinem kapitalen Fehlschuss in der Saison 2008/09 gegen Hertha BSC nie wieder allein vor dem leeren Tor stehen. Zweitens: Er darf auch Jiayi Shao von Duisburg mit nach Cottbus bringen. Mit der ersten Bedingung erklärt sich Energie einverstanden. Bei der zweiten Forderung findet man keine Einigkeit, sodass die Jula-Rückkehr platzt. Hinterher wird bekannt, dass Energie zwar Shao zurückgenommen hätte, ihn aber nur für Freistöße einwechseln wollte.

Die Fußballbranche sorgt zudem mit einer ganz besonderen Variante des Trainerkarussells für Aufsehen. Friedhelm Funkel übernimmt eine Doppelaufgabe. Er bleibt Coach in Aachen und betreut gleichzeitig noch den Karlsruher SC. Funkel eifert damit Felix Magath nach, der kurz nach der Jahreswende spektakulär zu Schalke 04 zurückkehrt, ohne seine Ämter in Wolfsburg abzugeben. Magath trägt seitdem als Zeichen seiner innigen Verbundenheit zu beiden Clubs zwei Krawatten gleichzeitig - eine in Himmelsblau und eine im VfL-Grün. Dass er übergangsweise auch noch den FC Bayern übernehmen soll - der Hund von Jupp Heynckes ist krank - erweist sich jedoch als Gerücht. Funkel - kein Krawattenträger - entschließt sich derweil zum sogenannten paritätischen Heimvorteil. Er sitzt jeweils bei dem Verein auf der Bank, der ein Heimspiel hat.

Die Lausitzer Füchse müssen die erste Partie des neuen Jahres gegen Heilbronn ausfallen lassen. Grund: Es sind zu wenig Weißwasseraner Spieler erschienen. Nach dem tollen Saisonstart und der zwischenzeitlichen Tabellenführung haben einige Füchse gedacht, dass das Soll schon erfüllt sei. Als Strafe lässt Trainer Dirk Rohrbach die betreffenden Profis im Training eine Woche lang das Trikot des sächsischen Erzrivalen Eislöwen Dresden tragen. Eine Maßnahme mit Erfolg: Von Fehltritten im Fuchsbau wird nach dieser modischen Demütigung im weiteren Saisonverlauf nichts mehr bekannt.

Modische Veränderungen stehen auch bei Philipp Boy an. Der Cottbuser Weltklasse-Turner reist extra nach München, um mit Bayern-Stürmer Mario Gomez die Frisurentrends der Saison 2012 abzustimmen. Boys neuer Haus- und Hoffriseur Udo Walz rät zum gewagten Vokuhila (vorne kurz, hinten lang), als Reminiszenz an ehemalige DDR-Olympiasieger. Und dieses Olympia-Gold hat Boy weiter fest im Blick. Einen Konkurrenten muss er dabei nicht mehr fürchten. Deutschlands ehemaliger Vorturner Fabian Hambüchen - frisurentechnisch eher in der Gewichtsklasse von Guido Westerwelle zu Hause - setzt nach seinem Erfolg bei Stefan Raabs Turmspringen weiter voll auf das Showgeschäft. Er verzichtet gänzlich auf Olympia. Stattdessen unterschreibt er lukrative Verträge für TV-Shows. Beim „Perfekten Dinner“ serviert er die panierte Rolle rückwärts mit einem pochierten Gienger-Salto. Und im „Dschungelcamp“ bekommt er wegen seiner Beweglichkeit die Rolle von Tarzans Schimpansenfreund „Cheetah“.

Boy lässt sich indes nicht von der Showbranche ablenken, sondern profitiert sogar noch von seinem Auftritt mit Oliver Pocher beim Bezahlsender Sky. Dort hatte er dem Comedian Anfang Dezember die wichtigsten Turntricks verraten. Und so vertritt Pocher den Vize-Mehrkampfweltmeister beim 36. Turnier der Meister in Cottbus, damit Boy sich voll auf die Vorbereitung für London konzentrieren kann.

Auf dem EuroSpeedway Lausitz liegt derweil die Konzentration auf dem DTM-Wochenende Anfang Mai. Erstmals seit 2005 sind mit der Rückkehr von BMW wieder drei Marken am Start. Für die Organisatoren stellt das ein ziemliches Problem dar - die Boxengasse am Lausitzring ist angesichts der vielen Starter zu kurz. Kurzfristig behilft man sich, indem die VIP-Parkplätze für die Rennfahrer freigeräumt werden. Weil die Serie aber einen unerwarteten Publikumszuspruch erfährt, wird sie auch noch für weitere Hersteller interessant. So erkundigt sich nach RUNDSCHAU-Informationen unter anderem ein nicht näher benanntes Unternehmen aus Zwickau, ob die DTM-Regularien auch Karosserien aus Pappe zulassen.

Einen spektakulären Neuzugang vermeldet der Cottbuser Boxverein (CBV). Der junge Verein, der mit phantasievoller Personalpolitik schon etliche Faustkämpfer aus der Region angeworben hatte, präsentiert stolz die Vertragsunterschrift von Maximilian Levy. Richtig gehört, von jenem Bahnradsprinter also, der eine Lausitzer Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele ist. Doch keine Sorge, Levy will nicht boxen. Vielmehr plant er eine ganz spezielle Kooperation mit dem CBV. Nachdem Levys Kollegen vom Bund Deutscher Radfahrer beim Weltcup in Kolumbien Opfer eines Raubüberfalls geworden waren, geht man nun in Radfahrerkreisen auf Nummer sicher. Zum Trainingslager nach Kapstadt (Südafrika) nimmt Levy Anfang Januar seine neuen Teamkollegen kurzerhand als Begleitschutz mit.

Das Cottbuser Comeback des Jahres wird indes aus der Arbeitsagentur vermeldet. Dort wird schon seit einigen Wochen getuschelt, dass die Sachbearbeiterin Rosemarie Ackermann hinterm Schreibtisch ein individuelles Trainingsprogramm absolviert. Pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag im April gibt die Lausitzer Sport-Legende bekannt: „Ich will noch einmal zu Olympia, ich spüre das Feuer noch in mir.“ Ackermann, die 1976 in Montreal Gold im Hochsprung gewonnen hatte, ist vom Comeback-Fieber befallen. Ein heimtückischer Virus, der schon bei Kanutin Birgit Fischer (50) und Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (40) nachgewiesen worden ist.

Zum Schluss noch ein Blick nach Osnabrück: Der VfL spielt in der ersten Partie unter Claus-Dieter Wollitz nur 5:5 gegen den SV Wehen. Für Wollitz ist dies allerdings ein gefühlter Sieg: „Wir hatten die bessere Spielanlage.“