
Rudi Bommer: Bommers Ziel: Energie-Torflut auf der Titanic
Die Urlaubs-Idylle an der türkischen Riviera gilt nicht für Energie Cottbus. Das hat Trainer Rudi Bommer gleich nach der Ankunft im Hotel Titanic klar gestellt. „Ich wünsche mir, dass die Jungs gut mitziehen. Vor allem müssen sie wieder torgeiler werden. Daran werden wir hier in Antalya hart arbeiten“, betont Bommer. Sein Ziel ist also eine Torflut auf der Titanic.
Dabei muss das Trainingslager ohnehin etliche richtungs weisende Fragen beantworten. Die RUNDSCHAU sagt, worauf es in den kommenden Tagen ankommt:
?Wie schnell kann die Mannschaft das vom Trainer geforderte Pressing umsetzen?
Auch nach dem 1:0-Testspielsieg am Freitagabend gegen den Viertligisten Hallescher FC monierte der neue Coach Rudi Bommer: „Nur teilweise sind die Spieler schon dorthin gelaufen, wo sie sollen. Wir haben noch viel Arbeit.“ Wo unter Vorgänger Claus-Dieter Wollitz mehr Wert auf Ballbesitz und Dominanz im Mittelfeld gelegt wurde, will Bommer früher - wenn möglich sogar in vorderster Front - angreifen. Kapitän Marc Andre Kruska weiß, was da auf sein Team zukommt: „In Dortmund haben wir das unter Klopp auch genauso einstudiert, eine komplette Sommervorbereitung habe ich dort miterlebt. So schnell kann man den Hebel nicht umlegen, das wird eine Weile dauern, bis wir alle die Laufwege genau kennen.“
?Mit welchen Mitteln bekommt Bommer die gewünschte Stabilität in sein Team?
Die Bilanz von bisher 30 Gegentoren gefällt dem Coach überhaupt nicht. Bommer will seine Mannschaft auf dem Spielfeld enger zusammenrücken lassen, Stabilität ist für ihn eine Grundvoraussetzung. Deswegen schaut er natürlich nicht zuletzt auch auf die Besetzung der defensiven Reihe. Da kündigt sich in der Innenverteidigung ein Dreikampf an. Neuzugang Uwe Möhrle ist dabei sicher nicht chancenlos, wenn es darum geht, Uwe Hünemeier oder Roger aus der Abwehrzentrale zu verdrängen. Auch in der Mittelfeldzentrale steht alles auf dem Prüfstand. Neben Kruska kämpfen da Ivica Banovic, Leonardo Bittencourt und auch Roger um die Plätze.
?Wie kann die Mannschaft wieder mehr Offensivdrang, also „Torgeilheit“, ent wickeln?
Gegen Halle fehlten mit Dimi tar Rangelov und Marius Bilasco ausgerechnet die beiden Angreifer verletzt, die in Zukunft als Doppelspitze fungieren könnten. Es ist kein Geheimnis, dass Bommer erwägt, wieder zwei gelernte Stürmer aufs Feld zu schicken. Gegen Halle versuchte er jedoch beide Varianten. Erst war Mustafa Kucukovic alleiniger Stoßstürmer, zur zweiten Halbzeit kam Martin Kobylanski dazu. Bommer hat in Sachen Torgefahr allerdings nicht nur die Angreifer im Blick. Er fordert mehr Torabschlüsse aus dem Mittelfeld und bemängelt: „Da fehlt das Zutrauen, die Spieler schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.“
?Wie schöpfen die Energie-Profis wieder Mut und Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit?
Rudi Bommer hat beim ersten Testspiel nach eigenem Bekunden schnell gemerkt, dass in seinem Team etwas nicht stimmte. „Sobald es ein bisschen unruhig im Stadion wurde, haben die Spieler gezögert. Sie haben sich zu wenig zugetraut, die Verunsicherung ist zu spüren.“ Das fehlende Selbstbewusstsein erklärt sich aus zuletzt nur zwei Siegen in 14 Zweitliga-Spielen. So ist es bezeichnend, dass Verteidiger Daniel Ziebig erklärte: „Auch wenn es nur ein Test gegen einen Viertligisten war. Es tat gut, mal wieder zu gewinnen - vor allem hier im eigenen Stadion.“ Der letzte Energie-Erfolg vor heimischer Kulisse datiert vom 21. August (2:0 gegen Karlsruhe). Gegen diese quälende Sieglosigkeit helfen nur Siege. In der Türkei hat Energie gegen Duisburg (Mittwoch, 15 Uhr) und Ploiesti (Samstag, 15 Uhr) zwei Möglichkeiten, dies zu üben.
?Welche jungen Spieler können sich in den Tagen von Antalya in den Vordergrund spielen?Leonardo Bittencourt noch in der Reihe der Talente aufzuzählen, macht vermutlich wenig Sinn. Im Testspiel knüpfte der 18-Jährige an die Leistungen an, die ihm einen Wechsel zu Borussia Dortmund ermöglichen. Nun bleibt abzuwarten, wer sich als nächster junger Spieler so gut entwickelt. Bommer hat mit Martin Kobylanski (17 Jahre), Maxim Banaskiewicz (19) und Julian Börner (20) weitere Talente dabei, die auf ihren Durchbruch warten. Neu dabei ist der erst 17-jährige Joshua Putze. Der defensive Mittelfeldspieler aus der U 19 ist Bommer von der Nachwuchsabteilung empfohlen worden.
?Wer si nd die möglichen Streichkandidaten im aufgeblähten Cottbuser Kader?
Bommer macht keinen Hehl daraus, dass ihm der 30-Mann-Kader zu groß ist. In der Türkei sind 29 Spieler dabei, darunter allerdings auch die Langzeitverletzten Markus Brzenska und Martin Fenin. Clemens Fandrich ist wegen einer Fußverletzung nicht mitgereist, Christopher Schorch laboriert an einem Knorpelschaden. Marius Bilasco hat Angina (siehe Extratext). Marco Kurth soll den Verein verlassen. Weitere Profis müssen befürchten, dass sie spätestens im Sommer zu den Streichkandidaten gehören. Bommer hat für den Saisonschluss einen „harten, ehrlichen Schnitt“ angekündigt. Die Tage in der Türkei werden ihm Aufschlüsse geben, auf wen er setzen kann - und auf wen nicht.
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