Nach diesen Vorfällen rund um das Drittliga-Spiel kann man nicht zur Tagesordnung übergehen – jetzt geht die Arbeit bei der Thüringer Polizei erst richtig los. Eine Sprecherin der Landesinspektion Jena erklärte am Montag gegenüber der RUNDSCHAU: „Wir haben zwei szenekundige Beamte, deren Aufgabe es jetzt ist, die Vorgänge und die Täter zu ermitteln.“

Nach Spielende hatten etwa 20 Jenaer drei Kleinbusse aus Cottbus angriffen. Laut „Ostthüringer Zeitung“ (OTZ) ereignete sich der Angriff an einer Engstelle der Ausfahrtstraße. In den Büschen am Straßenrand sollen wohl weitere Jenaer Anhänger versteckt gewesen sein. Die Polizei bestätigte auf RUNDSCHAU-Nachfrage diese Darstellung. *

Das sieht danach aus, als sei dieser Angriff geplant gewesen. Laut „OTZ“ seien die Angreifer auf Fan-Materialien aus gewesen, die diese Busse transportiert haben sollen. Die Zaunfahne eines gegnerischen Clubs zu erobern, ist unter rivalisierenden Fangruppen ein großes Ziel. Laut „OTZ“ gaben die Cottbuser mit ihren Autos Vollgas, beschädigten dabei sogar ihre eigenen Fahrzeuge und verschwanden stadtauswärts. Die Polizei bestätigte, dass Wasserwerfer eingesetzt worden seien, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Später wurden beim Jenaer Fanprojekt Personalien festgestellt und Zeugenaussagen eingeholt.

Die Polizeisprecherin erklärte gegenüber der RUNDSCHAU: „Das vorhandene Videomaterial von diesem Landfriedensbruch wird mit den erfassten Personalien abgeglichen. In den Fällen, wo die Beteiligten eindeutig identifiziert werden, werden sie zu Beschuldigten im Strafverfahren erhoben und landen später vor Gericht.“

Energie-Präsident Werner Fahle war auch in Jena, hat aber erst in Cottbus von dem Vorfall bei der Abreise erfahren. Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte ihn darüber informiert, die Kleinbusse waren gemeinsam mit dem Cottbuser Mannschaftsbus vom Stadiongelände gefahren. Fahle verurteilte die Vorgänge und erklärte: „Ich kann das nicht verstehen. Man muss seinen fußballerischen Gegner sicher nicht lieben. Aber es steht doch auch fest: Würde der Gegner nicht anreisen, könnte kein Fußballspiel stattfinden.“

Fahle selbst wurde auch Opfer einer Bedrohung vor Spielbeginn. Er berichtete: „Mir wurde vorm Stadion von Hooligans mein Energie-Schal weggenommen, mit den Worten: ,Wir hassen Dich.‘“ Fahle sagte: „Das waren solche Jungs, bei denen ich lieber nicht den Helden spielen wollte.“ Zumindest habe er sich aber nicht einschüchtern lassen. „Ich bin weiter meinen Weg in Richtung Stadion gegangen.“ Auf der Tribüne des Ernst-Abbe-Sportfeldes habe er dann einen ruhigen Nachmittag erlebt, so der FCE-Präsident. Er sagte allerdings: „Ich habe natürlich die Pyrotechnik in unserem Block gesehen. Und ich habe auch gesehen, dass dort Anhänger nach Spielende über den Zaun ge­klettert sind.“ Die feindselige Choreografie im Block der Jenaer Anhänger habe er aber ebenso wahrgenommen. Mit dem Schriftzug „Cottbus not welcome“ wurden dort als Nazis, Alkoholiker, Schläger oder Prostituierte karikierte FCE-Fans symbolisch aus dem Stadion gejagt.

Fahle erklärte enttäuscht: „Wir als Verein werden immer wieder öffentlich von allen Seiten angegriffen und in die rechte Ecke gedrängt. Von daher empfand ich diese Choreo als ziemlich daneben.“

*Dieser Artikel wurde mit der Bestätigung der Polizei für die Vorfälle aktualisiert.

Reaktionen nach der Energie-Niederlage in Jena (mit VIDEOS) „Maßlos enttäuscht ist untertrieben“

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