
Sergiu Radu: „Er wird mich als Typ richtig kennenlernen“
Ein Trainer hat in solchen Fällen zwei Möglichkeiten: Er kann Spieler wie Radu aus der Mannschaft nehmen. Solche Maßnahmen werden gemeinhin unter dem Stichwort Denkpause zusammengefasst. Er kann aber auch seine Spieler stark reden und ihnen demonstrativ den Rücken stärken. Wollitz hat Möglichkeit zwei gewählt. Zu dieser Therapieform für angeknackste Spieler-Seelen zählen auch abendliche Telefongespräche wie im Fall Radu. Was dabei am Dienstag besprochen wurde, ist im Detail nicht bekannt. Wollitz sagt nur soviel: „Er wird mich jetzt nicht nur als Trainer, sondern auch als Typ richtig kennen lernen.“ Soll heißen: Neben den taktischen Übungen auf dem Trainingsplatz ist derzeit vor allem Seelenmassage angesagt. Auch am morgigen Freitag im Auswärtsspiel beim SC Paderborn (Beginn um 18 Uhr) wird der glücklose Radu wohl wieder in der Anfangsformation stehen. Wollitz vertraut darauf, dass der Rumäne über Spielpraxis zu alter Leistungsstärke zurückfindet. Denn die ist Radu offenbar bei seinen Gastspielen in Wolfsburg und Köln etwas verloren gegangen. Dort kam er, wenn überhaupt, auf der ungeliebten Außenposition zum Einsatz. Nach der Rückkehr zum FCE darf er jetzt zwar wieder in der Sturm-Zentrale spielen, bislang aber mit mäßigem Erfolg. Wollitz weiß, wie wichtig ein selbstbewusster Radu mit seinem Tor riecher für die Mannschaft ist. Deshalb reicht er ihm die Hand, um die Krise zu beenden. Doch der Trainer stellt sich nicht nur hinter Radu, sondern hat der gesamten Mannschaft am Mittwoch ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen. Auf die Frage, ob es in Paderborn personelle Veränderungen im Vergleich zur Niederlage gegen Karlsruhe geben wird, antwortete der Coach mit einer provokanten Gegenfrage: „Warum soll ich etwas verändern?“ Dann würden doch alle glauben, dieser oder jener Spieler trage die Hauptschuld an der Niederlage. Die Marschroute des Coaches ist klar: Die gemachten Fehler sind zwar ärgerlich. Aber die Spieler bekommen die Chance, diese Fehler zu korrigieren.Wobei die Chance in diesem Fall gleichzusetzen ist mit der Pflicht zur Leistungssteigerung. Natürlich will auch Wollitz eine Reaktion sehen. Bei allen Anlaufschwierigkeiten, die ein Neuanfang mit sich bringt, braucht Energie vor allem Erfolgserlebnisse. Die Spiele am Freitag in Paderborn, am Dienstag im Pokal in Koblenz und gegen Frankfurt werden zeigen, ob die Spieler die Rückendeckung ihres Trainers zu nutzen wissen. Frank Noack