Senftenberg: 135 Jahre Gesundheit

Das Krankenhaus Senftenberg feiert sein 135. Jubiläum. Seit November 1890 finden Patienten dort Hilfe bei gesundheitlichen Problemen. Die Geschichte des Hauses ist geprägt vom Wandel und Wachsen – und sie ist eng mit der Entwicklung der Region verwoben. Heute ist hier die Zukunft der Medizin in Senftenberg zu Hause.
seenluft24 / Oliver BeyerWer im Zeitraffer durch die Geschichte des Senftenberger Krankenhauses wandert, der sieht vor allem eines: Wandel.
Aus dem einstigen Knappschaftskrankenhaus wurden über Bergmannskrankenhaus, Bezirkskrankenhaus und Klinikum Niederlausitz die Sana Kliniken Niederlausitz. Zwischen dem 27 Bettenhaus von 1890 und dem heutigen Gesundheitsdienstleister liegen Welten.
Das erste Bild ist golden
Das goldene Bild im Kleinen Ratssaal im Rathaus der Stadt zeigt die erste Ansicht von einem Senftenberger Krankenhaus und ist auf das Jahr 1580 datiert. „Dieses Krankenhaus hatte Bestand bis 1867. Dann hat sich die Stadt Senftenberg am Stadtgraben ein städtisches Krankenhaus gebaut“, berichtet Georg Messenbrink. Er, selbst 17 Jahre Krankenhaus-Mitarbeiter, kennt die Historie so gut wie kein anderer. Im Laufe der Jahrzehnte hat er nicht nur jede Menge Fakten und Daten recherchiert, sondern auch Objekte aus der Vergangenheit von Medizin und Pflege zusammengetragen.
Rekordgeschwindigkeit prägt Bauphase
„1886 hatte der Bergrevisor Koch schon den Wunsch, ein Knappschaftslazarett zu errichten. Die Gründungsversammlung fand 1888 im Hotel zu Sonne auf dem Markt statt“, berichtet Georg Messenbrink. Bereits zwei Jahre später, am 3. November 1890, wurde das Gebäude - dort wo bis heute das Senftenberger Krankenhaus zu Hause ist - an das Elisabeth-Krankenhaus und Diakonissenhaus zu Berlin übergeben. Zwei Jahre hat es gebraucht, das Geld zusammenzukriegen, einen Architekten zu finden und das Haus fertigzustellen. Die ersten Patienten waren zwei Fahrgäste, die auf dem Rückweg von der Einweihungsfeier mit einem Pferdewagen verunglückt waren.
Doch auch das neue Krankenhaus mit seinen 27 Betten ist schnell zu klein für die Stadt, die wegen der Braunkohle weiterwächst. 1906 erfolgt der erste Anbau – allerdings ohne Baugenehmigung. Ein Strafmandat vom Baudezernat Frankfurt/Oder folgt. „Das konnte abgewendet werden, indem man gesagt hat, dass man schon Patienten wegschicken musste und man diesen Anbau dringend braucht“, erklärt Georg Messenbrink. Schon damals erhielt das Krankenhaus seine markante Klinkerfassade, die bis heute erhalten geblieben ist – auch wenn das Gebäude stetig weiterwuchs.
Hunger und Mangel im ersten Weltkrieg
Mit dem Ersten Weltkrieg begann auch für das Senftenberger Krankenhaus ein düsteres Kapitel. „Sämtliches Fachpersonal war an die Front abgezogen. Senftenberg hatte einen einzigen Arzt. Die Patienten kamen aufgrund des Lazaretts hier in Größenordnungen herein, dass man nicht einmal mehr infektiöse von nichtinfektiösen Patienten trennen konnte. Es gab kein Essen, kein Desinfektionsmittel und keine Wundversorgungsmittel. Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Typhus und Syphilis grassierten. Hinzukamen Hunger und zahlreiche Kriegsverletzte, die wegen Wundfieber, Tetanus und Gasbrand behandelt wurden.

Schon sehr früh ist das Senftenberger Krankenhaus für seine moderne Medizin bekannt: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wird ein medizinisches Labor eingerichtet.
Archiv Krankenhaus
Im Jahr 1924 erhält das Senftenberger Krankenhaus sein bis heute erhaltenes Gesicht mit Klinikerfassade. Der ursprüngliche Bau ganz links außen ist bis heute erhalten.
rchiv KrankenhausNot-OP im Keller
1924 erhält das Krankenhaus sein heutiges Gesicht. Baustart. Ein neuer Eingang entsteht. Die ersten Krankenwagen können Patienten direkt bis an die Tür bringen. 1929 übernimmt Professor Max Grauhan die ärztliche Leitung. Er prägt das Haus – nicht nur medizinisch. Rund um das Krankenhaus lässt er einen Park mit seltenen Pflanzen anlegen. „Er übernimmt ein modernes Haus mit einer Radiologie, mit einem Labor und vielen Betten. Er führt neue OP-Methoden ein, so wie 1941 als er die erste Knochennagelung durchführt“, erzählt Messenbrink.

Professor Max Grauhan prägt als Ärztlicher Direktor das Haus: 1941 führt er die erste Knochennagelung in Senftenberg unter den Augen der Schwestern und Ärzte durch.
Archiv KrankenhausGrauhan trägt das Haus durch die dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs. Im Keller wird ein bombensicherer Not-OP eingerichtet, umliegende Gebäude werden zu Notlazaretten, das „Café Vaterland“ dient als Hilfskrankenhaus. Kurz nach Kriegsende – am 11. Juni 1945 – stirbt er an Fleckfieber und findet auf dem Krankenhausgelände seine letzte Ruhestätte.
Modernisierung und die „Höhe 304“
Mit Gründung der DDR beginnt ein neues Kapitel. Sichtbarstes Zeichen nach außen ist der Anbau der Kinderstation in den 1950er-Jahren. Innen wurden Aufzüge erneuert, der OP vergrößert, Lastenaufzüge eingebaut, eine Intensivstation eingerichtet. In Rauno, einem Ort, der später der Braunkohle weichen musste, entstand 1950 eine Außenstelle, die bis 1982 als Tuberkulosekrankenhaus „Höhe 304“ diente.
Bauboom in den 1990ern
Mit der politischen Wende beginnt eine dynamische Zeit. Am 1. Oktober 1992 werden die Krankenhäuser Senftenberg, Lauchhammer und Klettwitz zum Klinikum Niederlausitz vereint. Gemeinsam mit Regine Hildebrandt, damals Brandenburger Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, wird am 4. Juni 1998 der Grundstein für einen 53-Millionen-Mark-Anbau gelegt. Eine moderne Notaufnahme mit Liegendanfahrt, Endoskopie- und Röntgenabteilung, OP-Trakt, Intensivstation, Labor und vier neue Stationen entstehen bis zum Jahr 2000. Mit der Schließung des Klinikstandortes Klettwitz wurde das Senftenberger Krankenhaus wenig später noch durch den Anbau für die Psychiatrie erweitert.

Ab Juni 1998 wird wieder erweitert: Innerhalb von zwei Jahren entsteht ein Anbau, in dem OP-Bereich, Intensivstation und Notaufnahme einen Platz finden.
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Die neue Liegendanfahrt in der Dorothea-Erxleben-Straße ist eines der Highlights des Anbaus aus den 2000er Jahren. Bis heute ist sie wichtiger Zugangspunkt zur Notaufnahme.
Archiv KrankenhausNeuer Name. Neuer Anspruch an Medizin.
Im Jahr 2020 beginnt die Suche nach einem strategischen Partner. Ein Jahr später werden aus dem Klinikum Niederlausitz die Sana Kliniken Niederlausitz. Mit wichtigen Investitionen in Medizintechnik und Personal ist das Team rund um die Uhr für die hilfesuchenden Patienten vor Ort im Einsatz. Gestern, heute und in Zukunft.
Sana Kliniken Niederlausitz. Wo Medizin seit 135 Jahren zu Hause ist.
Heute ist das Krankenhaus Senftenberg mit seinem regionalen Traumazentrum, einer Schlaganfall-Einheit, einer modernen hochkomplexen Intensivmedizin, einer zertifizierten Herzinfarkt-Versorgung, einer leistungsstarken Orthopädie und Unfallchirurgie sowie dem Gefäßzentrum Lausitz, der Wirbelsäulenchirurgie und der Klinik für Neurologie einer der wichtigsten Anlaufpunkte für die medizinische Versorgung im Süden Brandenburgs.
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Sana Kliniken Niederlausitz
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