Sana Gefäßzentrum Lausitz: Wenn die Lebensader dicht macht

Gefäßcheck per Ultraschall: Die Halsschlagader verrät viel über den allgemeinen Zustand der Gefäße. Mit einer Ultraschalluntersuchung können die Experten sehen, ob sich bereits Kalkablagerungen gebildet haben.
SKN / Ben SeidemannDie Halsschlagadern sind die wichtigsten Versorgungsleitungen ins Gehirn. Wenn sie verengt oder verstopft sind, droht ein Schlaganfall mit schwersten Folgeschäden. Die gute Nachricht: Dank präziser Diagnostik und hochspezialisierte Gefäßchirurgie können viele Patienten rechtzeitig behandelt werden.
„Das Wichtigste ist aber, Risikofaktoren frühzeitig ernst zu nehmen und spätestens bei den ersten Warnzeichen sofort zu reagieren“, betont Tom Hammermüller, Chefarzt des Sana Gefäßzentrum Lausitz in Senftenberg.
Plötzlich wirkt der Blick wie verschleiert, das Sprechen fällt schwer, ein Arm wird taub - und dann ist wenige Minuten später wieder alles normal. Solche Warnsignale können Vorboten eines Schlaganfalls und erste Hinweise auf eine Erkrankung der Halsschlagadern - in der Fachsprache Carotis genannt - sein. „Etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle entstehen, weil das Gehirn über die Halsschlagadern nicht mehr richtig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird“, erklärt Tom Hammermüller.
Schleichende Gefahr
Schleichend lagert sich nach und Kalk (Plaque) an den Gefäßwänden ab, führt zu Verengungen (Stenosen) und schlimmstenfalls zu Verstopfungen. „Erst, wenn die Halsschlagader zu 80 Prozent oder mehr zugesetzt ist, kommt es zu Problemen, weil das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird“, erläutert der Gefäßexperte. Dann ist Eile geboten. Rund die Hälfte aller chirurgischen Eingriffe an der Carotis sind geplant. Hinzu kommen Notfälle von Patienten mit akuten Schlaganfällen.
In jedem Fall ist von den Experten des Sana Gefäßzentrum Lausitz schnelles Handeln mit absoluter Präzision gefragt. „Die Carotis-Chirurgie ist so anspruchsvoll, weil es die direkte Verbindung zum Gehirn ist“, sagt der Chefarzt. Da muss jeder Handgriff sitzen. Um die Verengung zu beseitigen, öffnen die Chirurgen die Schlagader direkt am Hals. „Die Ablagerung wird entfernt, indem wir die Gefäßwand kurz umstülpen oder die Plaques durch Abschaben lösen“, erläutert der Experte.
Dabei spielt Zeit eine entscheidende Rolle, denn der Blutfluss muss für wenige Minuten unterbrochen werden. Die Versorgung des Gehirns übernimmt in den meisten Fällen die zweite Schlagader auf der anderen Körperseite. „Unsere Patienten sind während des Eingriffs bei Bewusstsein und haben nur eine lokale Betäubung am Hals. Damit wir sicher sein können, dass das Gehirn während der OP weiter versorgt wird, bekommen die Patienten ein Quietscheentchen in die Hand und müssen das regelmäßig drücken“, berichtet Tom Hammermüller. Falls das Gehirn nicht weiter über die parallele Blutbahn versorgt wird, überbrücken die Chirurgen das geöffnete Gefäß mit einem feinen Röhrchen, durch das das Blut weiterfließen kann, während die Ablagerungen an der natürlichen Gefäßwand beseitigt werden.

Rauchen, hohe Cholesterinwerte oder Bluthochdruck können Gefäße auf Dauer schädigen. Kalkablagerungen sorgen dafür, dass sich die Blutbahnen Stück für Stück verengen oder gänzlich verstopfen.
SKN /Steffen RascheNach dem Eingriff werden die Betroffenen in der Regel für 24 Stunden auf der Intensivstation überwacht. „Dabei wird der Blutdruck engmaschig überwacht, weil das Blut nach Entfernen der Engstelle wieder freie Bahn hat“, so der Chefarzt. Nach weiteren drei bis vier Tagen in der Gefäßmedizin können die Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Die Gefäßmediziner haben aber weiterhin ein wachsames Auge auf Betroffene: Drei Monate nach dem Eingriff findet eine Nachkontrolle statt und danach empfehlen die Experten einen jährlichen Gefäßcheck.
Risiken früh erkennen
Damit es nicht so weit kommt und das Schlaganfallrisiko sinkt, kann jeder etwas für die Gesundheit seiner Gefäße tun: „Rauchen gehört neben erhöhten Cholesterinwerten und Bluthochdruck zu den größten Risikofaktoren“, unterstreicht Tom Hammermüller. Patienten, die keine Beschwerden haben oder familiär vorbelastet sind, sollten ab dem 65. Lebensjahr ihre Gefäße kontrollieren lassen. „Das geht völlig schmerzfrei per Ultraschall. Die Halsschlagader ist ein guter Indikator für den Zustand der Gefäße im gesamten Körper. So können wir Risiken früh erkennen und Erkrankungen behandeln“, sagt Tom Hammermüller.
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