Ruhestand: Ein Leben für die Altersmedizin

Arbeitsalltag auf der Station zwischen Patientenbett, Schreibtisch und Visitewagen: Mehr als 30 Jahre lang hat sich Dr. Karin Schmidt mit ihrem multiprofessionellen Team um hochbetagte und oft multimorbide Patienten gekümmert.
SKN / Steffen RascheSie ist die prägende Persönlichkeit der Altersmedizin in der Niederlausitz: Dr. Karin Schmidt. Über mehr als 30 Jahre hinweg hat sie die Klinik für Geriatrie der Sana Kliniken Niederlausitz aufgebaut, weiterentwickelt und mit einer klaren Haltung geführt. Ende Januar verabschiedet sich die Chefärztin in den wohlverdienten Ruhestand – und hinterlässt ein Fachgebiet, das ohne sie kaum denkbar wäre.
Kaum eine andere Chefärztin hat eine Fachabteilung der Sana Kliniken Niederlausitz so nachhaltig geprägt. Mehrfach ist die Geriatrie in dieser Zeit umgezogen – mitsamt Team, Ausstattung und Konzept. Dr. Karin Schmidt blieb dabei stets der konstante Mittelpunkt. „Mir war immer wichtig, die Perspektive eines Patienten einzunehmen und zu schauen, was er in seiner Situation wirklich braucht“, beschreibt sie ihren ärztlichen Anspruch. Ein Leitgedanke, der ihre Arbeit über Jahrzehnte bestimmt hat.
Verwurzelt in der Lausitz
Die gebürtige Klettwitzerin ist ihrer Heimat stets treu geblieben. Nach dem Medizinstudium in Magdeburg kehrte Dr. Karin Schmidt bewusst in die Lausitz zurück. Ihre Facharztausbildung für Innere Medizin absolvierte sie im damaligen Bergmannskrankenhaus Klettwitz, anschließend arbeitete sie als Stationsärztin in der Inneren Abteilung. Als sie im Jahr 1994 zur Chefärztin der neu gegründeten Klinik für Geriatrie berufen wurde, war Altersmedizin in der Region noch weitgehend unbekannt. Dass geriatrische Patienten spezielle medizinische, therapeutische und pflegerische Konzepte benötigen, musste erst vermittelt werden. Dr. Karin Schmidt leistete hier echte Pionierarbeit für etwas, das heute längst ein wichtiger Standard ist.
Medizin mit Blick fürs Detail
Von Beginn an legte sie großen Wert auf eine praxisnahe, patientenorientierte Ausstattung. „Ich habe in den 1990er-Jahren mehrere Monate in Kliniken in ganz Deutschland hospitiert und mir überall das Beste abgeschaut“, erinnert sie sich. Selbst die Auswahl der Betten überließ sie nichts dem Zufall: modern, elektrisch verstellbar, getestet aus Patientensicht. „Ich habe mich selbst hineingelegt und ausprobiert, wie man mit Einschränkungen am besten wieder aufsteht.“ Dieser Blick für die alltäglichen Herausforderungen älterer Menschen prägt die geriatrische Arbeit bis heute. Ziel sei es immer gewesen, Patientinnen und Patienten so mobil, selbstständig und sicher wie möglich nach Hause zu entlassen – mit der richtigen Kombination aus medizinischer Behandlung, Hilfsmitteln und weiterführenden Therapien.
Immerwährender Fortschritt
In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die Geriatrie stark weiterentwickelt. Diagnostik und Therapien sind präziser, schonender und vielfältiger geworden „Der Balanceakt besteht darin, zwischen dem medizinisch Machbaren und dem individuell Sinnvollen abzuwägen“, betont Dr. Karin Schmidt. Lebensqualität, Selbstständigkeit und die persönliche Lebenssituation der Patienten standen dabei immer im Mittelpunkt. Entsprechend wuchs auch die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit. Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie sind heute feste Bestandteile der geriatrischen Versorgung. In Lauchhammer erhält das Team zudem seit Jahren besondere Unterstützung: zunächst durch Therapiehündin Heidi, aktuell durch Therapiehündin Mercedes – ein Ansatz, der Nähe, Motivation und emotionale Stabilität fördert.
Teamarbeit als Fundament
Trotz aller fachlichen Erfolge sieht Dr. Karin Schmidt die Leistung nie als Einzelwerk. „Die Klinik ist mein Kind. Aber das, was entstanden ist, wäre ohne Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Sozialarbeiter und Psychologen nicht möglich gewesen. Das geht nur Hand in Hand“, sagt sie. Besonders am Herzen lag ihr stets der respektvolle, empathische Umgang mit älteren Menschen – einer Patientengruppe, die aus ihrer Sicht oft zu wenig Aufmerksamkeit erhält.
Ein neuer Lebensabschnitt
Was bleibt nach einem Berufsleben in der Altersmedizin? Für Dr. Karin Schmidt ist die Antwort klar: Maß halten, Beziehungen pflegen und den Moment bewusst genießen. Die Mutter zweier erwachsener Töchter und fünffache Großmutter freut sich nun auf Zeit mit der Familie, Reisen und die Arbeit im eigenen Garten – ruhig, bodenständig und mit Gelassenheit.
Die Zukunft der Klinik ist geregelt: Ab dem 1. Februar übernimmt Dr. Josef Nees die Chefarztposition. Dr. Karin Schmidt hinterlässt ihm eine starke, gewachsene Geriatrie – und ein Vermächtnis, das weit über Zahlen und Strukturen hinausgeht.
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