Lausitz Biennale: Openart: Ein Band um die Region

Openart-Projektleiterin Maysun Kellow (l.) und Kuratorin Michaela van den Driesch
Ingrid HobergWerenzhain (Elbe-Elster). Der Atelierhof Werenzhain steht seit 30 Jahren für ein vielseitiges Kunst- und Kulturprogramm im Landkreis Elbe-Elster. Jetzt geht von dort ein neuer Impuls für zeitgenössische Kunst in der brandenburgischen Lausitz aus: für die erste Openart Lausitz Biennale in den Landkreisen Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße und in der Stadt Cottbus: „Neun Veranstaltungsorte werden selbst Teil der künstlerischen Erzählung“, sagt Projektleiterin Maysun Kellow. Als Kuratorin ist die Kunsthistorikerin Michaela van den Driesch mit im Boot – eine der frühen Aktivistinnen des Atelierhofs Werenzhain.
Sieben Wochen Kunst
Unter dem Motto „Kunst formt Räume – Art Shapes Spaces“ werden im August und September leerstehende Gebäude, Industriedenkmäler, Scheunen und öffentliche Räume von regionalen, nationalen und internationale Kunstschaffenden gestaltet und bespielt – neben Werenzhain auch in Doberlug-Kirchhain, Lauchhammer, Jamlitz, Forst (Lausitz) und Cottbus. „Diese Orte verwandeln sich in temporäre Räume für zeitgenössische Kunst und werden Teil der künstlerischen Erzählung“, erläutert Kuratorin Michaela van den Driesch.

Openart-Projektleiterin Maysun Kellow (l.) und Kuratorin Michaela van den Driesch
Ingrid HobergBlick aufs Programm
Eröffnet wird die Openart Lausitz Biennale am 31. Juli um 17 Uhr auf dem Atelierhof Werenzhain (Elbe-Elster). Dort trifft Malerei auf Skulptur. Darüber hinaus sollen während der Biennale Lesungen, Filme und Theateraufführungen und Installationen miteinander korrespondieren.
Schon am Abend des 1. August wird die Ausstellung „Sand Art“ am Strand des Rückersdorfer Sees (EE) eröffnet. Die Skulpturen-Sammlung trägt den Titel „Die Welt zu Gast“ und entführt vom Pariser Eiffelturm über die spanische Alhambra auf andere Kontinente.
Eine bekannte Landmarke der Lausitz, die Biotürme Lauchhammer (OSL), werden für einen Tag mit einer Vertikalperformance mit Leben erfüllt und ein leerstehender Wohnblock aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Das Kunstgussmuseum Lauchhammer präsentiert zeitgenössische Arbeiten im Dialog mit klassischen Bronzegüssen. Und im Schlosspark Altdöbern wird beim Kunstworkshop die Natur zur Lehrmeisterin und zum thematischen Schwerpunkt.
Das 350-Seelen-Dorf Jamlitz bei Lieberose (LDS) spiegelt viele Facetten der deutschen Geschichte wider. Dort werden ab 12. August mehrere Veranstaltungen angeboten, darunter ein Tischgespräch in der Kunsthalle Alte BHG Jamlitz zur Eröffnung der Ausstellung „Leerstellen, Überwachsungen und Möglichkeiten“. Am 15. August soll eine zweistündige Führung durch das künstlerische Erbe stattfinden. Darin wird der Bogen über Kunst, Architektur, Landschaft und Zeitgeschichte geschlagen: Jamlitz als Künstlerkolonie, Ausflugsziel für Sommerfrischler, Verkehrsknotenpunkt der Holzindustrie, dann SS-Kommandostelle und Außenlager des KZ Sachsenhausen ...
Im Forster Museum für Textil- und Industriegeschichte Lausitz (SPN) werden ab 21. August nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler auf 300 Quadratmetern Fläche das weite Feld der Transformation in der Lausitz aufgreifen.
Cottbuser Biennale-Ort ist das Areal zwischen Kunsthalle Lausitz und Großenhainer Bahnhof, wo es vom 4. bis 6. September eine Graffiti-Jamsession geben wird. In der angrenzenden Kunsthalle, etablierter Ort für zeitgenössische Kunst aus der Region, sind Präsentationen von Multimedia bis Street-Art und am 20. September auch die Abschlussveranstaltung der Openart zu erleben.
Überwiegend Künstlerinnen
Beim Blick auf die Liste der Teilnehmenden fällt auf, dass überwiegend Künstlerinnen auf der Openart vertreten sind. Maysun Kellow nickt: „Tatsächlich ist der Frauenanteil bei den Studienabschlüssen in der Bildenden Kunst und verwandten Studiengängen höher, auf dem Kunstmarkt jedoch sind sie nach wie vor stark unterrepräsentiert. Dadurch verschiebt sich die öffentliche Wahrnehmung, Männer sind hier stärker präsent.“

Projektleiterin Maysun Kellow und Kuratorin Michaela van den Driesch
Ingrid HobergSonderformat Junge Kunst
Die Biennale bietet im Format „Young Art“ auch Kindern und Jugendlichen Mitmach-Möglichkeiten, über die Landkreisgrenzen hinweg und bewusst entschleunigend, so der Anspruch der Veranstalterinnen. Alle zwei Wochen soll es eine neue „Young Art“-Ausstellung an einem anderen Ort geben.
Ausführliche Informationen zum Programm, zu Ausstellungs- und Spielorten im Internet unter: www.openart- lausitz-biennale.de