Endlich Schulkind!: Zum Start gehört Mut in die Schultüte

Das FAZIT-Team begleitet Familien während ihrer stationären Therapie in Lauchhammer. Auch Sorgen in der Schule gehören zu den Themen, die Eltern und Kinder hier bewegen.
SKN / Steffen RascheDie Niederlausitz ist im Schulanfangsfieber. Denn am 8. September startet das neue Schuljahr in Brandenburg und damit auch das Abenteuer Schule für viele Abc-Schützen. Eine Herausforderung – für Schulanfänger und Eltern. Die erfahrene Therapeutin Babett Kauschmann von den Sana Kliniken Niederlausitz erklärt, was Kindern Mut macht und wie Mütter und Väter ihren Nachwuchs am besten begleiten.
Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule ist ein großer Schritt. Plötzlich ist ganz vieles neu und anders: Schulweg und Schulhaus sind ungewohnt, neue Bezugspersonen, fremde Mitschüler statt vertraute Kindergartenfreunde, sitzen statt spielen.
„Eltern wissen oft nicht, welche Rolle sie übernehmen sollen und was ihr Auftrag ist“, weiß Babett Kauschmann aus zahlreichen Gesprächen mit Familien. Als leitende Therapeutin der Familienzentrierten Interaktionstherapie (FAZIT), die seit mehr als 20 Jahren in den Sana Kliniken Niederlausitz stationär angeboten wird, kennt sie die Baustellen in Eltern-Kind-Beziehungen und weiß, was Familien häufig belastet.
Eine Frage der Haltung
„Die Aufgabe der Eltern ist es nicht, Inhalte wie Lernstoff zu vermitteln, sondern ihrem Kind ein positives Lerngefühl zu ermöglichen und den richtigen Rahmen dafür zu schaffen“, erklärt die Therapeutin. An erster Stelle steht dabei, dass Eltern genau schauen, mit welcher Anspannung und Haltung an die neuen Aufgaben und Herausforderungen herangegangen wird. Dabei sollten Eltern nicht nur ihren Nachwuchs in den Blick nehmen, sondern auch sich selbst reflektieren. Nicht selten übertragen sich so manch negative Erfahrung wie Spannung, Hektik oder Ablehnung schulischer Aufgaben aus der eigenen Schulzeit auf die Kinder. „Der Schulbeginn mit den eigenen Kindern kann noch mal heilsam sein und bietet Chance für korrigierende Erfahrungen“, sagt Babett Kauschmann.

Hausaufgaben am Schreibtisch? Muss nicht sein. Wichtig sind eine positive Stimmung und eine angenehme Atmosphäre, um Kinder spielerisch zu begleiten, zu ermutigen und zu motivieren.
istockphoto.com/ Creative CreditUm die Freude, die Neugier und Begeisterung für den neuen Lebensabschnitt nicht auszubremsen, sollten sich Eltern, Verwandte und Bekannte deswegen auch Sprüche wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ lieber verkneifen. Zu einem angenehmen Lernumfeld gehören für Kinder aber auch genügend Schlaf (8 bis 10 Stunden), eine gesunde Ernährung und ausreichendes Trinken.
Regelflut vermeiden
Mit dem Start der Schule geht häufig auch ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit einher. Kinder übernehmen Stück für Stück mehr Aufgaben und Verantwortung. „Am besten sollten Eltern nicht gleich mit dem vollen Programm starten, sondern neue Aufgaben und Rituale wie die Brotbüchse am Abend auspacken oder den Ranzen packen Schritt für Schritt einführen, um die Kinder nicht zu überfordern“, rät die Familien-Expertin.
Frust tolerieren lernen
Frust vermeiden zählt auch in ganz anderer Hinsicht. Ob in der Schule oder bei den Hausaufgaben: Es ist völlig normal, dass nicht jede Aufgabe auf Anhieb gelingt oder Fehler passieren. „Wichtig ist dranzubleiben und nicht gleich aufzugeben“, plädiert Babett Kauschmann dafür, die Frustrationstoleranz der Kinder zu fördern. „Kinder wollen generell erst einmal vieles selbst ausprobieren und hinbekommen. Das Problem ist, dass viele Kinder nicht gewöhnt sind, schnell zu scheitern oder Eltern diesen Zustand nicht aushalten können und sofort ein Alternativangebot machen. Das bekommen Kinder in der Schule natürlich nicht.“
Austausch üben
Die Therapeutin empfiehlt, mit den Kindern ganz entspannt bei einer Tasse Kakao über den Schultag zu sprechen: Was war gut? Worüber hast du dich gefreut? Was ist dir gelungen? Was hat nicht so gut geklappt? Woran lag es und was brauchst du, damit du die Aufgabe beim nächsten Mal bewältigen kannst?
Sofort belohnen
Der Tipp der Familien-Expertin: Eltern sollten ihren Nachwuchs noch besser im Blick behalten und genau beobachten, in welchen Situationen ihr Kind Handlungen wie Spiele abbricht. „Oft liegt es daran, dass Erfolgserlebnisse nicht schnell genug kommen. Manchmal hilft es, frühzeitig eine kleine Pause einzulegen, bevor man das Kind wieder an die Aufgabe zurückholt. Manchmal tut es gut, erst etwas zu erledigen, was das Kind gut kann, bevor es an die kniffligeren Sachen geht. Wichtig ist, den Frustmoment nicht einfach auszublenden.“
Und wenn die Aufgabe erledigt ist, dann sollten die Schulanfänger am besten sofort belohnt werden: mit gemeinsamer Zeit, vielleicht einer Runde Kartenspielen oder auf dem Trampolin hopsen.
Lerntyp bestimmen
Damit dem Nachwuchs das Lernen in höheren Klassen leichter fällt, kann eine Lerntypanalyse sinnvoll sein. „An manchen Schulen wird das durch Schulsozialarbeiter angeboten“, erklärt Babett Kauschmann. Mit einem solchen Test kann geschaut werden, welche Inhalte Kinder besonders gut auditiv, visuell oder durch praktisches Ausprobieren aufnehmen kann. Und auch ein Blick auf die Uhr ist ratsam: So können Eltern herausfinden, zu welcher Uhrzeit ihr Nachwuchs am effektivsten lernen kann, weil die grauen Zellen besonders aktiv sind. „Der frühe Abend ist zum Beispiel nicht schlecht: Dann sind die Kinder ausgetobt, zu Hause kehrt mehr Ruhe ein und das Gehirn geht in die Verarbeitungsphase“, empfiehlt die Therapeutin.
KONTAKT
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Familienzentrierte Interaktionstherapie (FAZIT)
Krankenhaus Lauchhammer
Friedensstraße 18
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