Cottbus: Zeit, die das Herz erreicht

Medizin und Pflege treffen im Sana-Herzzentrum Cottbus auf echte Nähe.
SHC / SeidemannWeihnachten. Eigentlich ein Versprechen aus Lichtern, Ruhe und Nähe. Und doch fühlt es sich für viele ganz anders an: volle Innenstädte, unerledigte Besorgungen, Erwartungen von allen Seiten. Das Herz schlägt schneller – aber nicht immer vor Vorfreude.
Und dann stolpert man über eine Geschichte wie diese. Eine Geschichte über Geschenke, die man nicht kaufen kann. Über Zeit. Über Nähe. Und darüber, dass niemand allein sein muss – auch dann nicht, wenn das Leben einen anderen Weg nimmt. Im Sana-Herzzentrum Cottbus werden diese Geschenke jeden Tag gemacht. Still. Unaufgeregt. Von Menschen, die seit 30 Jahren eines verbindet: Spitzenmedizin für das Herz – und Menschlichkeit für den Menschen.
Mit Nähe gegen Angst und Einsamkeit
Ein leises Surren, ein rhythmisches Piepen. Das ist der Klang der Intensivstation. Dazwischen ein sanft leuchtender Weihnachtsbaum. Hier kämpfen Menschen um ihr Leben – und andere dafür, dass sie es behalten. Mit moderner Technik, höchster fachlicher Expertise und einem offenen Herzen. Das Team ist rund um die Uhr da. Feiertage kennen hier keine Pausen. „Wir sind immer an der Seite unserer Patienten, damit sie nicht das Gefühl haben, allein zu sein“, sagt Marlen Splitt, Fachkrankenpflegerin für Anästhesie und Intensivmedizin. Sie weiß, dass es oft die kleinen Gesten sind, die tragen: Zuhören. Eine Hand halten. Ein kurzer Moment am Bett.

Marlen Splitt (2.v.r.) engagiert sich auf der Intensivstation für die Patienten. Ehrenamtlich ist sie für den Verein Interplast Germany für Menschen in Tansania im Einsatz.
SHC / Rasche„Nach der Beatmung können die Patienten meistens noch nicht wieder sprechen. Dann helfe ich beim ersten Telefonat mit den Angehörigen und übersetze die Mimik und die Gesten des Patienten“, erzählt sie. Ein Moment, der Hoffnung schenkt – für Patienten und für Familien gleichermaßen.
Für einen behüteten Schlaf
Nur wenige Schritte weiter: Der OP-Bereich des Cottbuser Herzzentrum. Ein Ort, an dem Vertrauen alles ist. Hier sorgt das Team der Anästhesie dafür, dass Patienten sicher durch einen der wichtigsten Momente ihres Lebens gehen. „Unser tägliches Geschenk ist ein tiefer und sicherer Schlaf während des Eingriffs. Jeder Atemzug, jeder Herzschlag, jeder kleine Wert – alles wird im Blick behalten“, sagt Jan Wintmölle, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, der sich mitten im Studium zum Physician Assistant befindet und in Zukunft immer mehr ärztliche Tätigkeiten übernehmen wird.

Jan Wintmölle (l.) gehört zum Anästhesie-Team. Sie wachen darüber, dass die Patienten während des Eingriffs behütet und sicher schlafen.
SHC / RascheVon der Einleitung der Narkose bis zum Aufwachen bleibt das Team an der Seite der Patienten. „Wir sorgen dafür, dass unsere Patienten nicht den Eingriff, sondern nur das Ergebnis in Erinnerung behalten“, sagt er – und beschreibt damit, was Spitzenpflege und Patientennähe bedeuten.
Schritt für Schritt und Seite an Seite
Zurück ins Leben geht es nicht auf Knopfdruck. Sondern Schritt für Schritt. Genau hier setzt die Physiotherapie an. Oft schon wenige Stunden nach einer Operation. „Wir sind jeden Tag für unsere Patienten da und begleiten sie vom Anfang ihres Aufenthalts bei uns im Herzzentrum bis zu ihrer Entlassung – ganz individuell“, sagt Birgit Seeber-Heinrich, Leiterin der Physiotherapie. „Wenn jemand beispielsweise zu Hause bis in den dritten Stock laufen muss, dann üben wir mit ihm so lange das Treppensteigen, bis er es schafft.“ Mit ihrem Team schenkt sie weit mehr als Bewegung: Motivation. Zuspruch. Und das Vertrauen, dass der eigene Körper wieder trägt.

Frühmobilisierung ist das Zauberwort für Birgit Seeber-Heinrich und ihre Kolleginnen. Schritt für Schritt wieder fit für den Alltag werden – das ist tägliches Ziel.
SHC / RascheMit Menschlichkeit
In den Patientenzimmern klingt leise Weihnachtsmusik. Kein großes Fest, kein lauter Trubel – sondern kleine Zeichen der Nähe. LED-Kerzen, Fotos von Angehörigen, ein gemaltes Bild vom Enkelkind. Dinge von zu Hause, die plötzlich eine enorme Kraft entfalten. „Solche Erinnerungen wärmen das Herz und geben Kraft“, sagt Stefanie Heintke, stellvertretende Stationsleiterin der herzchirurgischen Klinik. „Weihnachten ist das Fest der Liebe und des Miteinanders. Und eben dieses Miteinander ist ein Geschenk, das man nicht einpacken kann.“

Kleine Gesten, große Wärme: Stefanie Heintke (r.) und das gesamte Pflegeteam der herzchirurgischen Station kümmern sich voller Wärme und Empathie um die Patienten.
SHC / RascheGerade an den Feiertagen ist das Bedürfnis nach Geborgenheit besonders groß. Dann bleibt man einen Moment länger am Bett stehen. Hält eine Hand. Teilt die Stille. Organisiert einen Videoanruf mit den Angehörigen oder schaut gemeinsam kleine Videos von Kindern, Enkeln oder Haustieren. „Besonders für Patienten, die selten Besuch empfangen können oder keine Angehörigen mehr haben, ist diese Wärme von unschätzbarem Wert. Manche erleben Weihnachten hier nicht als Einsamkeit – sondern als das Gefühl, nicht allein zu sein“, sagt sie. Und manchmal reicht ein leiser Satz, der alles trägt: „Auch hier im Krankenhaus ist Weihnachten. Und wir feiern es gemeinsam – auf unsere sanfte Weise.“
Spitzenpflege mit Herz
„Das schönste Geschenk, was wir unseren Patienten machen können, ist, dass sie wieder ohne Beschwerden zurück ins Leben gehen können“, sagt Jan Bauer, stellvertretender Stationsleiter der Klinik für Kardiologie. „Wir sind nahbar und anfassbar. Was uns ausmacht, ist unsere Teamstärke und unsere große Nähe zu unseren Patienten. Was zählt, ist Menschlichkeit: Wir schauen, was jeder Patient braucht, damit es ihm gut geht.“ Vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses Hauses – seit 30 Jahren. Dass hier nicht nur Herzen operiert werden, sondern Menschen begleitet. Dass Spitzenmedizin nicht getrieben sein muss, um wirksam zu sein. Und dass Nähe oft mehr heilt als jedes Wort.

Menschlichkeit und Patientennähe stehen für Jan Bauer und sein Team in der Klinik für Kardiologie an erster Stelle. Hier hilft das Team Herzen zurück in den richtigen Rhythmus.
SHC / RascheNicht allein sein
Während draußen Lichterketten flackern, sitzt im Cottbuser Herzzentrum jemand am Bett. Bleibt. Hört zu. Hält eine Hand. Auch dann, wenn es spät ist. Auch dann, wenn Weihnachten anders aussieht als geplant. Manche Patienten werden bald wieder nach Hause gehen. Andere brauchen noch Zeit. Und manche werden ihren Lebensweg hier beenden. Doch alle eint ein Gefühl, das bleibt: Nicht allein zu sein. Vielleicht ist das das größte Geschenk überhaupt. Eines, das man nicht kaufen, nicht verpacken und vor allem nicht vergessen kann. Zeit. Zuwendung. Und ein Mensch, der bleibt – wenn das Herz ihn am dringendsten braucht.