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Schnelle Hilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand: Dr. Matthias Hecker gehört zum Medizinischen Einsatzteam der Sana Kliniken Niederlausitz. Im Notfall zählt: Prüfen. Rufen. Drücken.
SKN/Steffen RascheMehr als 65.000 plötzliche Herzstillstände werden jährlich in Deutschland registriert. In den meisten Fällen sind beherzte Laienhelfer gefragt, denn mehr als die Hälfte dieser Notfälle ereignen sich im häuslichen Umfeld. Mit der Woche der Wiederbelebung vom 16. bis 22. September rücken die Sana Kliniken Niederlausitz das Thema Reanimation einmal mehr in den Fokus.
Die Zahlen sind alarmierend: Nur etwa zehn Prozent aller Reanimationen in Deutschland sind erfolgreich. „Wer einen plötzlichen Herzstillstand erleidet, ist meistens auf mutige Ersthelfer angewiesen. Oft sind das Familienmitglieder oder Passanten, Freunde oder Kollegen“, sagt Dr. Matthias Hecker, Oberarzt im Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie der Sana Kliniken Niederlausitz. „Im Notfall zählt jede Minute, um irreversible Schäden an Gehirn und Organen zu vermeiden. Wenn die kostbare Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte ungenutzt bleibt, können auch wir Profis häufig nicht mehr viel tun“, betont der Intensivmediziner, der regelmäßig als Notarzt per Helikopter oder auf vier Rädern in der Region im Einsatz ist.

Thomas Schneider, Leitender Oberarzt Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie
SKN/Steffen RascheUmfrage zeigt Lücken
Doch viele wissen nicht, wie sie in so einer Notlage helfen können. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, bei der 2023 im Auftrag der Sana Kliniken 5.000 Bundesbürger befragt wurden, hat ergeben, dass jeder Vierte keine ausreichenden Erste-Hilfe-Kenntnisse hat. Zudem hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren keinen oder sogar noch nie einen Erste-Hilfe-Kurs mit Schulung der Wiederbelebung absolviert.
Üben gegen Ängste
„Im europäischen Vergleich schneiden wir Deutschen schlecht ab, wenn es um den Beginn oder die Durchführung einer Reanimation geht, insbesondere einer Laienreanimation“, erklärt Thomas Schneider, Leitender Oberarzt im Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie in Senftenberg, und fügt hinzu: „Man hat festgestellt, dass es an der hohen Hemmschwelle liegt. Wir sollten unsere Hemmschwellen fallen lassen. Deswegen gibt es ein einfaches Konzept, mit dem wir wissen, ob wir eine Wiederbelebung starten sollten oder ob sie nicht notwendig ist. Dieses heißt: Prüfen. Rufen. Drücken.“ Schritt 1: Prüfen. Wer eine reglose oder hilfebedürftige Person findet, sollte sie zunächst ansprechen und eventuell einen starken Reiz, zum Beispiel Kneifen, setzen.
Schnell Hilfe holen
Schritt 2: Rufen. Wenn die Person nicht bei Bewusstsein ist, heißt es: Verstärkung organisieren. Durch lautes Rufen können Ersthelfer Personen im Umfeld alarmieren, Hilfe herbeiholen und entweder selbst den Notruf 112 wählen oder eine andere Person auffordern, dieses zu tun. Parallel sollte kontrolliert werden, ob die reglose Person noch atmet. Das geht, in dem man den Oberkörper etwas frei macht und beobachtet, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Alternativ kann man auch sein Ohr über den Mund halten und fühlen, ob man einen Atemzug spürt.
Schritt 3: Drücken. Zeigt die Person keine Reaktion und keine Atmung, dann sollte so schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage begonnen werden. „Beide Hände flach übereinander in der Mitte des Brustbeins platzieren und dann mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute rund 5 bis 6 Zentimeter tief drücken“, erklärt Dr. Matthias Hecker.

Das Team der Kinderklinik führt regelmäßig Reanimationstrainings durch, damit im Notfall jeder Handgriff sitzt.
SKN/Steffen RascheIm richtigen Takt
Damit der Takt stimmt, gibt es als Eselsbrücke ein paar Songs zum Merken: „Staying alive“ von den BeeGees, „Dancing Queen“ von ABBA, „Atemlos“ von Helene Fischer oder der Kinderlied-Klassiker „Biene Maja“ haben den optimalen Rhythmus um bei einer Reanimation nicht aus dem Takt zu kommen.
Wer Hemmungen hat, einen Erwachsenen zu beatmen, kann darauf verzichten – wichtig ist, dass das Blut durch die Herzdruckmassage in Bewegung bleibt und der Körper so weiter mit Sauerstoff versorgt wird. Bei Kindern ist eine Beatmung jedoch wichtig - 15-mal drücken - zweimal beatmen. Und dann heißt es vor allem eines: Durchhalten bis die Rettungskräfte eintreffen und den Betroffenen in ihre professionellen Hände übernehmen.
Kostenfreie Infoveranstaltung „Kinderunfälle und Reanimation“
Im Rahmen der Woche der Wiederbelebung bietet das Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am 19. September 2024 im Barbara-Foyer im Krankenhaus Senftenberg eine kostenfreie Informationsveranstaltung für Eltern zum Thema „Kinderunfälle und Reanimation“ an. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
Donnerstag, 19. September 2024 | 17 - 18 Uhr
Krankenhaus Senftenberg, Krankenhausstraße 10
sana.de/niederlausitz