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: In drei Schritten zum Lebensretter

Wenn ein Herz plötzlich und ohne Vorwarnung seinen Dienst versagt, ist schnellste Hilfe gefragt.
Von
Alexander Mader
Senftenberg
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Schnelle Hilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand: Dr. Matthias Hecker gehört zum Medizinischen Einsatzteam der Sana Kliniken Niederlausitz. Im Notfall zählt: Prüfen. Rufen. Drücken.

Schnelle Hilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand: Dr. Matthias Hecker gehört zum Medizinischen Einsatzteam der Sana Kliniken Niederlausitz. Im Notfall zählt: Prüfen. Rufen. Drücken.

SKN/Steffen Rasche

Mehr als 65.000 plötzliche Herzstill­stände werden jährlich in Deutschland registriert. In den meisten Fällen sind be­herzte Laienhelfer gefragt, denn mehr als die Hälfte die­ser Notfälle ereignen sich im häuslichen Umfeld. Mit der Woche der Wiederbelebung vom 16. bis 22. September rücken die Sana Kliniken Niederlausitz das Thema Reanimation einmal mehr in den Fokus.

Die Zahlen sind alarmierend: Nur etwa zehn Prozent aller Reanimationen in Deutsch­land sind erfolgreich. „Wer ei­nen plötzlichen Herzstillstand erleidet, ist meistens auf muti­ge Ersthelfer angewiesen. Oft sind das Familienmitglieder oder Passanten, Freunde oder Kollegen“, sagt Dr. Matthias Hecker, Oberarzt im Zentrum für interdisziplinäre Intensiv­medizin und Anästhesie der Sana Kliniken Niederlausitz. „Im Notfall zählt jede Minute, um irreversible Schäden an Gehirn und Organen zu ver­meiden. Wenn die kostbare Zeit bis zum Eintreffen der Ret­tungskräfte ungenutzt bleibt, können auch wir Profis häufig nicht mehr viel tun“, betont der Intensivmediziner, der re­gelmäßig als Notarzt per Heli­kopter oder auf vier Rädern in der Region im Einsatz ist.

Thomas Schneider, Leitender Oberarzt Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie

Thomas Schneider, Leitender Oberarzt Zentrum für interdisziplinäre Intensivmedizin und Anästhesie

SKN/Steffen Rasche

Umfrage zeigt Lücken

Doch viele wissen nicht, wie sie in so einer Notlage helfen können. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsfor­schungsinstituts Civey, bei der 2023 im Auftrag der Sana Kliniken 5.000 Bundesbürger befragt wurden, hat ergeben, dass jeder Vierte keine ausrei­chenden Erste-Hilfe-Kennt­nisse hat. Zudem hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren keinen oder sogar noch nie einen Erste-Hilfe-Kurs mit Schulung der Wiederbele­bung absolviert.

Üben gegen Ängste

„Im europäischen Vergleich schneiden wir Deutschen schlecht ab, wenn es um den Beginn oder die Durchfüh­rung einer Reanimation geht, insbesondere einer Laienre­animation“, erklärt Thomas Schneider, Leitender Oberarzt im Zentrum für interdiszip­linäre Intensivmedizin und Anästhesie in Senftenberg, und fügt hinzu: „Man hat fest­gestellt, dass es an der hohen Hemmschwelle liegt. Wir sollten unsere Hemmschwel­len fallen lassen. Deswegen gibt es ein einfaches Konzept, mit dem wir wissen, ob wir eine Wiederbelebung star­ten sollten oder ob sie nicht notwendig ist. Dieses heißt: Prüfen. Rufen. Drücken.“ Schritt 1: Prüfen. Wer eine reg­lose oder hilfebedürftige Per­son findet, sollte sie zunächst ansprechen und eventuell ei­nen starken Reiz, zum Beispiel Kneifen, setzen.

Schnell Hilfe holen

Schritt 2: Rufen. Wenn die Person nicht bei Bewusstsein ist, heißt es: Verstärkung orga­nisieren. Durch lautes Rufen können Ersthelfer Personen im Umfeld alarmieren, Hilfe herbeiholen und entweder selbst den Notruf 112 wählen oder eine andere Person auf­fordern, dieses zu tun. Parallel sollte kontrolliert werden, ob die reglose Person noch atmet. Das geht, in dem man den Ober­körper etwas frei macht und be­obachtet, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Alternativ kann man auch sein Ohr über den Mund halten und fühlen, ob man einen Atemzug spürt.

Schritt 3: Drücken. Zeigt die Person keine Reaktion und keine Atmung, dann sollte so schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage begon­nen werden. „Beide Hände flach übereinander in der Mitte des Brustbeins plat­zieren und dann mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute rund 5 bis 6 Zenti­meter tief drücken“, erklärt Dr. Matthias Hecker.

Das Team der Kinderklinik führt regelmäßig Reanimationstrainings durch, damit im Notfall jeder Handgriff sitzt.

Das Team der Kinderklinik führt regelmäßig Reanimationstrainings durch, damit im Notfall jeder Handgriff sitzt.

SKN/Steffen Rasche

Im richtigen Takt

Damit der Takt stimmt, gibt es als Eselsbrücke ein paar Songs zum Merken: „Staying alive“ von den BeeGees, „Dancing Queen“ von ABBA, „Atemlos“ von Helene Fischer oder der Kinderlied-Klassiker „Biene Maja“ haben den optimalen Rhythmus um bei einer Reani­mation nicht aus dem Takt zu kommen.

Wer Hemmungen hat, einen Erwachsenen zu beatmen, kann darauf verzichten – wichtig ist, dass das Blut durch die Herzdruckmassage in Be­wegung bleibt und der Kör­per so weiter mit Sauerstoff versorgt wird. Bei Kindern ist eine Beatmung jedoch wichtig - 15-mal drücken - zweimal be­atmen. Und dann heißt es vor allem eines: Durchhalten bis die Rettungskräfte eintreffen und den Betroffenen in ihre professionellen Hände über­nehmen.

Kostenfreie Infoveranstaltung „Kinderunfälle und Reanimation“

Im Rahmen der Woche der Wiederbelebung bietet das Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am 19. September 2024 im Barbara-Foyer im Krankenhaus Senftenberg eine kostenfreie Informationsveranstaltung für Eltern zum Thema „Kinderunfälle und Reanimation“ an. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Donnerstag, 19. September 2024 | 17 - 18 Uhr
Krankenhaus Senftenberg, Krankenhausstraße 10
sana.de/niederlausitz