42 Kanonenschüsse, Kirchengeläut und ein Feiertag für alle Angestellten, das bringt die freudige Nachricht: Das monegassische Fürstenhaus hat gleich doppelten Nachwuchs bekommen, einen Prinz und eine Prinzessin. Im Hospitalzentrum Princesse-Grace brachte Fürstin Charlène am ges trigen Mittwoch die erwarteten Zwillinge zur Welt.

Die Bewohner des so kleinen, aber feinen Fürstentums an der Côte d'Azur waren damit also aufgefordert, den Geburtstag wie Monacos Nationalfeiertag mit Fähnchen und Wimpeln feiern. Der winzige Staat am Mittelmeer hatte so lange auf das freudige Ereignis warten müssen.

Zwischen zwei Adventssonntagen und früher, als eigentlich von Fürst Albert II. angekündigt, wurde die 36-Jährige also erstmals Mutter. Klar war, dass der fürstliche Kindersegen auch die Thronfolge durcheinanderwirbelt. Bislang hatten die Monegassen vergeblich auf Nachwuchs beim Herrscherpaar auf dem fürstlichen Felsen Monacos gehofft. Die beiden unehelichen Kinder, die der Fürst schon hat, gelten nach monegassischem Gesetz als illegitim, kamen also für den Chefsessel keinesfalls infrage. Wer aber würde der Thronfolger?

Dann spielte die Reihenfolge bei der Geburt aber doch keine Rolle. Zwar erblickte als erstes Gabriella Thérèse Marie 17.04 Uhr das Licht der Welt, während Zwillingsbruder Jacques Honoré Rainier etwa zwei Minuten später 17.06 Uhr kam. Doch, was entscheidend gewesen wäre bei der Geburt zweier Mädchen, eben die Reihenfolge der Geburt, blieb am Mittwoch unbedeutend, weil der Junge nach den monegassischen Statuten in dem Fall der Thronerbe ist.

Denn nach der monegassischen Verfassung ist es wichtig, wer der erste - legitime! - Nachkomme des herrschenden Fürsten ist, wobei der männliche Nachwuchs Vorrang hat. "Ich ziehe es vor, das Geschlecht des Babys nicht vor der Geburt zu kennen", so hatte der 56 Jahre alte Albert noch betont. Charlène wusste es wohl, sagte dem Gatten aber nichts - angeblich. Seit einem halben Jahr erschien die Frau, die zuvor auf viele Beobachter häufig unglücklich gewirkt hatte, nur noch sehr selten öffentlich.

Mit der Geburt im Kreißsaal fast dreieinhalb Jahre nach der Hochzeit des Paares wurden Alberts Schwester Prinzessin Caroline von Hannover (57) und ihr ältester Sohn Andrea Casiraghi (30) in der Linie der möglichen Thronfolger Monacos überholt. Nach einem historischen Vertrag aus dem 17. Jahrhundert bekamen die Neuankömmlinge auch gleich adelige Titel: Jacques ist also bereits Marquis des Baux in der Provence, Gabriella Gräfin in der Auvergne.

Zwei Jungen, zwei Mädchen, ein Junge und ein Mädchen - ganz egal, so mögen manche Monegassen gedacht haben. Hauptsache ist, die doch eher kinderreichen Grimaldis haben jetzt einen gesunden Nachwuchs, einen, der dann später den reichen Felsenstaat vor der Grenze zu Italien gut in die Zukunft steuern kann. Also 21 Kanonenschüsse für jedes der beiden Neugeborenen, eine Viertelstunde Glockenläuten, und dazu die Schiffshörner mit ihrem Tuten vom Hafen oder der Mittelmeerküste her.

Der Hof hatte auch angekündigt, dass die Monegassen an einem Tag ihre neuen prinzlichen Mitbürger nebst den stolzen Eltern auf dem Platz vor dem Fürstenpalast persönlich begrüßen zu können. Ein freier Tag extra für alle, das war noch das, was man zum feiern wirklich im feinen Staat der Millionäre brauchen konnte.