Gemeinsam mit ihrem Vater Ted Polowsky (50) gehörte sie zu den Gästen des diesjährigen ,,Elbe-Day" in Torgau, bei dem am Wochenende tausende Menschen an die historische Begegnung russischer und amerikanischer Truppen und das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 65 Jahren erinnerten.

Nachdem Burxdorfs Ortsvorsteher Frank Niesar an das historische Aufeinandertreffen russischer und amerikanischer Truppen in Burxdorf erinnerte, ergriff Ted Polowsky das Wort und dankte für die Anerkennung, die seinem Vater und den anderen Soldaten durch den Gedenkstein zuteil wird.

Lange Zeit galt die Begegnung der 58. Sowjetischen Gardenschützendivision und einer Patrouille der 69. Infanterieeinheit der US-Armee in Torgau als das erste Aufeinandertreffen der Truppen. Der legendäre Händedruck am 25. April 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern auf der zerstörten Elbebrücke wurde zum Symbolbild für die Zerschlagung Hitlerdeutschlands. Einen Tag später setzte der amerikanische Journalist Allan Jackson diese Begegnung noch einmal in Szene. Dieses Foto ging um die Welt und ist in so ziemlich jedem Geschichtsbuch zu finden. Dass aber bereits in den Mittagsstunden des 25. Aprils Russen und Amerikaner in Burxdorf aufeinander trafen und sich die Hände reichten, ist bis heute weniger bekannt.

Nachdem ein 36 Mann starker Erkundungstrupp - unter ihnen der junge Amerikaner Joe Polowsky - nahe Strehla über die Elbe setzte und weiter Richtung Torgau stieß, trafen sie in Burxdorf im Haus in der Dorfstraße 49 auf den dort einquartierten Stab des 175. Gardenschützenregiments der Roten Armee. Unbemerkt von den noch wenigen Einwohnern des kleinen Ortes, die entweder evakuiert waren, oder sich aus Angst in ihren Häusern versteckt hielten, fielen sich die Soldaten in die Arme. Der Russe Igor Belousewitsch hielt diese Begegnung auf mehreren Fotos fest - auch diese Aufnahmen sollten um den Globus gehen. Lange Zeit ordneten Historiker diese Bilder dem sächsischem Keinitz zu, da man annahm, dass die Amerikaner ihren Erkundungsmarsch auf der sächsischen Elbseite in Richtung Torgau fortsetzten. Erst 1995 widerlegten holländische Militärhistoriker diese These und stellten weitere Untersuchungen an. Allein durch die Identifizierung der heutigen Eigentümer des Burxdorfer Hauses gelang schließlich eine genaue Zuordnung der historischen Bilddokumente.

Nach Kriegsende kehrte Joe Polowsky 1946 in die USA zurück. Die schrecklichen Bilder des Krieges prägten den jungen Mann nachhaltig. Er selbst schwor sich, seine ganze Kraft für die Erhaltung des Friedens einzusetzen. Mit seinem Gesuch an die Vereinten Nationen, den 25. April zum Weltfriedenstag zu erklären, scheiterte Polowsky.

Aus Protest und zur Demonstration stellte sich der Kriegsveteran fortan jedes Jahr am 25. April auf die Michigan-Avenue-Brigde in Chicago und hielt eine Friedenswache. Während die sozialistische Welt seine Bemühungen anerkannte, wurde der Friedensaktivist in seiner Heimat wegen ,,unamerikanischer Umtriebe" beobachtet. Seinem Friedensschwur blieb Polowsky bis zuletzt treu: Nach seinem Tod, am 18. Oktober 1983, ließ er sich in Torgau beerdigen. Er wollte damit den Eisernen Vorhang und die Gräben des Kalten Krieges überwinden helfen.

Aufgrund der neuesten geschichtlichen Erkenntnisse holten die Organisatoren bereits im April 2005 den ,,Elbe-Day" bis nach Burxdorf, um am Original-Schauplatz an dieses welthistorische Ereignis zu erinnern. Der Gedenkstein wurde 2007 eingeweiht. Heute umgeben vier Friedensrosen das Mahnmal.

Ted Polowsky ist sich sicher: ,,Mein Vater wäre glücklich, wenn er wüsste, dass Deutschland heute nicht mehr zweigeteilt ist."