Der Hintergrund dieser komplizierten Situation ist, dass aus dem Erbe nicht schlichtweg jeder seinen Teil bekommt. "Wer Erbe wird, tritt in vollem Umfang in die Rechtsstellung des Verstorbenen ein", erklärt Matthias Meyer von der Bundesnotarkammer in Berlin. Das gilt für das Vermögen, aber auch für mögliche Schulden des Erblassers. "Die Erbschaft kann aber sechs Wochen nach zuverlässiger Kenntnis über die für die Erbenstellung maßgeblichen Umstände ausgeschlagen werden."
Wer aber ist der gesetzliche Erbe? "Entscheidend bei der gesetzlichen Erbfolge ist die verwandtschaftliche Nähe zum Verstorbenen. Das Gesetz teilt die Verwandten des Verstorbenen in verschiedene Ordnungen ein", erläutert Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Maßgeblich ist dabei nicht unbedingt die Nähe im Zusammenleben vor dem Tod.

Kinder in erster Ordnung
In der ersten Ordnung stehen die Abkömmlinge des Erblassers - also seine Kinder, Enkel und Urenkel. Bei der zweiten Ordnung handelt es sich um die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Vater und Mutter, seine Geschwister, Neffen, Nichten, Großneffen und -nichten. Zur dritten Ordnung zählen die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Onkel, Tanten und Cousins. Zur vierten Ordnung schließlich zählen die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge. "Hier ist aber zu beachten, dass diese Verwandten nicht erben, wenn der Ehegatte erbt", sagt Bittler. Das gilt auch für die theoretisch noch weiter folgenden Ordnungen wie Ururgroßeltern.

Kein fester Anteil für Ehepartner
Natürlich erbt auch der überlebende Ehepartner. Wie hoch der Anteil des Erbes für die Witwe oder den Witwer ist, lässt sich pauschal nicht sagen, wie Erbrechtsexperte Meyer erklärt: "Grundsätzlich erbt der überlebende Ehegatte zur Hälfte neben den gesetzlichen Erben der ersten Ordnung, also den Kindern oder deren Nachkommen, und zu drei Viertel neben den Eltern, deren Nachkommen oder den Großeltern. Gibt es nur noch weit entfernte Verwandte, erbt der Ehepartner zu 100 Prozent."
Das gelte allerdings nur, wenn die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebten und nicht in einem Ehevertrag die Gütertrennung vereinbart haben. Bei der Gütertrennung hängt die Erbquote von der Anzahl der Kinder ab, beträgt aber mindestens immer ein Viertel.

Regelungen kaum bekannt
Gerade die Regelungen des Ehegatten-Erbrechts seien den meisten Menschen nicht bekannt, sagt Klaus Michael Groll, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht in München. "Viele glauben, dass zunächst der Ehepartner alles erbt." Groll rät daher dazu, möglichst ein Testament aufzusetzen. Davon machten laut einer Umfrage des Erbrechtsforums derzeit aber nur rund ein Viertel der Deutschen Gebrauch.
Ebenso wenig sei vielen Menschen bekannt, dass sie durch einen Ehevertrag den Partner auch von einem Teil des möglichen Erbes ausschließen, sagt Groll. Das lässt sich mit einem anderen juristischen Instrument verhindern: "Wenn man einen Ehevertrag schließen möchte, kann man durch die modifizierte Zugewinngemeinschaft verhindern, dass der Ehepartner weniger erbt."

Literatur: Ausführliche Informationen dazu enthält die Broschüre "Die gesetzliche Erbfolge". Sie kostet zehn Euro inklusive Porto und Verpackung und kann beim Deutschen Forums für Erbrecht, Rosental 10, 80331 München bestellt werden.