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| 01:35 Uhr

Zitternde Hunde am Tierheim-Tor

Cottbus / Groß Döbbern. Wütend zeigen sich die Mitarbeiter des Tierheims in Groß Döbbern: Zwei Hunde sind angeleint am Tor von ihren Besitzern zurückgelassen worden. Allerdings kommen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in Cottbus und Umgebung regelmäßig vor. Von René Wappler

Immer noch zieht es beide Hunde zum Tor des Tierheims, als ob sie hoffen, dort auf ihre Besitzer zu treffen. Wenn die Chefin der Anlage, Annett Stange, mit ihnen eine Runde zwischen den Baracken dreht, muss sie nicht lange warten - nach wenigen Sekunden schon zerren sie an der Leine, um zum Eingang zu gelangen. Sky und Schooki: Diese Namen haben die Tierheim-Mitarbeiter den herrenlosen Hunden gegeben, doch es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sie darauf reagieren.

Empört schüttelt Annett Stange den Kopf: “Wir würden gern alles daran setzen, um die Besitzer der Hunde zur Verantwortung zu ziehen.„ In der Nacht zum 19. Januar regnete es in Strömen, die Temperatur lag um den Gefrierpunkt - bei diesem Wetter fanden die Mitarbeiter den braunen Schooki angeleint am Tor. “Wir können von Glück reden, dass er diese Tortur überlebt hat„, sagt Annett Stange. Auch der weiße Schäferhund-Mischling wurde über Nacht am Tor zurückgelassen. Die Betreuer vermuten, dass sich die Besitzer so ihrer tierischen Weihnachtsgeschenke entledigen wollten.

Beide Fälle sind kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat - darauf weist auch der Cottbuser Polizeisprecher Torsten Wendt hin. Ein Mensch darf ein Haustier in seiner Obhut laut Tierschutzgesetz nicht einfach aussetzen. Denn er würde sich den Vorwurf der Tierquälerei einhandeln. Paragraf 17 stellt dazu fest: “Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.„

Mitunter müssen sich die Cottbuser Polizisten mit solchen Fällen befassen. So berichtet Pressesprecher Torsten Wendt von Menschen, die mit Luftgewehren auf Katzen schießen, von Tierhaltern, die regelmäßig ihre Hunde verprügeln: “Uns lässt so etwas keineswegs kalt.„

Wie ihm geht es der Tierärztin Wienke Becker, die sich bei der Cottbuser Stadtverwaltung um den Schutz der Vierbeiner kümmert. “Wir Tierärzte sind ihre berufenen Anwälte„, sagt sie. “Es ist einfach ein Unding, dass sich Leute erst Tiere anschaffen und sie dann wegwerfen wie ein ungeliebtes Spielzeug.„ Denn nach den Worten der Fachleute sollten Tierhalter die Bindung nicht unterschätzen, die Hunde, aber auch Katzen, zu ihren Bezugspersonen entwickeln können. Annett Stange vom Tierheim in Groß Döbbern hat dies am Beispiel der Hunde Sky und Schooki erfahren: “Das Leiden für das ausgesetzte Tier kann man mit einer Geldstrafe nicht mildern - der plötzliche Verlust des Menschen führt häufig zu starken Angstzuständen und anhaltenden Traumata.„

So zeigte sich vor allem der braune Hund Schooki noch Tage, nachdem ihn seine Besitzer zurückgelassen hatten, unter Schock: Er zitterte ununterbrochen und wollte sein Futter nicht anrühren. Inzwischen geht es ihm besser - nur zum Tor des Tierheims will er immer noch laufen. Könnte ja sein, dass dort seine Besitzer auf ihn warten.