Antje Zimprich und Oliver Guse haben schon viele Slawenburg-Momente genossen. "Wir zählen zu ständigen Burgbewohnern", erzählte das Künstlerpaar und macht das am wiederholten Besuch beim "Marktplatz der Lausitzer Kulturen" fest.

Dass sie ihr 250 Jahre altes Reetdach-Bauernhaus im mecklenburgischen Siggelow in Richtung Raddusch verlassen haben, hatte mehrere Gründe. Einer rankt sich um den Lehmofen im Inneren des Burghofes. "Wir können hier umgehend mit unserer Arbeit beginnen. Ein mehrstündiges Anheizen ist nicht notwendig", nannte Glasperlenmacherin Zimprich einen der Vorzüge. "Das Slawenburg-Team erhält die Feuerstelle, schützt sie vor Witterungseinflüsse und trägt somit dazu bei, dass wir diese seit nunmehr sechs Jahren nutzen können", schwärmte das Paar, das selbst gefertigten Schmuck in Form von Kreuzen mitgebracht hatte.

Ihre kleinen, aus Legierungen geformten Accessoires stellten einen Kontrast zu den zentnerschweren Steinkreuzen im Ausstellungsraum der Burg dar. Als Originale zählen sie zu den Zeitzeugen der Sonderausstellung "Sagenhafte Steinkreuze", die bis Ende Februar 2014 besucht werden kann.

Wie viel Sagenhaftes die Relikte aus vergangenen Jahrhunderten in sich bergen, wird an Geschichten deutlich, die mit ihnen in Verbindung gebracht werden. "So genannte Sühnekreuze mussten von Personen errichtet werden, die den Tod eines Menschen zu verantworten hatten. Ein Beleg dafür liefern Sühneverträge", erklärt Ausstellungskuratorin Anke Wolf.

Anlässe, einen anderen Menschen ins Jenseits zu schicken, gab es seinerzeit zur Genüge: Da wurden Konflikte um Grundbesitz mit der Klinge ausgefochten, die Affäre mit einer Ehefrau gestraft oder der Streit um eine Handvoll Haselnüsse blutig beendet. Andere Steinkreuze erinnern wiederum an gefallene Krieger, außergewöhnliche Begebenheiten oder an Missgeschicke, die tödlich endeten.

So soll das Steinkreuz in Lipten (Amt Altdöbern) einen Standort erwähnen, an dem sich frühe Christen heimlich trafen. Einer zweiten Sage nach soll an dieser Stelle ein Reiter samt Pferd im Sumpf versunken sein. Bedauerlich: Das Liptener Kreuz musste im Frühjahr 2011 geborgen werden. Möglicherweise hatte die Unachtsamkeit eines Winterdienstfahrzeugführers zum Bersten des Steinkreuzes geführt.

Schwacher Trost: In der Sonderausstellung mahnt das Bodendenkmal als Original vor dem achtlosen und mitunter kriminellen Umgang mit den Relikten. "2011 ist das 1,40 Meter große Steinkreuz in Garrenchen (Kreis Dahme-Spreewald) unter erheblichem Aufwand gestohlen worden und bis heute nicht wieder aufgetaucht", erinnerte Anke Wolf an den spektakulären Diebstahl.

"Es ist zweifellos eines der schönsten Steinkreuze, die ich je fotografiert habe", pflichtete Detlef Sommer der Kuratorin bei. Bereits Anfang der 80er-Jahre hatte der Wünsdorfer Aufnahmen für einen Steinkreuzkatalog des Bezirkes Cottbus beigesteuert. "Zehn Jahre später bin ich mit meiner Frau Karin noch einmal auf Tour gegangen, um zu sehen, was aus den Steinkreuzen geworden ist und um aktuelle Aufnahmen zu machen", erzählt er. Seine Fotografien bilden das Gros der Motive der Sonderausstellung, die noch weitere sagenhafte Momente bereithält.