"Dawn" soll die Asteroiden Vesta und Ceres erforschen. Vom Besuch bei den Himmelskörpern, die zwischen 320 und 450 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt sind, erwarten die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Planetenentstehung. Bei der Beobachtung der beiden großen Asteroiden kommt den deutschen Kameras eine wichtige Rolle zu. Entwickelt wurden die baugleichen Aufnahmesysteme vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau. Beide Kameras - übrigens die ersten aus ausländischer Produktion bei einer Nasa-Mission in die Tiefe des Sonnensystems - können Bilder von Vesta und Ceres durch einen farbneutralen Filter sowie sieben Farbfilter aufnehmen. Sie sollen unter anderem dazu beitragen, die geologische Beschaffenheit und das Landschaftsprofil beider Asteroiden zu erkunden.
Nachdem der Start der unbemannten Sonde "Dawn" im Juli gleich zweimal wegen schlechten Wetters und technischer Schwierigkeiten verschoben werden musste, hoffen die Wissenschaftler nun auf einen reibungslosen Countdown bis zum geplanten Starttermin morgen Mittag deutscher Zeit. "Mit diesem System werden wir eine Art Zeitreise in die Frühzeit des Sonnensystems unternehmen können", sagt Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung.
Hintergrund ist die unterschiedliche Entwicklung, die Vesta und Ceres sei ihrer nahezu zeitgleichen Entstehung zu Beginn des Sonnensystems von rund 4,6 Milliarden Jahren genommen haben. So gilt die sonnennähere Vesta, die "Dawn" voraussichtlich 2011 erreichen wird, mit ihren 520 Kilometern Durchmesser als "trockener" Aste roid. Ceres, mit 960 Kilometern Durchmesser größter Himmelskörper im As teroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, weist dagegen wegen seiner größeren Sonnenferne einen höheren Anteil an leichten und flüchtigen Elementen auf - in seinem Inneren vermuten manche Wissenschaftler sogar Wasser. "Dawn" soll 2015 in eine Umlaufbahn um Ceres einschwenken.
„Mit den Kameras, die wir gemeinsam mit den Max-Planck-Kollegen gebaut haben, werden wir ein detailreiches Bild der beiden Asteroiden erhalten“ , ist Jaumann sicher. Mit ihrem Beitrag zur "Dawn"-Mission betreten die deutschen Forscher durchaus kein Neuland: Das DLR-Institut für Planetenforschung verfügt über langjährige Erfahrung in der Verarbeitung von Stereo-Bilddaten - vor allem durch die dreidimensionale Kartierung der Marsoberfläche, die durch Bilder der deutschen HRSC-Kamera an Bord der Raumsonde "Mars Express" gelang.
200 Jahre nach der Entdeckung von Vesta durch den Bremer Arzt und Astronomen Heinrich Olbers im Jahr 1807 ist "Dawn" die erste Raumsonde, die zwei der größten Asteroiden besuchen und aus Umlaufbahnen erforschen wird. Ceres wurde 1801 von Giuseppe Piazzi entdeckt und erst 2006 in den Rang eines Zwergplaneten erhoben. Dieser neu geschaffenen Klasse von Körpern des Sonnensystems gehören auch der Ex-Planet Pluto und der Himmelskörper Eris an.