Es geht doch: Das deutsche Fernsehen schafft spannende Serien, die mit den Vorbildern aus den USA und Skandinavien mithalten können. Die Geschichte um einen jungen DDR-Soldaten, der zur Spionage im Westen gezwungen wird, feierte erst in den USA ihre TV-Premiere - noch bevor sie ab dem heutigen Donnerstag (20.15 Uhr) hier zu sehen ist.

"Frisch und unterhaltsam" fand die "New York Times" die Saga, die auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs spielt, zwischen Bonn, Brüssel, Berlin und dem damals noch verwitterten DDR-Vorort Kleinmachnow. Sie erinnert an die US-Spionage-Serie "The Americans". Hauptdarsteller Jonas Nay (25) wird wohl noch einige Preise einheimsen.

Die acht Folgen werden immer donnerstags um 20.15 Uhr bei RTL im Doppelpack ausgestrahlt. Dort sind die Zuschauer eher an den Actionstoff "Alarm für Cobra 11" gewöhnt. "Deutschland 83"-Produzent Nico Hofmann ("Unsere Mütter, unsere Väter") wird genau verfolgen, welche Quoten seine neue Serie im ganz normalen Fernsehen bringt.

Die Story: Der junge DDR-Soldat Martin Rauch (Nay) wird von seiner kaltblütigen Tante (Maria Schrader) zur Bundeswehr in den Westen gezwungen, wo er die Pläne für die Pershing-II-Raketen und ein Nato-Manöver auskundschaften soll. Die Gegenleistung des DDR-Auslandsgeheimdienstes: Martins nierenkranke Mutter (Ingrid Rauch) soll einen Platz auf der Spenderliste der Ost-Berliner Charité-Klinik bekommen. Er muss dafür seine Freundin (Sonja Gerhardt) in der DDR zurücklassen.

Es ist nicht nur eine Geschichte über Spionage, sondern auch über das Erwachsenwerden. Die Episoden sind fortlaufend erzählt. Man muss dranbleiben. Zum Ende der Staffel hin sind nicht alle Wendungen überzeugend.

Die Autorin Anna Winger und ihr Mann Jörg Winger ("Soko Leipzig") haben die Figuren und Konflikte liebevoll gezeichnet. So hat Bundeswehrgeneral Edel (Ulrich Noethen) zwei Kinder (Ludwig Trepte und Lisa Tomaschewsky), die so gar nicht den Erwartungen des strengen Vaters entsprechen. Eine Rebellion, wie sie viele Familien kennen.

Dazu kommt viel Zeitgeist: die Bhagwan-Kommune, Aids, Udo Lindenbergs Konzert in Ost-Berlin, Ronald Reagan und Helmut Kohl im Fernsehen. Und der 80er-Jahre-Sound: Im Vorspann flackern Nachrichtenbilder über Nays nackten Oberkörper, dazu läuft New Orders Hit "Blue Monday". Sowohl die BRD als auch die DDR hört Nenas "99 Luftballons".

Es ist ein Einblick, wie das Leben in der DDR und in der BRD war - weder mit Ostalgie noch mit Westalgie. Eine Fortsetzung ist schon geplant, sie würde im Jahr 1986 spielen.

In den 80er-Jahren geht es nach den ersten beiden Episoden bei RTL auch weiter: In der Dokumentation "1983 (K)ein bisschen Frieden" befassen sich ab 22.10 Uhr Inka Bause und Peter Kloeppel mit dem "ereignisreichen Jahr zwischen Pop & Politik".