Auktionator Heinz Dieter Wendt versteigerte rund 500 vergessene Koffer und Taschen von Lufthansa-Passagieren.

Was genau in den Gepäckstücken steckte, blieb geheim, bis der Hammer gefallen war und der Meistbietende seinen Kauf in Händen hielt. Nur ab und zu zeigte Wendt einige Teile. Leicht konnte man hier die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen, doch gerade das machte den Reiz aus.

Eine Lastwagenladung Koffer in allen Formen und Farben türmen sich hinter dem Pult des Auktionators auf, vor ihm liegen in Glasvitrinen Handys, Kameras, Uhren und Schmuck. Etwa 200 Neugierige haben es sich auf Stühlen oder Treppenstufen bequem gemacht. Die Spannung steigt, der Hammer fällt, der erste kleine Rollkoffer ist für 40 Euro an den Mann gebracht. In schneller Reihenfolge geht es weiter. Viele betreiben die Auktionen fast schon professionell. Das Ersteigerte wird dann auf dem Flohmarkt oder im Internet weiter verkauft.

Rainer - seinen Nachnamen will er nicht nennen - kann seine ersteigerten Koffer kaum noch zählen. 50 waren es mindestens. Seit acht Jahren fährt der 56-Jährige aus Peine regelmäßig zu den "Lost and Found"-Auktionen (verloren und gefunden), jedes Mal nimmt er etwa fünf Koffer mit nach Hause. "Da war schon alles Mögliche dabei. Von schmutziger Wäsche über hochwertige orientalische Kleider aus Jordanien bis zu einem goldenen Kugelschreiberset", erzählt er. Das hat er dann für 170 Euro im Internet versteigert. "Das ist wie eine riesengroße Wundertüte, man weiß nie, was man bekommt", sagt der kleine Mann mit dem runden Bauch und lacht verschmitzt.

Von den 80 Millionen Gepäckstücken, welche die Lufthansa jährlich transportiert, bleiben rund 8000 auf den Rollbändern liegen. Nach drei Tagen werden die Koffer geöffnet, nach einer Adresse durchsucht und eine Liste des Inhalts erstellt. Dann bleiben die Koffer drei Monate lang im Lager und werden schließlich noch vom Zoll durchsucht. Drogen, Sprengstoff, Waffen, Lebensmittel und alles, was auf der "roten Liste" steht, wie etwa Elfenbein, wird aus den Koffern entfernt.

Wissen, was im Koffer ist, will Rainer nicht. Manchmal lässt er die Taschen mehrere Tage zu Hause liegen, bis er sie öffnet. Heute macht er eine Ausnahme und gewährt einen Blick ins Innere des gerade für 90 Euro ersteigerten Gepäcks: Eine noch verpackte aktuelle Schallplatte ist darin, Damenbinden, ein kleines Holzgeweih, Klamotten und eine verschließbare Plastikschüssel. Rainer findet es geradezu ärgerlich, wenn der Auktionator zeigt, was in den Koffern ist. Dann steigert er prinzipiell nicht mit. "Da ist doch die ganze Überraschung weg."