Der Wolf nähert sich langsam. Er läuft vorsichtig. Stoppt. Schaut zurück. Der Absetzer im Tagebau Nochten, der in seinem Rücken seinem monotonen Tagwerk nachgeht, stört ihn überhaupt nicht. Plötzlich hat es der Wolf eilig. Er trabt los.

"Hat er toll gemacht", lobt Kameramann Sebastian Edschmid. Damit meint er Jerome.

Jerome ist ein sieben Jahre alter Wolfshund. Er spielt den Wolf im neuen Polizeiruf 110. "Wolfsland" wird von der Eikon Media GmbH Film- und Fernsehproduktion im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) aufgenommen. Am 20. August haben dafür die Aufnahmen begonnen, der letzte Drehtag war jetzt nahe Weißwasser.

Schon vor Monaten hatten die Location-Scouts das Tagebaurandfeld bei Weißwasser als Drehort auserkoren und alle Absprachen mit dem Unternehmen Vattenfall geführt.

Jerome ist Teil der Eröffnungsszene im neuen Polizeiruf. Er soll sich langsam der Zivilisation nähern. Nach vier Klappen ist das Ganze im Kasten. Dafür haben Julia Brill und Astrid Harsch gesorgt. Erstgenannte ist die Besitzerin des Wolfshundes, zweitgenannte Tiertrainerin. Sie "steuert" Jerome nur mit einzelnen Rufen und einer Handbewegung. Harsch ist jahrelang vom Fach. Ihre Tiere - vom Haustier bis zum Exoten - sind in der MDR-Serie "Tierärztin Dr. Mertens" oder den neuen Märchenverfilmungen der Gebrüder Grimm dabei.

"Bei Brüderchen und Schwesterchen war eine Hirschkuh von uns im Einsatz", erzählt Astrid Harsch. Warum sie auf einen Wolfshund und keinen Wolf setzt, kann sie erklären: "Wölfe fremdeln, das macht der Wolfshund nicht."

Damit Jerome aber wie ein echter Wolf aussieht, wird er vor seinem Dreh geschminkt. Braune Farbe verleiht ihm das richtige Aussehen.

Auch wenn vom Wolf weit und breit nichts zu sehen ist, muss wenig später Schauspieler Fabian Hinrichs so tun als ob. Als Wolfsbeobachter Stefan Waldner hat er eine Hauptrolle in dem Streifen. Bei Weißwasser sitzt er im hohen Gras, hinter ihm ein Strahler, um ihn herum wird die Kamera geführt.

Alles muss mucksmäuschenstill sein. Beim zweiten Mal fällt auch hier schon die Klappe, ist der Regisseur zufrieden.

Aufwendiger gestaltet sich die Szene am Waldrand nahe des künftigen Hermannsdorfer Sees, wo sich Kommissarin Lenski und Wolfsbeobachter Waldner treffen. Um die richtigen Perspektiven einzufangen, wird mit zwei Kameras gedreht. Eine davon ist auf einem Kran installiert, für den extra Schienen verlegt wurden. Mehr als 15 Personen sind am Set. Da müssen der Ton stimmen, die Schminke, die Einstellungen der Technik. Nur das Wetter kann keiner beeinflussen. Denn plötzlich schiebt sich eine Wolke vor die Sonne... Doch die Schauspieler wissen die Zeit zu nutzen. Es werden Pilze gesammelt, die derzeit gut und reichlich im Lausitzer Sand sprießen.

Da beendet auch Horst Krause seine Textbesprechungen mit einer Assistentin und lässt sich zu einer Fachsimpelei über Pilze verleiten. Gerald Kendzia, Leiter der Rekultivierung bei Vattenfall und mit am Set, klärt gern auf, was Butter-, Kuh- oder Birkenpilz ist. "Der Kuhpilz wird beim Braten ein bisschen blau. Das ist aber nicht schlimm." "Nur gut, dass Du das sagst", lacht Schauspieler Fabian Hinrichs.

Er hat nun zwei Stunden Drehpause. Dafür sind Horst Krause und Maria Simon gefordert. Horst Krause freut sich, er hat an diesem Samstag schon mehrere Stunden auf seinen Einsatz gewartet.

Zum Thema:
Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) werden ins alte Schloss von Kaskow gerufen. Ein Anrufer hat einen Leichenfund gemeldet. Vor Ort finden die beiden allerdings keine Leiche, sondern ein totes Tier und zwei aufgebrachte Menschen in einer skurrilen Situation: Schlossherrin Elisabeth von Taupitz (Monika Lennartz) bedroht mit ihrem Jagdgewehr Stefan Waldner (Fabian Hinrichs), der mit einem erschossenen Wolf auf dem Arm auf ihrem Grundstück steht. Waldner ist Wolfsbeobachter und beschuldigt von Taupitz, den Wolf umgebracht zu haben und die Dorfbewohner gegen die Tiere aufzuhetzen. Weitere Schüsse fallen.Es wird deutlich, dass Waldners Aktivitäten im Dorf auf wenig Gegenliebe stoßen. Siedelt sich hier eine Wolfsfamilie an - und danach sieht es aus, - dann soll in Kaskow ein Wolfszentrum entstehen.