Die momentanen Voraussetzungen am Standort Albertstraße sind für die 52 ehrenamtlichen Helfer der Forster Schnelleinsatzgruppe (SEG) "Sichtung und Behandlung" und der Einsatzkräfte der Rettungshundestaffel äußerst schwierig. "Wir kämpfen am Limit", beschreibt Wolfhard Kätzmer vom Katastrophenschutz die Situation. Gemeinsam mit Landrat Harald Altekrüger (CDU) und Beigeordneter Olaf Lalk (CDU) führt er den Innenminister durch die engen Flure des Gebäudes.

Seit Monaten befindet sich vor dem maroden Haus eine Baustelle. Auf dem Außengelände und im Gebäude selbst fehlt es an Platz. Im kommenden Jahr soll der Katastrophenschutz ein neues Einsatzfahrzeug erhalten. Wohin damit, weiß Kätzmer nicht: "Die Garagen sind voll." Der Putz bröckelt, die Treppen knarren und die Einsatzkräfte "bibbern vor Kälte" im Winter, erzählt auch Rettungshundeführerin Saskia Stahn "Man sollte die ehrenamtlichen Helfer mit solchen Bedingungen nicht verprellen", betont sie.

Pläne für eine Verbesserung der Situation wurden bereits erarbeitet. Die Katastrophenschutzeinheiten sollen in die ehemalige Betriebsberufsschule in der Charlottenstraße umziehen. Die veranschlagten Kosten für dieses Vorhaben betragen den Angaben zufolge 750 000 Euro.

In der unteren Etage des Fabrikgebäudes soll ein großer Garagenkomplex entstehen, in dem alle Einsatzfahrzeuge unterkommen. Im Obergeschoss ist ein Unterrichts- und Aufenthaltsraum geplant. "Hier könnten mit wenig Aufwand alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden", ist sich Kätzmer sicher. Auch die Rettungshunde hätten auf dem Außengelände ausreichend Platz zum Trainieren.

Die Umbaumaßnahmen sollen nach Angaben Lalks bereits im kommenden Jahr beginnen. Die ehrenamtlichen Helfer des SEG und des DRK können dann voraussichtlich im Jahr 2014 von der Albertstraße in das neue Katastrophenschutzzentrum in der Charlottenstraße umziehen. Der Innenminister lässt sich die Umbaupläne ausführlich erläutern.

Für Woikde sind die vielen ehrenamtlichen Helfer in der Region das "Rückgrat des Katastrophenschutzes" im Land Brandenburg. "Es ist schon ein Unterschied, im Sportverein aktiv zu sein oder sein Leben für die Rettung anderer einzusetzen", betont er auf der anschließenden Stippvisite im deutsch-polnischen Feuerwehrstützpunkt in Groß Gastrose. Immerhin 201 Freiwillige Feuerwehren gibt es im Land Brandenburg, dagegen nur fünf Berufs- und zehn Werkfeuerwehren. Von den 45 993 aktiven Feuerwehrmännern engagieren sich 44 495 ehrenamtlich.

"Die große Herausforderung der Zukunft ist es, die Qualität des Katastropenschutzes auf dem jetzigen Niveau zu halten", sagt Woidke. Die Zukunft der Feuerwehren sieht der Innenminister mit Blick auf die demografische Entwicklung in der Region vor allem in der Standardisierung und der Spezialisierung. "Nicht jede Wehr muss auf Hochwassereinsätze vorbereitet sein, nicht überall gibt es große Flächenwaldbrände", erklärt er. Nötig seien aber eine gute Vernetzung und die überregionale Planung.

Um die vielen Ehrenamtler bei der Stange zu halten, müssten aber auch die Rahmenbedingungen vor Ort stimmen, so der Innenminister. Als Vorzeigeobjekt bezeichnet er die Sanierung des Feuerwehrstützpunktes in Groß Gastrose. Der Um- und Ausbau der alten Schule ist eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben der Großgemeinde Schenkendöbern und kostet 1,13 Millionen Euro. 85 Prozent davon sind Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung.

"Einmalig ist das Projekt auch wegen der hervorragenden deutsch-polnischen Zusammenarbeit", betont der Schenkendöberner Bürgermeister Peter Jeschke. "Hier wird deutsch-polnische Freundschaft wirklich gelebt", sagt er. Für ihre Zusammenarbeit haben die Feuerwehren in Groß Gastrose und im benachbarten Markosice im Vorjahr sogar den Cross-Border-Award "Sail of Papenburg" erhalten, eine der höchsten Auszeichnungen der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen.