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Wohneigentum kaufen – allein statt zu zweit

Immer mehr Alleinstehende erfüllen sich den Traum von der eigenen Immobilie.
Immer mehr Alleinstehende erfüllen sich den Traum von der eigenen Immobilie. FOTO: dpa
Bad Honnef. Immer mehr Singles erfüllen sich den Traum von den eigenen vier Wänden. Wer die Finanzierung alleine stemmt, muss sich allerdings von einigen gängigen Ratschlägen verabschieden. Falk Zielke

Offizielle Statistiken, wie viele Alleinstehende in Deutschland Immobilien erwerben, gibt es zwar nicht. Dennoch hat Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau in Bad Honnef bei Bonn beobachtet: "Bauen ist nicht mehr ausschließlich ein Thema für Familien." Etwa 20 Prozent der Käufer sind kinderlose Paare und gut zehn Prozent der Käufer sind Singles - Tendenz steigend.

Bei der Finanzierung ihrer Immobilie müssen Alleinstehende allerdings genauer rechnen als Paare - und zwar aus einem einfachen Grund: "Singles haben in der Regel kein Backup", sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie müssen die Raten für den Kredit auch in finanziell schwierigen Zeiten alleine bedienen können. "Paare können sich im Ernstfall unterstützen."

Mehr Eigenkapital notwendig

Eine wichtige Regel lautet daher: "Singles sollten wesentlich mehr Eigenkapital mitbringen", empfiehlt der Immobilienexperte. "Reichen bei Paaren meist 20 bis 30 Prozent der Kreditsumme aus, sollten Singles besser 40 bis 50 Prozent Eigenkapital mitbringen." Der Vorteil: Die Zinsbelastung für den Kredit sinkt.

Ein Beispiel: Ein Immobilienkredit über 100 000 Euro mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einer Tilgung von zwei Prozent kostet laut der FMH-Finanzberatung aus Frankfurt am Main bei einer Beleihung von 80 Prozent im günstigsten Fall 2,37 Prozent Zinsen. Bei einer Beleihung von 50 Prozent sinkt der günstigste Zinssatz auf 2,17 Prozent (Stand: 11. März 2014).

Für Notzeiten Reserven aufbauen

Die fehlende Rückendeckung ist Grund für einen weiteren Tipp: "Sie müssen als Alleinstehender darauf achten, dass Sie den Kredit auch in Notzeiten immer bedienen können", erklärt FMH-Inhaber Max Herbst. Während Paare jeden übrigen Euro in die Sondertilgung stecken sollten, ist es für Alleinstehende besser, Reserven aufzubauen. "Finanzmathematisch ist das zwar Blödsinn, für Singles aber wichtig."

Auch Verbraucherschützer Hartmut Schwarz sagt: "Legen Sie lieber Geld beiseite. Als Single brauchen Sie bei der Finanzierung mehr Luft." Anderenfalls laufen Käufer oder Bauherren Gefahr, ihre Immobilie bei längerer Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit verkaufen zu müssen. Deshalb sollte die Höhe des Kredits auch begrenzt sein: "Mehr als 30 Prozent des monatlich verfügbaren Nettoeinkommens sollte dafür nicht aufgebracht werden müssen."

Langfristige Finanzierung

Generell bauen Singles die Finanzierung für die eigenen vier Wände am besten langfristig auf. Denn das schützt vor überraschenden Ereignissen. "Wählen Sie lieber eine lange Zinsbindung von 15 Jahren oder mehr", sagt Max Herbst. Die koste zwar etwas mehr, habe aber den Vorteil, dass die Raten lange planbar bleiben. "Außerdem schützen Sie sich damit vor möglichen Zinssteigerungen in der Zukunft."

Es gibt allerdings auch Vorteile für Singles bei der Hausfinanzierung: "Sie müssen auf niemanden Rücksicht nehmen", sagt Verbraucherschützer Schwarz. "Sie können einen Fahrplan aufbauen, ohne zum Beispiel möglichen Familienzuwachs zu berücksichtigen." Und Max Herbst ergänzt: "Sie müssen auch nicht mit einer Scheidung oder Trennung rechnen." Denn oft gibt es in einem solchen Fall Streit: Wer bekommt die Immobilie? Soll sie möglicherweise verkauft werden? Oder muss die Finanzierung neu aufgestellt werden? "Dieses Risiko entfällt für alleinstehende Bauherren und Käufer", sagt Herbst.